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THEMEN

Die Trainer der deutschen Nationalelf

Einführung

Seit 1926 gibt es im deutschen Fußball die Position des Bundestrainers (bis 1945 Reichstrainer). Nur zehn Namen, weit weniger als in jedem vergleichbaren Land, umfasst die Liste der "Amtsinhaber". Und die Wechsel vollzogen sich nicht immer ganz reibungslos.

Otto Nerz musste die Verantwortung für die Nationalmannschaft nach der blamablen 0:2-Niederlage gegen Norwegen beim Olympischen Fußballturnier 1936 abgeben, blieb aber noch bis ins Frühjahr 1938 Reichstrainer. Aus diesem Grund musste Sepp Herberger über eine längere Zeit alle Aufstellungen etc. immer erst Otto Nerz vorlegen. Herberger kündigte seinen Rücktritt im Herbst 1963 für das Ende der Saison 1963/1964 an und schlug selbst seinen Assistenten Helmut Schön vor. Auch der Übergang zu Jupp Derwall verlief ohne große Probleme. Helmut Schön hatte seinen Rücktritt bereits vor der WM 1978 angekündigt und seinen Assistenten Derwall für die Nachfolge vorgeschlagen. Anders die Situation sechs Jahre später. Am Tag nach dem Ausscheiden bei der EM 1984 (0:1 Niederlage gegen Spanien im letzten Gruppenspiel) erklärte Jupp Derwall seinen Rücktritt. Franz Beckenbauer als Nachfolger war zunächst umstritten: "...der hat ja noch nicht einmal die Trainer-Lizenz!" Hermann Neubergers Favorit war der damals 49-jährige Helmut Benthaus, der gerade den VfB Stuttgart zur Deutschen Meisterschaft geführt hatte, doch der VfB-Präsident (auch seinerzeit schon Gerhard Mayer-Vorfelder) verweigerte eine vorzeitige Entlassung aus dem laufenden Vertrag.

Bereits Ende November 1989 fiel die Entscheidung für Berti Vogts, dessen Ära endete nach acht Jahren. Am 7. September 1998 trat er von seinem Amt als DFB-Bundestrainer zurück. Otto Rehhagel zeigte sich empört über die Begleitumstände dieses Rücktritts: "Was mit dem Berti gemacht wurde, ist eine riesige Sauerei. Man hat den Bundestrainer zum Staatsfeind Nummer eins erklärt. Die in Artikel eins unseres Grundgesetzes festgeschriebene Unantastbarkeit der Würde des Menschen ist von einigen Vertretern der Öffentlichkeit brutal mit den Füßen getreten worden". Als Grund für seinen Rücktritt gab Berti Vogts die unfaire Art und Weise an, mit der er von den Medien attackiert wurde: "Ich bin es mir selbst schuldig, den letzten Rest Menschenwürde zu verteidigen, welcher mir noch gelassen wurde."

Der plötzliche Rücktritt brachte den DFB in eine schwierige Situation. "Es geht um die Europameisterschaft 2000, für die wir uns qualifizieren müssen, und das erste Qualifikationsspiel steht unmittelbar vor der Tür" (Gerhard Mayer-Vorfelder). Nachdem namhafte Bundesligatrainer, die für den Posten in Frage gekommen wären, absagten (private Gründe, keine Freigabe vom Verein etc.), entschied sich der DFB überraschenderweise für Erich Ribbeck als Teamchef und Uli Stielike als Trainer. Sie traten zu einem Zeitpunkt an, an dem das Image der Nationalmannschaft auf dem Tiefpunkt war. Für Ribbeck war die Berufung an die Spitze der Nationalelf eine späte Genugtuung: 1984 bereits im DFB-Trainerstab hatte er nach der damaligen Trennung von Bundestrainer Jupp Derwall vergeblich auf dessen Nachfolge gehofft. Uli Stielike schied noch vor der EM 2000 im Mai als Trainer der Nationalelf aus.

Nur 34 Tage vor dem Start der EM 2000 trennte sich Erich Ribbeck von seinem Assistenten Uli Stielike. "Diese Entscheidung traf Teamchef Erich Ribbeck, weil er aufgrund unterschiedlicher Auffassungen keine Basis mehr sah für eine konstruktive Zusammenarbeit im Sinne des bestmöglichen sportlichen Erfolges", hieß es von Seiten des Deutschen Fußball-Bundes. Einen Tag nach der Trennung gab der Teamchef die bis zum Ende der Europameisterschaft befristete Beförderung des derzeitigen Trainers der A2-Auswahl, Horst Hrubesch, bekannt.

Nach dem jämmerlichen Aus bei der EM trat Erich Ribbeck von seinem Amt zurück. Gerhard Mayer-Vorfelder präsentierte am 02.07.2000 Christoph Daum als neuen Bundestrainer allerdings erst ab dem 1. Juni 2001. Bis dahin übernahm der Ex-Nationalspieler Rudi Völler als Teamchef in direkter Nachfolge von Ribbeck die Hauptverantwortung für die DFB-Auswahl. Verantwortlicher Trainer der A-Nationalmannschaft wurde Michael Skibbe.

Doch der designierte Bundestrainer Christoph Daum kam dem DFB wegen seiner Drogenaffäre abhanden. Rudi Völler betreute daraufhin die Nationalelf bei der WM 2002. Noch vor diesem Fußballereignis verlängerten er und sein Assistent Skibbe ihre Verträge bis zum 30. Juni 2006. Und die Vize-Weltmeisterschaft, die Rudi Völler mit der Nationalelf gewann, weckte große Hoffnungen für die WM 2006 in Deutschland! Doch nach dem Vorrunden-Aus bei der EM 2002 (Portugal) zog Rudi Völler die Konsequenzen und gab sein Amt nach exakt drei Jahren und 359 Tagen auf. Mit ihm ging auch Michael Skibbe als Bundestrainer von Bord, da sein Vertrag an den des Teamchefs geknüpft war.

Neuer Bundestrainer-Wunschkandidat war der Ex-Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld. Seine überraschende Absage Anfang Juli 2004 stürzte den DFB in ein Dilemma. Vier Wochen nach dem Rücktritt Völlers konnte die Trainerfindungskommission des DFB dann aber einen neuen Teamchef präsentieren: Ex-Nationalspieler Jürgen Klinsmann. Ihm zur Seite standen Oliver Bierhoff als Manager und Joachim Löw als Trainer-Assistent. Klinsmann hatte zum Teil mit erheblichen Widerständen zu kämpfen, denn seine neue Fußballphilosophie der konsequente Aufbau junger Spieler, ein modernes Konditionstraining, Stärkung der Eigenmotivation sowie die Abschaffung einiger althergebrachter interner Strukturen stieß zunächst auf Skepsis bis hin zur offenen Ablehnung. Doch das Führungstrio ließ sich nicht beirren und erzielte mit dem hervorragenden dritten Platz der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland einen großen Erfolg, der viele Kritiker verstummen ließ. Dennoch: Klinsmann verkündete am 11. Juli 2006 seinen Rücktritt vom Bundestraineramt.

Nur einen Tag später präsentierte der DFB den Klinsmann-Nachfolger: Joachim Löw. Der für seine akribische und zielgerichtete Arbeitsweise bekannte Löw führte das Team bei der EM 2008 zu Platz zwei. Souverän gelang unter ihm auch die Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika. Dort erkämpfte sich die deutsche Nationalmannschaft Platz drei und begeisterte die Fans mit erfrischendem Offensivfußball. Mitte März 2011 verlängerte Joachim Löw seinen Vertrag als Bundestrainer bis 2014. Über die EURO 2012 hinaus wird Löw die DFB-Elf also auch zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien führen.

  1. Einführung
  2. Otto Nerz
  3. Sepp Herberger
  4. Helmut Schön
  5. Jupp Derwall
  6. Franz Beckenbauer
  7. Berti Vogts
  8. Uli Stielike
  9. Erich Ribbeck
  10. Horst Hrubesch
  11. Rudi Völler
  12. Jürgen Klinsmann
  13. Joachim Löw
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