Die UCK
Lexikon: Die UCK
UCK ist die Abkürzung für Ushtria Clirimtare e Kosoves (Befreiungsarmee Kosovos). Die UCK führte seit 1996 einen bewaffneten Kampf für eine unabhängige Republik Kosovo. Über ihre Stärke und Organisationsstruktur gab es widersprüchliche Angaben. Nach Aussagen der UCK selbst konnte sie rund 30 000 Soldaten mobilisieren. Serbische Quellen gingen von rund 10 000 UCK-Angehörigen aus. Ihre Bewaffnung erhielt die UCK im Wesentlichen aus albanischen Kasernen, die während der Unruhen in Albanien 1997 von der Bevölkerung geplündert worden waren. Aus der UCK ging die regierende Demokratische Partei Kosovos (PDK) hervor.
Kosovo-Geschichte einer Krisenregion
In der Historie des Balkans kommt dem Kosovo eine entscheidende Bedeutung zu. Es wurde bereits im 8. Jh. v. Chr. von Illyrern besiedelt. Slawen wanderten seit dem 6. Jh. n. Chr. ein. Im 14. Jh. war das Kosovo Teil des Großserbischen Reiches. Hier fand am 15. Juni 1389 auf dem Amselfeld (serbokroatisch Kosovo polje) eine entscheidende Schlacht zwischen den Türken unter Führung Murads I. und serbischen Truppen statt. Während ältere Quellen von einem Sieg der Serben berichten, gehen jüngere Darstellungen von einem osmanischen Sieg aus. Folge dieser Schlacht war, dass die Serben die türkische Oberherrschaft anerkennen mussten. Die Schlacht wurde aber in der Folgezeit in der serbischen Mythologie zu einem Sieg umgedeutet und zum festen Bestandteil einer nationalistischen Ideologie.

In der Folgezeit blieb die Region Bestandteil des Osmanischen Reichs. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts wanderte die serbische Bevölkerung allmählich in andere Gebiete ab. Dafür siedelten sich Albaner an, die unter den Einfluss des islamischen Glaubens gerieten. Der 1. Balkankrieg 1912/13 brachte eine neue Entwicklung. Der Kosovo wurde zunächst zwischen Serbien und Montenegro geteilt. 1918 kam es als Teil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen, des späteren Jugoslawiens, ganz zu Serbien. Im 2. Weltkrieg war das Gebiet zeitweise von Italien besetzt. Im kommunistischen Jugoslawien erhielt das Gebiet durch die Verfassung von 1963 den Status einer Autonomen Provinz (seit 1968 mit der Bezeichnung Kosovo), deren Autonomierechte durch die Verfassung von 1974 noch erweitert wurden. Die Spannungen zwischen der albanischen Bevölkerungsmehrheit und der serbischen Minderheit blieben latent stets vorhanden.
Nach dem Tode Titos am 4. 5. 1980 spitzte sich die Lage in der Krisenregion schnell zu. Mehrfach kam es zu Unruhen. Der Autonomiestatus wurde bis 1990 aufgehoben. Das Belgrader Regime regierte mit Ausnahmeverordnungen und Polizeigewalt. Nach dem Zerfall des alten Jugoslawiens verschärfte sich die Situation weiter.
Die albanische Bevölkerung reagierte auf die Unterdrückung, indem sie im Untergrund ein eigenes Gemeinwesen schufen und die international nicht anerkannte Republik Kosova (albanisch für Kosovo) ausriefen. Der Schriftsteller Ibrahim Rugova wurde 1992 zum Präsidenten dieser Republik bestimmt. Die von ihm geführte Demokratische Liga Kosova (LDK) gewann auch die Wahlen im Mai 1992. Bis Ende 1995 blieb die Lage im Kosovo relativ stabil, obwohl sich an dem serbischen Unterdrückungsregime nichts änderte. 1996 begannen jene Ereignisse, die zur Entstehung der UCK sowie 1999 zum NATO-Einsatz in dem Gebiet führten.
Die Entstehung der UCK
Die Genese der UCK ist eng verknüpft mit der Eskalation der serbischen Unterdückung im Kosovo. Nachdem im April 1996 ein albanischer Student von einem Serben erschossen worden war, kam es zu Protestdemonstrationen und zu Überfällen auf serbische Polizisten. Teile der albanischen Bevölkerung wandten sich von der Politik des gewaltfreien Widerstandes, wie sie von Ibrahim Rugova und der LDK vertreten wurde, ab. Die Grenze der Leidensfähigkeit war überschritten worden. Schließlich trat die bis dahin unbekannte UCK ans Licht der Öffentlichkeit und übernahm die Verantwortung für die Überfälle. Sie rekrutierte ihre Mitglieder aus örtlichen Selbsthilfegruppen und wurde auch von Organisationen der Exilalbaner unterstützt. 1997 gingen die Anschläge der UCK weiter. Gleichzeitig steigerte sich die Repression der serbischen Sicherheitsorgane. Am 26. 2. 1998 veröffentlichte die UCK ein Kommunique, in dem sie mitteilte, dass seit 1996 40 Serben und albanische Kollaborateure liquidiert worden seien. Das Belgrader Regime verstärkte die Sicherheitskräfte im Kosovo, vor allem im Bezirk Srbica, einer UCK-Hochburg. Verstärkt gingen die serbischen Einheiten nun auch gegen die Zivilbevölkerung vor. Der UCK gelang es trotzdem, bis zum Juni 1998 weite Teile des Kosovos militärisch zu kontrollieren. Sie wurde nun auch auf internationaler Ebene als politischer Faktor im Bemühen um eine Lösung des Konflikts ernst genommen. Diese Erfolge konnten aber nur kurzeitig darüber hinwegtäuschen, dass die UCK dem jugoslawischen Militär nicht gewachsen war. Der Kosovo-Krieg , in den im März 1999 schließlich die NATO eingriff, zeigte dies deutlich.
Die UCK und der Kosovo-Krieg, der Weg zur Unabhängigkeit
Im Juli 1998 startete die serbische Führung eine Großoffensive gegen die UCK. Schnell fielen die UCK-Stellungen bei Kijevo, Orahovac, Lapusnik und Malisevo in die Hände der Serben. Die Zivilbevölkerung wurde Opfer grausamer Misshandlungen. Tausende flohen vor diesen Übergiffen. Im August fiel der letzte größere UCK-Stützpunkt Junik. Trotz internationaler Proteste setzten die serbischen Verbände ihre Angriffe auch im September fort. Inzwischen waren rund 300 000 Albaner auf der Flucht. Erst nach der Drohung mit einem NATO-Militäreinsatz stimmte das Belgrader Regime am 12. Oktober 1998 einem Truppenrückzug sowie der Stationierung von OSZE-Beobachtern zu. Auch die UCK gab eine vorläufige Gewaltverzichtserklärung ab. Im Dezember 1998 flammten die Kämpfe jedoch wieder auf. Zur Lösung des Konflikts wurde im Februar 1999 eine Kosovo-Friedenskonferenz auf Schloss Rambouillet bei Paris anberaumt. Die dort erarbeiteten Friedensvorschläge wurden von der Belgrader Führung nicht akzeptiert. Daraufhin begann die NATO am 24. März 1999 mit Luftangriffen gegen serbische Stellungen.
Serbische Einheiten verschärften danach ihre Übergriffe gegen die albanische Zivilbevölkerung. Am 10. 6. 1999 stellte die NATO ihre Luftangriffe ein, nachdem sich die Belgrader Führung zum Abzug aller bewaffneten Kräfte aus dem Kosovo verpflichtet hatte. Die UNO-Mission für den Kosovo (UNMIK) übernahm zunächst die legislative, exekutive und judikative Gewalt in der Krisenregion. Eine internationale Friedenstruppe unter Führung der NATO (Kosovo Force, KFOR) bemühte sich um die Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung. Die UCK stimmte der Umwandlung in ein Kosovo-Schutzkorps zu.
2006 begannen in Wien internationale Verhandlungen über den zukünftigen Status des Kosovo. 2007 legte der UN-Sonderbeauftragte M. Ahtisaari einen Vorschlag zur Lösung der Statusfrage vor (international überwachte Souveränität; Sonderrechte für die serbische Minderheit). Bei den Parlamentswahlen 2007, die wiederum von der serbischen Minderheit boykottiert wurden, siegte die von Hashim Thaci geführte und aus der UCK hervorgegangene PDK. 2008 proklamierte Kosovo einseitig die staatliche Unabhängigkeit.
Bibliografie:
- Thomas Schmid, Krieg im Kosovo, Reinbek bei Hamburg, 1999









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