Die "wilden Zwanziger" - Aufbruch zu neuen Ufern
Expressionismus: Die bestimmende neue Kraft
Ansätze, die Oper zu neuen Ufern zu führen, kamen während der zwanziger Jahre vor allem aus dem Umfeld des aktuellen Expressionismus. Dabei wurden auch ernsthafte Stoffe gelegentlich in filmischer Art aufbereitet. Zu ihnen zählt etwa Max Brands "Maschinist Hopkins", uraufgeführt am 13. April 1929 in der Industriestadt Duisburg. Die Oper huldigt der "Neuen Sachlichkeit" und hat zugleich eine sozialkritische Komponente.
Ein besonders typisches Beispiel für die Opernkunst dieser Zeit ist Ernst Kreneks "Jonny spielt auf", uraufgeführt am 10. Februar 1927 in Leipzig, eine im Stil des "Kintopp" gestaltete Komödie mit tragischem Einschlag. Sie bringt nicht nur die Errungenschaften und Erscheinungen der neuen Zeit auf die Bühne, sondern schildert auch den Siegeszug der aus den USA kommenden Jazzmusik in Europa - sehr zum Unmut der erstarkenden rechtsextremen Parteien, die Aufführungen des Werkes regelmäßig zu stören suchten.
Krenek (*1900), der in seinen Opern die verschiedenartigsten Stilrichtungen unter einen Hut bringt, präsentiert Expressionistisches auch im Zeichen der griechischen Antike, indem er klassische Sagenstoffe travestiert und verfremdet. Beispiele dafür sind "Orpheus und Eurydike" nach einer Dichtung von Oskar Kokoschka, uraufgeführt am 27. November 1926 in Kassel, oder "Das Leben des Orest", auf einen eigenen Text komponiert, wobei insbesondere die im Atridenmilieu üblichen Morde krass ausgespielt werden (Uraufführung am 19. Januar 1930 in Leipzig).
Eine eigene, klar umgrenzbare Richtung bilden die sozialkritischen, politisch engagierten Werke von Kurt Weill (1900-1950), der seine Aussage in das Zeitgewand der zwanziger Jahre zu hüllen weiß. Dies gelingt ihm bereits in der Groteske "Der Zar lässt sich photographieren", nach einem Text von Georg Kaiser (Uraufführung: 18. Februar 1928, Leipzig). Mit der "Dreigroschenoper" (31. August 1928, Berlin) beginnt seine Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht (1898-1956) und die Ausbildung seines typischen Song-Stils, den er bei "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" (Uraufführung: 9. März 1930, Leipzig) beibehält und in seiner Schul-Oper "Der Jasager" (24. Juni 1930, Berlin) sowie in den "Sieben Todsünden der Kleinbürger" (7. Juni 1933, Paris) fortsetzt.
- Kurzeinführung
- Deutscher Kulturkreis: Aufbruch in alten Gewändern
- Revolutionär Paul Hindemith
- Schönberg versucht sich auf mehreren Feldern
- Expressionismus: Die bestimmende neue Kraft
- Provokant, zeitbezogen und kurzlebig









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