Don Carlos (Friedrich Schiller)
Entstehung, Arbeitsphasen und Fassungen

Friedrich Schillers (1759-1805) Drama wurde am 29. August 1787 unter dem Titel "Dom Karlos, Infant von Spanien" (später meist unter dem Titel "Don Carlos") am 29. August 1787 in Hamburg uraufgeführt. Das Stück stellt den Übergang von Schillers revolutionären Jugendwerken zu seinen späteren historischen Dramen dar. Mit 5370 Versen ist es eines der längsten Dramen der deutschen Bühnenliteratur.
"Die Geschichte des Spaniers Carlos verdient allerdings den Pinsel eines Dramatikers [...]", schrieb Friedrich Schiller in einem Brief am 15. Juli 1782 und teilte seinem Freund und späteren Schwager Reinwald am 27. März 1783 mit, dass er "nunmehr entschlossen und fest auf einen Carlos zuarbeite". Vermutlich hatte der Intendant des Mannheimer Theaters Freiherr Wolfgang Heribert von Dalberg Schiller bereits 1782 auf den Stoff in "Histoire de Dom Carlos, fils de Philipp II" von Abbé de Saint-Réal aufmerksam gemacht, einer Novelle, die Schiller später auch als Quelle benutzte. Die ersten Arbeiten am Carlos lagen in der Zeit des Aufenthaltes Schillers in Bauerbach und werden demnach als "Bauerbacher Entwurf" bezeichnet. Unterbrochen wurde diese erste Arbeitsphase durch die Rückkehr Schillers nach Mannheim zur Bearbeitung der "Luise Millerin" und zur Bühneneinrichtung des "Fiesco". Erst im Jahr 1784 setzte Schiller die Arbeit am "Carlos" fort. Während er in der Bauerbacher Periode - der ersten Arbeitsphase - den Plan verfolgte, aus einer geschichtlichen Tragödie ein bürgerliches Trauerspiel zu gestalten, war Schiller nun gewillt, seinen "Carlos" auf dem Feld der "hohen Tragödie" anzusiedeln und benutzte statt der Prosasprache den klassischen Blankvers. Im Frühjahr 1785 veröffentlichte Schiller den ersten Akt in seiner Zeitschrift "Rheinische Thalia", der zweite Akt erschien 1786, ebenfalls in Schillers, nun unter dem Namen "Thalia" erscheinenden Zeitschrift. Mit dem im Frühjahr 1787 erschienenen ersten Teil des dritten Aktes bricht diese Fassung des "Don Carlos" - das sogenannte Thalia-Fragment - ab. In der dritten Phase der Arbeit veränderte sich der Schwerpunkt erneut. Stand bislang die Konzeption des "Familiengemäldes in einem fürstlichen Hause" im Mittelpunkt, gewinnt nun die Gestalt Posas und damit der politisch-ideelle Handlungsstrang immer mehr an Bedeutung. Im Vordergrund steht die von "Posa getragene objektive Idee einer auf Humanität und Freiheit gegründeten Gemeinschaft". Die weitläufige Anlage des Dramas erforderte sowohl für die Bühnenaufführung als auch für die Buchausgabe entscheidende Kürzungen. Die drei Buchausgaben unterscheiden sich erheblich in der Anzahl der Verse. Während die 1787 erschienene Ausgabe 6282 Verse umfasst, enthält die Ausgabe von 1801 5448, die 1805 veröffentlichte 5370 Verse. Die Theaterbearbeitung für die Hamburger Uraufführung 1787 ist um 2000 Verse kürzer als die Buchausgabe von 1787. Für andere Bühnen verfasste Schiller eine Prosafassung.
- Entstehung, Arbeitsphasen und Fassungen
- Inhalt
- Figuren und Themen
- Familiengemälde oder politische Tragödie?
Bibliografie:
- Götz-Lothar Darsow: Friedrich Schiller, Stuttgart 2000
- Josef Häfele, Hans Stammel: Stundenblätter "Don Carlos", Stuttgart 1991
- Marie Haller-Nevermann: Friedrich Schiller: "Ich kann nicht Fürstendiener sein". Eine Biographie, Berlin 2005
- Boris Heczko: Don Carlos, Infant von Spanien. In: Bertelsmann Schauspielführer, Gütersloh/München 1996
- Matthias Luserke-Jaqui: Schiller-Handbuch. Leben-Werk-Wirkung, Stuttgart 2005
- Hansjürgen Popp: Lektürehilfen Friedrich Schiller "Don Carlos", Stuttgart 2004
- Claudia Stockinger: Der Leser als Freund. Schillers Medienexperiment «Dom Carlos». In: Zeitschrift für Germanistik 16/3 (2006)
- Benno von Wiese: Friedrich Schiller, Stuttgart 1963









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