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THEMEN

Edward Elgar

Einführung

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Edward Elgar

Die Bedeutung von Edward Elgar für die englische Musikgeschichte kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, auch in der Musikgeschichte der Welt gebührt ihm ein Platz neben Komponisten wie Brahms oder Mendelssohn. Elgar hat aus den Wurzeln der romantischen Musik eine eigene kompositorische Sprache geschaffen, die einen unverkennbar englischen Klang hat und dennoch seine ureigene Schöpfung geblieben ist. Seine Kompositionen erklingen heute wieder regelmäßig in Konzertprogrammen der ganzen Welt, doch ist sein breites Spektrum an Werken, von Kirchenmusik, Chor- und Vokalwerken über Kammermusik und großen symphonischen Werken bis hin zu Salon- bzw. gehobener Unterhaltungsmusik, einer breiten Öffentlichkeit bisher wenig bekannt. In Großbritannien werden das Erbe und die Musik von Sir Edward Elgar durch die Elgar Society gefördert. Eine offizielle Würdigung bedeutet auch die neue, im Jahr 1999 von der Bank von England herausgegebene, 20-Pfund-Geldnote mit Elgars Konterfei.

Jugend

Nach seinem Tod im Jahr 1934 wurde Elgars Musik über 30 Jahre hinweg als 'veraltet' betrachtet. Sie galt als Abbild der Edwardianischen Ära und damit ohne Relevanz für spätere Zeiten. "Ich glaube jedoch, dass diese Musik viel zu bedeutend ist, um sie auf einen bestimmten historischen Zeitabschnitt einzugrenzen, und vor allem, dass diese Musik von so persönlicher Natur ist, dass sie zutreffend nicht als 'Edwardianisch, sondern nur als 'Elgarianisch' bezeichnet werden kann." (Michael Kennedy)

Am 2. Juni 1857 wird Edward William Elgar als drittes von sechs Kindern in dem kleinen Dorf Broadheath, etwa fünf Kilometer von Worcester entfernt, geboren. In Worcester befindet sich das von Vater William geführte, gut gehende Musikgeschäft, in dem auch Klavierstimmungen angeboten werden. William Elgar ist ein begeisterter Amateur-Geiger und spielt die Orgel in der Kirche von St. George. Als Edwards sechs Jahre alt ist, bezieht die Familie in Worcester eine Wohnung direkt über dem Musikgeschäft. Dieser Schritt sollte für Edwards weiteren Lebensweg von entscheidender Bedeutung sein, denn von diesem Zeitpunkt an atmet der Junge “musikalische Luft„. Die unzähligen Notenausgaben und Partituren in seines Vaters Geschäft bieten ihm ein breites Spektrum musikalischer Literatur, die er in den folgenden Jahren mit Interesse studiert. Gleichzeitig erlernt er autodidaktisch nicht nur die verschiedensten Instrumente wie Klavier, sämtliche Streichinstrumente und Fagott, sondern auch die Technik des Komponierens. Erst 1879 erhält er Geigenunterricht bei Adolf Pollitzer.

Erste Kompositionen

Seine ersten Stücke, die bei Hausmusiken aufgeführt werden, komponiert Edward bereits mit 12 Jahren. Nach Abschluss der Schule im Jahr 1872 arbeitet er kurzfristig in einer Anwaltskanzlei. Ein Jahr später bietet sich ihm die Möglichkeit, seinen eigentlichen Neigungen nachzugehen, indem er eine Organistenstelle übernimmt. In den folgenden Jahren wirkt Elgar sowohl als Spieler als auch als Dirigent in den verschiedensten Orchestern, Chören und Ensembles mit und sammelt auf diese Weise vielfältige praktische musikalische Erfahrungen, die sich für seine Kompositionen von unschätzbarem Wert erweisen sollten. So spielt er als Fagottist in einem Holzbläserquintett, außer ihm bestehend aus zwei Flöten, Oboe und Klarinette, für das er eine Vielzahl eigener Werke zum Repertoire beisteuert. Außerdem wirkt als Geiger in der Philharmonie von Worcester mit und arbeitet er als Geigenlehrer. Im Jahr 1885 übernimmt er die Organistenstelle seines Vaters in der Kirche von St. George.

Erste Erfolge

1882 unternimmt Edward Elgar eine Reise nach Leipzig, um seine musikalischen Studien zu vertiefen. Das ersparte Geld sollte jedoch nur für einen dreiwöchigen Aufenthalt reichen, der ihm zwar keine kompositorischen Kenntnisse, dafür aber die Begegnung mit der Musik Robert Schumanns und Richard Wagners beschert. Inspiriert und bestärkt in seiner musikalischen Berufung kehrt Elgar nach England zurück.Im folgenden Jahr wird am 13. Dezember während eines Konzertes in Birmingham die Sérénade Mauresque, der zweite Satz aus seinem Intermezzo aufgeführt, die in der Presse positiv gewürdigt wird. Aber es sollte noch einige Jahre dauern, bis ihm der endgültige Durchbruch gelingt.

Heirat

Der vielleicht wichtigste Schritt in Elgars Leben ist die Heirat mit Caroline Alice Roberts am 8. Mai 1889. Alice ist fortan nicht nur der “gute Geist„ des Hauses, der für ihren Mann den alltäglichen Kleinkram erledigt, sondern sie ist vor allem seine Muse und Inspiration, die durch ihren unerschütterlichen Glauben an sein Talent den entscheidenden Anteil an der Entwicklung seiner musikalischen Karriere trägt. In den nächsten Jahren entstehen Werke wie Froissart (1890) und die Serenade für Streicher (1893) sowie als Beiträge zum “Three Choirs Festival„ in Worcester, Hereford und Gloucester die Kantaten King Olaf (1896), The Light of Life (Lux Christi, 1896) oder Caractacus (1898), durch die seine öffentliche Reputation allmählich wächst. 1897 steuert er zum 60-jährigen Thronjubiläum von Königin Viktoria die patriotische Kantate The Banner of St. George und den Imperial March bei. Unglücklicherweise haben diese Werke, insbesondere die weltbekannten Pomp and Circumstance Märsche , später häufig den Blick auf seine ernsten Kompositionen verstellt.

Der Durchbruch

Der nicht nur nationale, sondern auch internationale Durchbruch gelingt Edward Elgar mit seinen Variations on an Original Theme , allgemein bekannt als Enigma-Variationen, die am 19. Juni 1899 vom renommierten Hallé Orchestra unter der Leitung von Hans Richter in der St. James's Hall in London uraufgeführt werden. Die einzelnen Variationen sind verschiedenen Freunden gewidmet (“my friends pictured within„) und das Rätsel (Enigma), das der Komponist mit diesen Variationen aufgibt, ist die Identifikation der musikalisch porträtierten Personen. Ein Jahr später wird das Oratorium The Dream of Gerontius nach einem Gedicht von Kardinal John Henry Newman am 3. Oktober in Birmingham uraufgeführt. Das Werk, in dem der Weg einer Seele zum jüngsten Gericht und zum Fegefeuer geschildert wird, ist eine der bedeutendsten Kompositionen Elgars. Es beschert seinem Schöpfer nicht nur die Ehrendoktorwürde der Universität Cambridge, sondern auch eine Anerkennung jenseits der Landesgrenzen. Denn das Oratorium wird am 7. Februar 1901 in Düsseldorf im Rahmen des Niederrheinischen Musikfestes unter der Leitung von Julius Buths aufgeführt. In den nächsten Jahren komponiert Elgar weitere Erfolgswerke wie die spritzigen Konzert-Ouvertüren Cockaigne (In London Town, 1901) und In the South (1904, nach einem Urlaub im italienischen Alassio entstanden) sowie die pompösen Märsche Pomp and Circumstance no 1 and 2 (1901). Das Trio des ersten Marsches enthält die heute als 'zweite englische Nationalhymne' weltbekannte Melodie Land of Hope and Glory, von der bereits Elgar selbst sagte: “Ich habe eine Melodie geschrieben, die sie alle umhauen wird.„Neben diesen großen Orchesterwerken hat Elgar im vergangenen Jahrzehnt viele kleinere Werke komponiert, die als gehobene Unterhaltungsmusik im besten Sinne ihren eigenen Stellenwert genießen. Dazu zählen u.a. Salut d'Amour (1888), Chanson de Nuit und Chanson de Matin (beide 1899), Serenade Lyrique (1900), May Song (1901) oder Dream Children (1902). Zwischen 1903 und 1906 entstehen drei der wichtigsten Werke Elgars: Introduction and Allegro for Strings (1905), das als Meisterwerk der Streicherliteratur gilt und Professor Sanford von der Yale Universität in Amerika gewidmet ist, sowie die beiden Oratorien The Apostles (1903) und deren Fortsetzung The Kingdom (1906). In beiden Werken findet sich eine komplizierte, an Richard Wagner orientierte Leitmotiv-Technik, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Oratorium zieht. In Anerkennung seiner musikalischen Verdienste wird Elgar am 5. Juli 1904 von König Edward VII. geadelt. Eine weitere Geste der allgemeinen Wertschätzung bedeutet die erstmalige Veranstaltung eines dreitägigen Elgars Festivals in Covent Garden. Darüber hinaus erobert sich Elgars Musik einen Platz im Konzert-Repertoire Europas und Amerikas.

Symphonische Arbeit

Den Gipfel seiner kompositorischen Arbeit erreicht Edward Elgar mit der Vollendung seiner Symphonie Nr. 1 As-Dur , deren musikalische Wurzeln bis in das Jahr 1898 zurückreichen und die ursprünglich dem Andenken General Charles George Gordon gewidmet sein sollte. Am 3. Dezember 1908 wird die Symphonie unter stürmischem Beifall wiederum mit dem Hallé Orchestra unter Hans Richter, der das Werk als “bedeutendste Symphonie der modernen Zeit„ preist, in Manchester uraufgeführt. Im folgenden Jahr erklingt die Symphonie weltweit; in Europa in Wien, Leizpig, Berlin und Bonn, im russischen St. Petersburg, im amerikanischen Boston und St. Petersburg sowie im australischen Sydney. Insgesamt kann das Werk mit 82 Aufführungen innerhalb nur eines Jahres einen unvergleichlichen Erfolg verzeichnen.

1910 gelingt Elgar mit dem Violinkonzert ein weiterer Triumph. Das Werk ist dem Geiger Fritz Kreisler gewidmet, der auch den Solopart bei der Uraufführung am 10. November 1910 in der Londoner Queens Hall spielt. 1911 folgt die Symphonie Nr. 2 Es-Dur , die jedoch zunächst nicht dieselbe stürmische Begeisterung wie die erste Symphonie entfachen kann. Dies mag an dem ambivalenten Charakter des Werkes liegen, das Lady Elgar mit den Worten “es resümiert unser menschliches Leben, Freude, Schmerzen, Abschied, die traurigsten Momente und danach den Triumph der Stärke„ beschreibt. Elgar hat die Symphonie dem am 6. Mai 1910 vertorbenen König Edward VII. gewidmet. Darüber hinaus ist sie eine musikalische Autobiografie der Zeit zwischen April 1909 und Februar 1911, worauf auch der Vermerk 'Venice & Tintagel' auf der Partitur hindeutet. Die Eckpunkte dieser Phase bilden Venedig, das Elgar 1909 besucht hatte und wo ihn vor allem der Markusdom inspirierte; und Tintagel, das an der Nordwestküste Cornwalls gelegen ist und der Sage nach Geburtsort König Arthurs sein soll.

Die Londoner Jahre

Die wachsende Anerkennung die Edward Elgars nicht nur als Komponist, sondern auch als musikalischer Repräsentant Englands erfährt, hatten in den vergangenen Jahren vermehrt zu Verpflichtungen in der Hauptstadt geführt, sodass Familie Elgar im Januar 1912 für einige Jahre nach London zieht. Gleichzeitig soll dieser Umzug auch äußerlich die Stellung des Komponisten in der Gesellschaft festigen und untermauern. Anlass für diesen Schritt ist die Ernennung Elgars zum Chefdirigenten des noch jungen, 1904 gegründeten London Symphony Orchestra für die Saison 1911/12 als Nachfolger von Hans Richter.Zur Krönung von König Georg V. im Sommer 1911 komponiert Elgar das Offertorium O Hearken Thou und den Coronation March . Nachdem Georg V. zum Kaiser von Indien ernannt worden ist, entsteht aus diesem Anlass 1912 die Crown of India Suite . Neben diesen Auftragswerken schafft Elgar zwei bedeutende Werke: die Kantate The Music Makers auf ein Gedicht von Arthus O'Shaughnessy (1912) und die symphonische Shakespeare-Studie Falstaff (1913).

Erster Weltkrieg

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs sollte nicht nur eine schöpferische Zäsur setzen, sondern auch in der Persönlichkeit Edward Elgars seine Spuren hinterlassen. Die folgenden Jahre sind gekennzeichnet von dem Bemühen, einen eigenen aktiven Beitrag zum Krieg zu leisten, beispielsweise als Hilfspolizist in der Hampstead Home Guard (Landsturm), und “Anti-Kriegs-Werke„ zu komponieren, die jedoch nicht von der Bedeutung seiner Vorkriegswerke sind.

Alterswerk

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs war neben unzähligen Toten auch eine ganze Welt und Epoche zu Grabe getragen worden; der Glanz des Viktorianischen Empire und der Edwardianischen Epoche gehörten der Vergangenheit an. Das Jahr 1920 bedeutet jedoch für Elgars Leben einen weit schwer wiegenderen Einschnitt, denn am 4. April stirbt seine Frau Alice. Der auch in seinen erfolgreichen Tagen oft unsichere und wenig selbstbewusste Mensch vermisst danach nicht nur die tatkräftige, praktische Hilfe seiner Frau, sondern vor allem ihren unerschütterlichen Glauben an sein Talent, der die treibende Kraft hinter seinen Werken war. Gleichzeitig wirkt Elgars musikalische Sprache in der veränderten Welt der Nachkriegszeit veraltet und findet nicht mehr dieselbe Wertschätzung wie früher. So nimmt es nicht wunder, dass sich der Komponist in den kommenden Jahren ganz in die Stille seiner ländlichen Umgebung in Worcestershire zurückzieht. In seinen letzten Lebensjahren schöpft Elgar noch einmal neuen Lebensmut und ist wieder von kreativen Ideen wie der Komposition einer Oper (The Spanish Lady, 1933, unvollendet) und einer Dritten Symphonie (1933) erfüllt. Außerdem reist er 1933 nach Paris, wo er sein Violinkonzert mit Yehudi Menuhin als Solisten dirigiert. Das für die musikalische Nachwelt wichtigste Projekt seiner letzten Jahre sind jedoch die Schallplattenaufnahmen eigener Werke mit der Firma HMV. Elgar, der technischen Neuerungen gegenüber stets interessiert und offen war, hatte bereits im Januar 1914 seine ersten Werke eingespielt. Im Oktober 1933 wird bei Elgar ein unheilbarer Tumor festgestellt. Der Komponist stirbt am 23. Februar 1934 in Worcester. Gemeinsam mit seiner Frau Alice ist er auf dem Friedhof der St. Wulstan's Church in Little Malvern, Worcestershire, begraben.

Auszeichnungen

  • Ehrendoktor der Universität Cambridge, 1900
  • Adelstitel, verliehen durch König Edward VII., 1904
  • Order of Merit, verliehen durch König Georg V., 1911
  • Professor für Musik an der Universität von Birmingham, 1905/06
  • Master of the Kings Music (Hofkomponist), 1924
  • Goldene Medaille der Royal Philharmonic Society, 1925
  • Verleihung des erblichen Adels (Baronetcy), 1931
  • Ehrendoktor der Universität YaleEhrendoktor der Universität Oxford

The Elgar Society

Die Gesellschaft wurde 1951 gegründet und fördert das Studium und die Verbreitung von Edward Elgars Werk, u.a. durch Publikationen zu Leben und Werk oder Aufnahmen seiner Kompositionen. Mitglieder erhalten dreimal jährlich eine Zeitschrift, The Elgar Society Journal . Persönlichkeiten außerhalb Großbritanniens, die sich um Elgars Musik verdient gemacht haben, wird die Elgar Medal verliehen. Einmal jährlich findet eine Generalversammlung statt, die vom Datum her immer auf den Geburtstag des Komponisten (2. Juni) abgestimmt und mit einer Reihe von Konzerten der Elgarschen Musik verbunden ist.

Anschrift

The Elgar Society
London Branch
Secretary: Ruth Hellen
30, King James Avenue, Cuffley, Herts, EN6 4LR
England

Elgar Trail

Edward Elgar ist in seinem Leben aus den unterschiedlichsten Gründen häufig umgezogen. Wichtig für den Komponisten waren immer die Wohnsitze auf dem Land, denn nur dort fand er die notwendige Ruhe und Inspiration durch Landschaft und Natur mit all ihren Düften und Geräuschen. In der Umgebung von Malvern kann man Elgars Spuren auf dem “Elgar Trail„ folgen. Wichtigste Station ist das Geburtshaus des Komponisten, The Elgar Birthplace, das vom “Elgar Birthplace Trust„ und von der “Elgar Foundation„ betreut wird. Das Geburtshaus ist zu einem eindrucksvollen Museum ausgebaut worden, wo Künstler und Mensch Elgar geradezu lebendig werden. Mit einer Vielzahl von Publikationen, Einspielungen von Elgars Werken oder ausführlichem Notenmaterial trägt die Organisation ihren eigenen Teil zur Pflege von Leben und Werk des Komponisten bei.

Anschrift

Elgars Birthplace
Crown East Lane
Lower Broadheath, Worcester WR2 6RH
England

Bibliografie:

    Die Literatur zu Leben und Werk Edward Elgars ist vornehmlich in englischer Sprache erschienen:

  • Byron Adams: Edwar Elgar and his world, Princeton University Press 2007
  • J.P.E. Harper-Scott: Edwar Elgar, modernist, Cambridge University Press 2006
  • Michael Gassmann: Edward Elgar und die deutsche symphonische Tradition, Hildesheim 2002
  • Michael Messenger: Illustrated life of Sir Edward Elgar, (1857-1934), Shire 2005
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