Effi Briest
Entstehungsgeschichte
Mit "Effi Briest", von Thomas Mann der beste deutsche Roman seit den "Wahlverwandtschaften" genannt, hat sich Theodor Fontane einen festen Platz in der Weltliteratur erworben. Er hat darin ein Thema behandelt, das in der europäischen Erzählliteratur vielfach aufgegriffen wurde: das Thema des Ehebruchs. Jahrzehnte vor ihm schilderte der Franzose Gustave Flaubert das Problem in seiner damals wegen Unsittlichkeit heftig attackierten "Madame Bovary" (1857), fast 20 Jahre später entwarf der Russe Leo Tolstoi ein breites Fresko aus der oberen Gesellschaft in "Anna Karenina" (1878), und kurz vor der Jahrhundertwende fühlte sich Fontane durch einen Vorfall in der Gesellschaft angesprochen, der ihm vertraulich mitgeteilt wurde.
Wie viele Romane und Erzählungen Fontanes basiert also auch "Effi Briest" auf einer wahren Begebenheit: die Geschichte von Armand Léon Baron von Ardenne und seiner Frau Elisabeth (Else), geborene Freiin von Plotho. Elisabeth heiratete den Baron offenbar auf Grund einer Intervention ihrer Mutter, obwohl sie ihn zuvor abgewiesen hatte. Im Sommer 1881 übersiedelten die Eheleute nach Düsseldorf, wo Ardenne als Rittmeister bei den Husaren diente. Das gebildete, weltoffene Paar versammelte einen großen Freundeskreis um sich, zu dem auch der Amtsrichter Hartwich zählte. Zwischen diesem und Else entwickelte sich ein intimes Liebesverhältnis; beide hatten vor, sich von ihren Ehepartnern zu trennen und zu heiraten. Armand von Ardenne, der inzwischen von der Affäre erfahren hatte, verschaffte sich die Korrespondenz der beiden, reichte eine Scheidungsklage ein und forderte seinen früheren Freund zum Duell, das am 27. November 1887 stattfand. Hartwich erlag wenige Tage darauf seiner Schussverletzung, und am 15. März 1887 wurde die Ehe zwischen Armand und Else rechtskräftig geschieden. Ardenne wurde wegen des Duells zu Festungshaft verurteilt, bald darauf aber begnadigt und konnte seine militärische Karriere fortsetzen. Else durfte die gemeinsamen Kinder nicht wieder sehen; sie widmete sich für den Rest ihres Lebens humanitären Aufgaben und starb 1952, ein Jahr vor ihrem hundertsten Geburtstag.
Fontane, der von diesen Vorfällen angeblich bei einer Tischgesellschaft erfuhr, begann im Jahr 1888 mit Vorarbeiten zum Roman, den er allerdings erst sechs Jahre später beendete; übrigens verarbeitete sein Kollege Friedrich Spielhagen, seinerzeit ebenso bekannt wie Fontane, dieselben Ereignisse zu einem Roman mit dem Titel "Zum Zeitvertreib".
Gegenüber den tatsächlichen Begebenheiten ist die Handlung in "Effi Briest" stark verändert, und das offenbar nicht nur aus Gründen der Diskretion - angefangen beim großen Altersunterschied des Paares (Effi ist zum Zeitpunkt der Eheschließung 17, Innstetten 38) bis hin zum frühen Tod der Heldin. Effis Seitensprung ist weniger das Ergebnis ihres eigenen Willens als vielmehr ihrer Unfähigkeit, sich dem Willen des Majors Crampas zu widersetzen. Scheidung und Heirat ziehen Effi und Crampas nie ernsthaft in Erwägung, auch wenn Effi einmal von "Flucht" spricht. Innstetten sucht nicht mit Absicht nach Beweismaterial für eine Scheidung, sondern stolpert zufällig darüber und glaubt, der Pflicht zur Wiederherstellung seiner Ehre durch ein Duell genügen zu müssen. So ergibt sich, viel mehr als es in der Realität der Fall gewesen sein dürfte, das Bild einer verhängnisvollen Verstrickung, die Crampas und Effi das Leben kostet und auch Innstetten ohne wirkliche Genugtuung zurücklässt.
Von 1890 bis 1894 schrieb Fontane an dem Roman, der dann 1894/95 als Vorabdruck in der Zeitschrift "Deutsche Rundschau" im Verlag seines Sohnes Friedrich Fontane erschien.
- Entstehungsgeschichte
- Kurzbiografie: Theodor Fontane
- Inhaltsangabe
- Interpretation
- Wirkungsgeschichte
Bibliografie:
- Thomas Brand: Theodor Fontane: Effi Briest, Hollfeld 2011
- Dieter Franke: Effi Briest und die Folgen. Literarische Gedankenspiele um Theodor Fontane, Berlin 1999
- Christian Grawe: Führer durch Fontanes Romane. Ein Lexikon der Personen, Schauplätze und Kunstwerke, Ditzingen 1998
- Alexander Geist: Theodor Fontane "Effi Briest". Inhalt, Hintergrund, Interpretation, München 2005
- Wolfgang Hädecke: Fontane. Biografie, München 1998
- Jörg Ulrich Meyer-Bothling: Klausurtraining Effi Briest, Stuttgart 2008
- Heinz Ohff: Theodor Fontane. Leben und Werk, München 2002
- Bettina Plett: Theodor Fontane. Neue Wege der Forschung, Darmstadt 2007
- Edda Ziegler: Theodor Fontane, Lebensraum und Phantasiewelt. Eine Biographie, Berlin 2002









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