Ein langer Weg - die Evolution des Menschen
Die ersten Schritte auf dem Weg zur Menschwerdung
Vor 30 Millionen Jahren lebten in den tropischen Regenwäldern Afrikas die Affen nicht viel anders als heute. Sie verbrachten den Tag hoch oben im Laubwerk der Bäume, kletterten von Ast zu Ast und benutzten ihre langen Schwänze, um das Gleichgewicht zu halten, wenn sie auf allen Vieren stehen blieben oder wenn sie auf der Suche nach Früchten von Baum zu Baum sprangen. Etwa zur gleichen Zeit nutzte eine andere Affenart, die wesentlich größer war, die größere Spannweite ihrer Arme. Sicherlich zunächst rein zufällig entwickelten sie eine neue Methode der Futtersuche. Ihre Technik war das Hangeln. Indem diese Tiere sich mit einer Hand an einen Ast hängten und dann in die entsprechende Richtung schwangen, konnten sie Früchte erlangen, die zuvor außerhalb ihrer Reichweite waren. Damit konnten sie einen neuen Nahrungsraum erobern, den die anderen Affen nicht nutzen konnten.
Allmählich gingen diese "Erfinder" der luftigen Methode des Pflückens von Nahrung vom passiven Baumeln zum aktiven Schwingen über. Im Laufe der Evolution entwickelten sie beweglichere Handgelenke und noch längere Arme. Und da sie jetzt ihr Gleichgewicht auf neue Weise halten konnten, wurden ihre Schwänze überflüssig und verschwanden letztlich. Aus ihnen war ein neuer Zweig im Stammbaum des Lebens entstanden - die Vorfahren der Menschenaffen.
Über zahlreiche Generationen führte ihre neue Lebensweise zu weiteren Anpassungen. Weil die andere Ernährung wahrscheinlich intensiveres Kauen und Zermalmen erforderte, entwickelten diese Affen festere Backenzähne mit fünf- statt bisher vierhöckrigen Kronen. Allmählich wurde auch ihre Körperhaltung aufrechter als die ihrer Vorgänger. Durch ihre zunehmende Fähigkeit zu sitzen statt zu kauern, behielten sie ihre Hände frei für wichtigere Aufgaben wie Pflücken, Stoßen, Halten, Schlagen und Untersuchen. Damit erhielten sie einen deutlichen Vorsprung vor den primitiven Affen, die eine Nuss oder eine kleine Frucht zwar auch ergreifen konnten, sie aber beispielsweise fallen lassen mussten, wenn sie zur Flucht gezwungen waren, weil sie dazu alle vier Extremitäten brauchten. Die neue Affenart konnte aber entkommen und die Beute dennoch mit einer Hand fest halten. Als bedeutende Anpassung kam hinzu, dass die Affen umso intelligenter wurden, je mehr sie ihre Hände gebrauchten. Die zunehmende Geschicklichkeit der Hände erforderte ein angepasstes Wachstum ihres Gehirns. Das wiederum stattete sie mit der Intelligenz aus, immer schwierigere Aufgaben durchzuführen.
Ungefähr vor 15 Millionen Jahren wurde das Klima auf der Erde allmählich trockener. In den großen, üppigen Regenwäldern, wo stets Nahrung zu finden war, dominierten jetzt Laubbäume. In vielen Teilen der Erde verwandelte sich der Wald in eine Savanne, die nur noch aus offenem Grasland mit vereinzelten Bäumen bestand.
Plötzlich mussten sich die waldbewohnenden Tiere diesen neuen Umweltbedingungen anpassen. Solche, die auf dem Boden lebten, brauchten nur ihre Nahrung umzustellen. So fraßen Antilopen und Wildpferde anstatt Blätter nun Gras. Aber Tiere, die in den Bäumen zu Hause waren, mussten sich radikaler umstellen.
- Die ersten Schritte auf dem Weg zur Menschwerdung
- Ramapithecus
- Sensationelle Fossilienfunde
- Australopithecus
- Der Weg zu den ersten Menschen
- Der Neandertaler
- Vom Höhlenmaler zum weisen Menschen
- Homo antecessor - der erste Europäer
- Der Weisheit letzter Schluss
Bibliografie:
- Atlas zur Evolution des Menschen, Edition Archaea 1997
- Jared Diamond: Der dritte Schimpanse. Evolution und Zukunft des Menschen, Fischer Verlag 1994
- Ulrich Kattmann, Helgard Pinn: Die Suche nach dem "missing link". Texte zur Stammesgeschichte des Menschen. Kommentarband. Franzbecker 1984
- Roger Lewin: Spuren der Menschwerdung, Spektrum Akademischer Verlag 1992
- Heinrich v. Meier (Hrsg): Der Mensch und sein Gehirn. Die Folgen der Evolution, Piper Verlag 1997
- Vom Urknall...zum ersten Menschen. Eine Enzyklopädie der Evolution. 1 CD-ROM, Stuttgart 1997









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