Einfach leben: Franz von Assisi und seine Minores
Ruhiger Ausklang eines bewegten Lebens
1224 zog sich Franziskus mit einigen Freunden zu einem Leben des Gebets, der Buße und religiösen Einkehr auf den Berg Alverna zurück. Er war von vielen Krankheiten geplagt, u. a. von einem schweren Augenleiden, das er sich in seiner Zeit im Orient zugezogen hatte und das er ohne Erfolg mehrfach behandeln ließ. 1226 ging er zurück nach Assisi, wo der Bischof ihn gastlich aufnahm. Im August des gleichen Jahres schrieb er sein "Testament", das die strengste Armut und vor allem Gehorsam gegenüber der Römischen Kirche einschärfte.Vor seinem Tod am 3. Oktober konnte er noch zwischen dem Bischof und dem Magistrat von Assisi, die ständig schwere Auseinandersetzungen hatten, Frieden stiften. Außerdem vollendete er seinen berühmten Sonnengesang, eine seiner wichtigsten und bekanntesten Hinterlassenschaften, in dem seine ganze Lebensauffassung deutlich wird:
'Höchster, allmächtiger, guter Herr, dein ist das Lob, der Ruhm und die Ehre und jeglicher Dank! Dir allein, Höchster, gebühren sie, und kein Mensch ist würdig dich zu nennen.
Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen, vor allem mit der Schwester Sonne, der edlen Herrin, die uns den Tag und das Licht schenkt. Schön ist sie und strahlend im großen Glanze, dein Gleichnis ist sie, Höchster.
Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Mond und die Sterne. Am Himmel formtest du sie, leuchtend und schön.
Gelobst seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und die Luft und die Wolken und jegliches Wetter. Durch sie gibst du deinen Geschöpfen Gedeihen.
Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Quelle. Wie nützlich sie ist, wie demütig, köstlich und rein!
Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer, durch den du die Nacht uns erleuchtest. Wie schön ist es, wie fröhlich und stark und gewaltig!
Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, die Mutter Erde, die uns erhält und ernährt, vielerlei Früchte trägt und bunte Blumen und Kräuter.
Gelobt seist du, mein Herr, durch alle, die aus Liebe zu dir vergeben und Schwachheit und Kummer geduldig ertragen. Selig, die harren in Frieden. Du, Höchster, wirst sie einst krönen.
Gelobt seist du, mein Herr, durch unseren Bruder, den leiblichen Tod. Ihm kann kein Mensch entrinnen. Wehe denen, die in Sünde sterben! Selig, die er in deinem heiligsten Willen findet, denn der zweite Tod kann ihnen kein Leids tun.
Lobet und preiset meinen Herrn! Danket und dienet ihm in großer Demut!'
Der Sonnengesang ist nicht in erster Linie intellektueller Reflexionsgegenstand, sondern vielmehr Gebet oder "Gesang". Deshalb ist er auch häufig vertont worden.
Der Franziskanerorden blieb auch nach Franziskus' Tod mehr eine Bewegung als eine feste Institution. Für den Heiligen Stuhl war der Orden dennoch eine wichtige Hilfe beim kirchlichen Reformwerk. Er wuchs rasch und hatte um 1300 schon 30 000 bis 40 000 Mitglieder, auch in Ländern wie Irland, Schottland, Skandinavien, Syrien u. a.
- Der wohlhabende junge Mann
- Auf dem Weg zu neuen Aufgaben
- Die endgültige und formale Gründung des Franziskanerordens
- Ruhiger Ausklang eines bewegten Lebens
- Der Orden heute









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