Einheimische Greifvögel
1. Die Habichtartigen
Zu den Habichtartigen gehören in erster Linie Vögel, die gekennzeichnet sind durch scharfe Krallen an den Zehen und einen charakteristischen Hakenschnabel. In dieser Familie sind für gewöhnlich die Weibchen sehr viel größer als die männlichen Vögel. Die meisten dieser Greifvögel sind außerordentlich flugtüchtig und außerdem auch in der Lage, vorzüglich zu segeln. Folgende Gruppen der Habichtartigen sind bei uns in Deutschland vertreten: Adler, Fischadler, Seeadler, Milane, Habichte, Bussarde und Wespenbussard sowie Weihen. Bei uns nicht beheimatet sind die Altweltgeier, die als Habichtartige ebenfalls zu den Greifvögeln gehören.
Adler
Zu den Adlern im engeren Sinne zählt nur die Gattung Aquila. Wesentliche Merkmale dieser imposanten Greifvogelgattung sind der besonders stark ausgeprägte, kräftige und gebogene Schnabel und eine durchgehende Befiederung der Läufe bis an die Zehen heran. Die gebogenen Krallen dieser mächtigen Vögel sind ungewöhnlich stark entwickelt. Mit ihren langen und breiten Flügeln sind sie ausgezeichnete Flieger und können weite Strecken in Kraft sparendem Segelflug zurücklegen. In Deutschland sind lediglich zwei der weltweit neun Arten anzutreffen.
Der Steinadler (Aquila chrysaetos)

Dieser bei uns ausschließlich in den Alpen anzutreffende Adler ist neben dem Seeadler der mächtigste einheimische Greifvogel. Bei einer maximalen Spannweite von 220 cm kann er ein Gewicht von 5 kg erreichen. Vom größeren Seeadler ist er durch den gestutzten und nicht, wie bei diesem, keilförmigen Schwanz im Flugbild schnell zu unterscheiden.
Wie bei den meisten Adlern üblich, finden sich Steinadler mit etwa fünf Jahren zu Paaren zusammen, eine Verbindung, die in aller Regel ein Leben lang anhält (so genannte „Dauerehe“). Ein Steinadlerpaar geht gewöhnlich gemeinschaftlich zur Jagd. Murmeltiere oder Hasen, aber auch Füchse oder junge Gämsen oder Rehe werden dabei meist von dem einen Partner aufgescheucht, während der andere die aufgebrachte Beute schlägt. Ausgewachsene Rehe oder Gämsen kann ein Steinadler nur dann erbeuten, wenn diese Tiere beispielsweise durch Krankheit, Alter oder Verletzungen stark geschwächt sind.
Auf unzugänglichen Felsvorsprüngen errichtet der Adler seine bis zu 2 m Durchmesser mächtigen Horste. Im Spätfrühling legt das Weibchen meist zwei Eier ab, aus denen nach 43 bis 45 Tagen die mit einem weißen Dunenkleid versehenen Jungen schlüpfen. Während das Weibchen überwiegend brütet, schafft das Männchen die Nahrung heran. Nach etwa 11/2 Monaten erfolgen die ersten Flugversuche der Jungvögel. Früher war der Steinadler bis in die norddeutsche Ebene hinein in Deutschland anzutreffen. Durch Nachstellungen des Menschen, der ihn vor allem als vermeintlichen Nahrungskonkurrenten verfolgte, ist der Steinadler an vielen ehemaligen Brutplätzen heute ausgerottet. Nur noch in unzugänglichen Gebirgsregionen, gerne an der oberen Waldgrenze, hat er bei uns eine letzte Zuflucht gefunden. Er steht heute bei uns auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten.
Der Schreiadler (Aquila pomarina)
Dieser nur bussardgroße Adler ist hauptsächlich im östlichen Europa, aber auch bei uns in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg anzutreffen, hier allerdings nur noch mit wenigen Brutpaaren. Er bevorzugt urwüchsige, das heißt nicht beforstete, und große, zusammenhängende Waldgebiete. Auf angrenzenden Wiesen oder in Sumpfgebieten jagt er nach Mäusen und Amphibien, nimmt aber auch schon einmal Vögel und sogar Insekten zu sich.
Der Fischadler (Pandion haliaetus)
Der große Greifvogel ernährt sich fast ausschließlich von Fisch. Mit seiner beachtlichen Flügelspannweite von bis zu 160 cm stößt der Fischadler mit vorgestreckten Fängen ins Wasser, um den zuvor im Gleitflug erspähten Fisch mit seinen mächtigen und stark gebogenen Krallen zu packen. Er schüttelt sofort nach dem Auftauchen das Wasser aus seinem Gefieder und fliegt mit seiner festgekrallten Beute auf einen erhöhten Stand, um dort den Fisch in aller Ruhe zu zerlegen. Der Fischadler ist auf diese Weise sogar in der Lage, Fische zu erbeuten, die schwerer sind als er selbst.
Weil die Fischer ihn fälschlich als Nahrungskonkurrenten angesehen haben, wurde der Fischadler in Deutschland bis auf eine Handvoll Brutpaare verfolgt. Die wenigen verbliebenen Fischadlerpaare sind vorzugsweise im Nordosten Deutschlands anzutreffen, wo sie in den Sommermonaten brüten. Ihre meist zwei bis drei Jungen umfassende Brut ziehen die Greifvögel standorttreu in der Nähe bewaldeter Seen oder Flüsse auf. Dazu errichten sie große Adlerhorste mit bis zu eineinhalb Metern langen Ästen, meist hoch oben in alten mächtigen Bäumen. Fischadler werden über 20 Jahre alt.
Der Seeadler (Haliaeetus albicilla)

Noch mächtiger als der Fischadler ist der bis zu 90 cm große Seeadler mit einer Flügelspannweite von bis zu 240 cm und damit der größte einheimische Greifvogel. Ausgewachsene Seeadler sind an ihrem weißen Schwanz und manchmal auch ihrem hellgrauen Kopfgefieder deutlich zu erkennen. Seeadler leben sowohl an Meeresküsten als auch an größeren bewaldeten Binnenseen oder Flussläufen. Bei uns sind sie im norddeutschen Raum nur in den Wintermonaten anzutreffen. Seeadler führen eine „Dauerehe“ und ziehen ihren Nachwuchs an den Küsten Skandinaviens oder in Osteuropa groß. Ihre mächtigen Horste, meist auf alten Bäumen, können einen Durchmesser von 2 Metern und eine Höhe von 5 Metern erreichen.
Sie erjagen große Fische, aber auch Wasservögel und Säugetiere. Sie jagen aber auch liebend gerne und äußerst geschickt anderen Greifvögeln, insbesondere auch Fischadlern, ihre Beute ab. Der Seeadler beherrscht sowohl den Segelflug als auch das Stoßtauchen zur Erbeutung von Fischen.
Bussarde
Bussarde sind große Vögel mit breiten Flügeln, die aber einen verhältnismäßig kurzen Schwanz haben. Im Gegensatz zu den größeren, aber sonst ähnlich erscheinenden Adlern ist ihr Hals deutlich kürzer. Sie sind alle ausgesprochene Segelflieger, aber dennoch sehr wohl in der Lage, wenigstens kurzzeitig in der Luft durch so genanntes Rütteln - also schnelles Auf- und Abschlagen der Flügel - auf Beutesuche gewissermaßen zu „stehen“.
Der Mäusebussard (Buteo buteo)

Das Gefieder dieses bei uns häufigsten Greifvogels variiert, besonders unterseits, von überwiegend weiß bis hin zu dunkelbraun. Er ist ein mit über einem halben Meter Körpergröße und einer maximalen Flügelspannweite von 130 cm sehr großer und dazu recht kräftiger Greif, mit einem markant kurzen, aber breiten und nicht gebänderten Schwanz. Seinen an ein Katzenmiauen erinnernden Ruf, ein lautes „hi-ääh“, hat sicherlich jeder von uns schon einmal gehört.
Er hält sich am liebsten in Wäldern auf, ist aber auch auf den Feldern und immer mehr auch Beute suchend auf dem Mittelstreifen der bundesdeutschen Autobahnen zu beobachten. Der Mäusebussard ernährt sich, wie sein Name schon sagt, überwiegend von Wühlmäusen, schlägt aber auch andere Kleinsäuger und nimmt auch Jungvögel, verschiedene Kaltblüter wie Eidechsen und Frösche, Insekten und verachtet auch Aas nicht. Obwohl er ein guter Mäusevertilger ist, wird ihm noch immer fälschlicherweise nachgestellt, nur weil er hin und wieder auch einmal ein Singvogelnest ausräubert oder einen jungen Hasen schlägt.
Ihren recht großen Horst errichten Mäusebussarde aus teilweise selbst „gepflückten“ großen Zweigen auf einzeln stehenden hohen Bäumen oder, so weit vorhanden, auch auf unzugänglichen Felsvorsprüngen. Das Gelege enthält meist zwei bis drei Eier. Aus den die meiste Zeit von den Weibchen bebrüteten Eiern schlüpfen nach etwa 33 bis 35 Tagen die Jungen. Auch die Fütterung der Nesthocker erfolgt überwiegend durch die Weibchen. Nach 42 bis 49 Tagen sind die jungen Mäusebussarde flügge. In zwei bis drei Jahren sind sie dann selbst geschlechtsreif.
Der Wespenbussard (Pernis apivorus)

Vom Mäusebussard lässt sich dieser Greifvogel durch eine doppelte dunkle Binde im Wurzelteil seines Schwanzes unterscheiden. Außerdem ist sein Flugbild im Vergleich zum Mäusebussard insgesamt sehr viel schlanker: Flügel, Schwanz und Kopf sind deutlich schmaler ausgebildet. Sein Kopf ist taubenartig nach vorne gestreckt. Wie sein Name bereits vermuten lässt, ernährt sich dieser Greifvogel vorzugsweise von Insekten, speziell Wespen, deren Larven sowie deren nahrhaften Waben. Neben Hummeln und Bienen verschmäht er aber auch Regenwürmer, Spinnen und andere Gliedertiere sowie hin und wieder auch einmal Frösche und Eidechsen nicht.
Aufgrund seiner Beutespezialisierung weist der Wespenbussard einige körperliche Anpassungen auf. Zum Schutz gegen die Insekten sind seine Nasenlöcher zu schmalen Schlitzen verengt. Zwischen Augen und Schnabel befinden sich sehr viele schuppenartige Federn, die vor Insektenstichen schützen, und zum Graben sind seine Fänge zu regelrechten Scharrwerkzeugen umgestaltet. Wenn er auf seinen niedrigen Beutesuchflügen oder von einer Beobachtungswarte aus ein Bodennest von den meist staatenbildenden Beuteinsekten erspäht, scharrt er das Nest mithilfe seiner kräftigen Füße frei, um an die Larven, Puppen und fertigen Insekten zu gelangen. Dabei gräbt er die Insektennester nicht selten bis zu einem halben Meter tief aus.
Der Wespenbussard brütet in weiten Bereichen Europas sowie im westlichen Zentralasien. Den Winter verbringt er im tropischen Afrika südlich der Sahara. Dazu machen sich die in Norddeutschland brütenden Wespenbussarde gemeinsam mit den skandinavischen Artgenossen bereits im Spätsommer auf den Weg. Zunächst fliegen sie zur Südspitze Italiens, überqueren dort die Straße von Messina und erreichen schließlich über Sizilien und Malta Afrika beim Cap Bon im Norden Tunesiens. Auf der umgekehrten Route kehren die Greifvögel dann im Frühjahr in ihre nördlichen Brutgebiete zurück. Auf ihrem Zug legen die Wespenbussarde möglichst weite Strecken im Segelflug zurück. Dazu schrauben sich an thermisch günstigen Stellen manchmal bis zu Hunderte der Greifvögel in die Höhe, um von dort die nächste Etappe zu segeln. Immer noch werden sie bevorzugt an solchen Stellen abgeschossen. Neben der Befriedigung der reinen menschlichen Jagdlust dienen die erlegten Tiere beispielsweise an der französischen Mittelmeerküste als Einlage für eine lokale kulinarische Spezialität, die Wespenbussard-Suppe.
Habichte
Habichte sind weltweit die artenreichste Gattung der Greifvögel. Sie sind charakterisiert durch breite, aber kurze Flügel und einen verhältnismäßig langen Schwanz. Außerdem ist das Weibchen sehr viel größer als das Männchen. Habichte sind auf den Fang von kleineren und mittelgroßen Beutevögeln spezialisiert.
Der Habicht (Accipiter gentilis)

Der etwa mäusebussardgroße Habicht trägt auf seiner gesamten Gefiederunterseite eine enge braune Querstreifung. Nicht selten entsteht dort durch die längs gerichteten Striche der Federschäfte eine Art Kreuzmuster. Der abgerundete Schwanz weist auf seiner Oberseite vier charakteristische schwarze Querbinden auf. Markant ist auch sein sehr schriller und durchdringender Ruf, ein „gig-gig-gig“ oder ein bussardähnliches „hiäh“. In schnellem Jagdflug erbeutet er Vögel und Säuger, wobei speziell Eichelhäher seine Hauptnahrung darstellen. Vor allem die größeren Habichtweibchen schlagen auch einmal einen Hühnervogel wie einen Fasan. Das hat diesem Greifvogel nicht nur den Beinamen „Hühnerhabicht“, sondern auch reichlich Verfolgung durch den Menschen und einen traurigen Platz auf der roten Liste der potenziell gefährdeten Arten eingebracht.
Ihren großen Horst errichten die Habichte auf hohen alten Bäumen, meist am Rand von größeren bewaldeten Landschaften. Die Paare bleiben meist ein Leben lang zusammen und kehren jedes Jahr nach dem Vogelzug in ihr angestammtes Brutgebiet, manchmal mit wechselnden Horsten, zurück. Das Gelege besteht aus drei bis vier Eiern, aus denen nach gut fünf Wochen die Jungen schlüpfen. Wieder brütet das Weibchen, während das Männchen die Nahrung beschafft. Nach spätestens 45 Tagen sind die Junghabichte flügge.
Der Sperber (Accipiter nisus)

Im Gegensatz zum viel größeren Habicht hat der Sperber einen wie glatt abgeschnittenen Schwanz. Von den kleineren Falken unterscheidet sich der Sperber durch seine kurzen runden Flügel. Wie eine kleinere Ausgabe gleicht der Sperber nicht nur äußerlich dem Habicht, auch seine Lebensweise ist ähnlich. Seine Hauptbeute besteht aus Singvögeln, maximal von der Größe der Drossel. Nur die größeren Weibchen können auch einmal einen Eichelhäher schlagen.
Milane
Die beiden heimischen Milanarten gehören zu den großen und mittelgroßen Greifvögeln. Beide sind im Flugbild leicht an ihren charakteristischen langen und gewinkelten Flügeln sowie dem gegabelten Schwanz zu erkennen. Milane bauen ihre Horste in die Baumkronen, am liebsten in abwechslungsreicher Landschaft, nehmen aber auch verlassene Krähennester. Nach einer Brutzeit von 28 bis 30 Tagen schlüpfen aus zwei bis drei Eiern die Jungvögel, die zwar nach gut 40 Tagen ihren Horst verlassen, aber noch einige Zeit immer wieder dorthin zurückkehren. Beide heimischen Milanarten ziehen zum Überwintern weit in den Süden, vom asiatischen Mittelmeerraum bis ins tropische Afrika.
Der Rotmilan (Milvus milvus)
Der Rotmilan, der regional bzw. umgangssprachlich auch als Gabelweihe oder Königsweihe bezeichnet wird, ist im Flugbild an seinem langen (30 cm) und charakteristisch tief (5 cm) gegabelten Schwanz recht leicht zu erkennen. Häufig fliegt er auch mit angewinkelten Flügeln. Ähnlich wie der Mäusebussard ruft er laut ein miauendes „hiäh“.
Der Rotmilan steht auf der roten Liste der stark gefährdeten Arten.
Der Schwarzmilan (Milvus migrans)
Im Gegensatz zum Rotmilan ist sein Schwanz nur leicht gegabelt. Der Schwarzmilan ist auch wesentlich häufiger bei uns anzutreffen als der Rotmilan. Er bevorzugt für seinen Brutplatz Landschaften in der Nähe von Seen, Flüssen oder Sümpfen. Im Prinzip ist er aber überall zu finden, nur nicht in dicht bewaldeten Gebieten. Auch der Schwarzmilan steht auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten.
Weihen
Die Vögel dieser Gattung sind schlank, mittelgroß und haben lange, schmale Flügel und einen langen, recht schmalen Schwanz. Ihre Beine sind verhältnismäßig lang. Im Gesicht tragen sie einen eulenähnlichen Federschleier, der es rund und eben eulenähnlich aussehen lässt. Die beiden Geschlechter unterscheiden sich deutlich voneinander. Die kleineren Männchen sind wenigstens teilweise hellgrau, die Weibchen braun gefärbt. Ihr Jagdflug ist sehr charakteristisch. Sie schaukeln gewissermaßen mit hoch gehaltenen Flügeln, oft ohne Flügelschlag, und gaukeln häufig in geringer Flughöhe, in einer Art „Pirschflug“, dahin. Sie erbeuten kleine Säugetiere, nehmen aber auch ausgesprochen gern Vögel, besonders deren Eier und Küken, zu sich. Nur gelegentlich ergänzen Insekten oder Reptilien ihren Speiseplan.
Beide einheimischen Weihenarten legen drei bis sechs Eier in selbst gefertigten Bodennestern ab, die gut vier Wochen bebrütet werden. Die Jungvögel werden nach 35 bis 40 Tagen flügge, verbleiben aber noch für wenige Wochen in der Nähe des elterlichen Horstes.
Die Rohrweihe (Circus aeruginosus)
Die Rohrweihe hat eine Flügelspannweite von etwa 120 cm. Das Männchen ist nur an den Flügeln und am Schwanz hellgrau gefärbt. Die Rohrweihe liebt Wassernähe und ist deshalb meist in Sümpfen, Mooren und weitläufigen, ungestörten Flächen mit Röhricht zu finden, besonders gerne auch unmittelbar an einem See. Unsere einheimischen Rohrweihen ziehen in aller Regel zum Überwintern in den Süden, bis mindestens in den Mittelmeerraum. Vor allem durch die Zerstörung größerer zusammenhängender Feuchtgebiete ist der Bestand der Rohrweihe im Rückgang begriffen.
Die Kornweihe (Circus cynaneus)

Bei der Kornweihe ist das Männchen bis auf die schwarzen Flügelspitzen durchgängig hellgrau gefärbt. Das braune Weibchen trägt einen oberseitig auffällig gebänderten Schwanz. Die Kornweihe ist auch in Wiesen und Heidelandschaft anzutreffen.
2. Falken
Im Gegensatz zur Familie der Habichtartigen sind die Erscheinungsformen der Falken ziemlich einheitlich. Besonders charakteristisch für ihr Flugbild sind die langen und einer Sichel ähnlichen Flügel dieser Greifvögel. Falken sind im Allgemeinen sehr ruhig und schweigsam. Wenn sie Alarm schlagen, aber auch während ihrer Balzzeit stoßen sie sehr laute und hohe bis schrille Laute aus. Wie die Eulen bauen die Falken nicht selbst ein Nest, sondern benutzen die Zweignester von anderen Arten oder brüten in Höhlungen von Gebäuden oder Bäumen oder an Felsen.
Der Turmfalke (Falco tinnunculus)

Dieser häufigste einheimische Falke ist typischerweise an seinem häufigen Rütteln (Flug auf der Stelle mit schnellen flachen Flügelschlägen) zu erkennen, das ihm auch den Trivialnamen „Rüttelfalke“ eingebracht hat. Durch seine besonders langen und spitzen Flügel sowie seinen langen Schwanz wirkt er im Flug ausgesprochen „schnittig“. Außerdem ist er an seinem oberseits rotbraunen Gefieder und seiner lehmfarbenen, mit braunen Längsstreifen versehenen Unterseite auch auf einer Warte sitzend gut zu erkennen.
Der etwa taubengroße Turmfalke hat sich als sehr anpassungsfähig erwiesen. Wenn er seine Hauptnahrung, Mäuse, in ausreichender Menge erbeuten kann, nimmt er von Felsvorsprüngen angefangen über Erker in großen Gebäuden, Türmen, bis hin zu Baumhöhlungen oder auch verlassenen Krähennestern alles, um dort seine Brut zu verrichten. Nach gut vier Wochen schlüpfen aus etwa vier bis sechs Eiern die Jungen im weißen Dunenkleid. Das Männchen jagt, während das Weibchen die vom Partner herangebrachte Nahrung an die Nestlinge verteilt. Nach 27 bis 38 Tagen sind die Jungvögel flügge.
Nördlich brütende Turmfalken ziehen zum Überwintern in den Mittelmeerraum oder sogar bis auf den afrikanischen Kontinent, bis in das Becken des Kongo.
Der Wanderfalke (Falco peregrinus)
Der Wanderfalke ist im Flug an seinem markanten ankerartigen Profil zu erkennen: Die Flügel sind lang und der sich nach hinten verjüngende Schwanz ist kurz. Außerdem fliegt er sehr schnell mit flachen, fast taubenartigen Flügelschlägen. Auf seine fliegende Beute stößt er mit einem typischen Steil- und Flachsturz hernieder. Dabei kann er Geschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern erreichen und nahezu jeden Vogel überholen. Er jagt hauptsächlich andere Vögel und nimmt nur selten junge Hasen oder Kaninchen. Sein Gefieder ist sehr variabel. Die Gefiederoberseite ist bei erwachsenen Tieren dunkel blaugrau. Die helle Unterseite zeigt eine dunkle Querbänderung. Markant ist lediglich sein immer vorhandener schwarzer Bartstreifen. Die Weibchen sind erheblich größer als die Männchen und werden etwa doppelt so schwer.
Wanderfalken brüten sowohl auf geschützten Felssimsen oder in leeren Baumnestern anderer Vögel als auch in ebener Landschaft in flachen Bodenmulden. Gelegentlich nimmt der Wanderfalke wie sein nächster Verwandter, der Turmfalke, einen Kirchturm als Brutplatz. Drei bis vier Eier werden vier Wochen lang überwiegend vom Weibchen bebrütet, während das Männchen die Nahrung beschafft. Dann schlüpfen die nur mit einem spärlichen Dunenkleid geschützten Nestlinge. Die Jungen werden im Alter von 35 bis 42 Tagen flügge.
Unsere einheimischen Wanderfalken sind in aller Regel Standvögel, das heißt, sie überwintern auch bei uns. Sowohl durch Insektenvernichtungsmittel und Lebensraumvernichtung als auch durch Bejagung mit dem Ziel der Falknerei steht bei uns der Wanderfalke auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten.
Der Baumfalke (Falco subbuteo)

Der zwischen 30 und 36 cm große Baumfalke erscheint im Flugbild wie eine verkleinerte Ausgabe des Wanderfalken. Er hat lange sichelförmige Flügel und einen noch kürzeren Schwanz. Er unterscheidet sich vom Wanderfalken durch seine gestreifte Körperunterseite sowie im erwachsenen Stadium eine rote Schwanzwurzelunterseite und sehr markante rostrote Beine, regelrechte „rote Hosen“.
Der Baumfalke folgt typischerweise Gruppen von Schwalben und Seglern auf der Jagd nach Beute. Er fängt ausgesprochen gern Libellen. Er brütet möglichst in offenen und bewaldeten Landschaften, ist aber im Gegensatz zu den bereits erwähnten Vertretern seiner Gattung niemals in den Städten anzutreffen.
Der Merlin (Falco columbarius)

Der Merlin ist mit 23 bis 33 cm Körperlänge der kleinste europäische Falke. Er ist bei uns überwiegend im Winter anzutreffen. Dann ist er nicht selten in der Marsch und auf den Nord- und Ostseeinseln zu beobachten. Sein Hauptbrutgebiet, vorzugsweise Moor, Tundra und Dünenlandschaften, liegt in Skandinavien und in Nordosteuropa. Der Merlin jagt tags per Sturzflug überwiegend Singvögel wie Finken oder Drosseln.
Bibliografie:
- Bednarek, Walter: Greifvögel: Biologie, Ökologie, Bestimmen, Peter Klüth Verlag 1996
- Heidenreich, Manfred: Greifvögel: Krankheiten, Haltung, Zucht, Peter Klüth Verlag 1996
- Trommer, Günther: Greifvögel, Peter Klüth Verlag 1993









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