Elefanten - die sanften Riesen
Lexikon: Elefanten
Merkmale: Mit dem enormen Größenwachstum hängt eine Besonderheit im Bau des Schädels zusammen: Damit der zur Verankerung der z. T. mächtigen Stoßzähne groß ausgelegte Schädel nicht zu schwer und damit unbeweglich wird, besteht er über der dünnen, das Gehirn umschließenden Schädeldecke aus schwammähnlicher, poröser Knochensubstanz. Dadurch entsteht ein inhaltsmäßig großes, aber der Größe nach relativ leichtes Schädeldach. Die Hohlräume sind teilweise mit Schleimhäuten der Nase ausgekleidet und dienen dem Geruchssinn, der einer der am besten ausgebildeten Sinne der Elefanten ist.

Rüssel: Eine weitere Besonderheit ist der Rüssel, dem die Ordnung der Rüsseltiere ihren Namen verdankt. Der Rüssel ist ein mächtiges und sehr bewegliches Organ, das aus der Verlängerung und Verwachsung der Nase und der Oberlippe entstanden ist. Bei den beiden lebenden Arten ist er unterschiedlich gebaut und dient deshalb u. a. zur Unterscheidung von Afrikanischen und Asiatischen Elefanten. Für die Tiere ist der Rüssel ein unersetzbares Organ zum Riechen, Tasten und Greifen; er ist ein Werkzeug, das der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, der Körperpflege und der innerartlichen Kontaktpflege, aber auch als Waffe dient. Der Rüssel befähigt die Elefanten, Pflanzen vom Boden aufzunehmen, aber auch Blätter und Zweige aus bis zu 6 m Höhe abzupflücken, ohne dass ein übermäßig langer Hals hätte entwickelt werden müssen, wie dies z. B. bei den Giraffen der Fall ist. Der Rüssel ersetzt eine Hand und arbeitet als außerordentlich präzises Tast- und Greiforgan, er ist in der Lage, selbst sehr kleine Gegenstände zu erkennen und aufzunehmen. Beim Trinken saugt der Elefant das Wasser etwa 40 cm hoch in den Rüssel ein, verschließt das Rüsselende mit dem (oder den) Rüsselfinger(n) und spritzt sich dann das Wasser in den Schlund. Eine Rüsselfüllung entspricht dabei etwa der eines Haushaltseimers.In der Dürrezeit dient der Rüssel als Bohrer, mit dem die Elefanten in ausgetrockneten Flussbetten nach Wasser graben. In solchen Trockengebieten hängt oft die Existenz vieler anderer Tierarten vom Vorhandensein der Elefanten ab. Sie müssen zu Tausenden verdursten, wenn die riesigen Kolosse aus irgendeinem Grund aus ihrem Gebiet abwandern.

Ein erwachsener Mann hat keine Chance gegen die Wucht eines ihm wütend entgegengeschleuderten Elefantenrüssels, selbst wenn das Tier noch recht jung ist. Allerdings "missbraucht" ein Elefant nur sehr selten und nur im äußersten Notfall seinen Rüssel, der durch die starke Innervierung ziemlich empfindlich ist, als Schlagwaffe. Und schließlich dient dieses vielseitige Organ auch noch seiner ureigensten Aufgabe, dem Atmen und der gerichteten Geruchswahrnehmung, d. h. dem Riechen und Wittern.

Zähne: Das Gebiss der Elefanten bietet ebenfalls einige Besonderheit, die in dieser Form nur bei ihnen zu finden sind. So besitzen sie keine Eckzähne, verfügen stattdessen aber über oftmals sehr lange Schneidezähne, die zu mehr oder minder leicht aufwärts geschwungenen Stoßzähnen umgewandelt sind. Bei den Asiatischen Elefanten können die Stoßzähne jedoch auch stark zurückgebildet sein oder fehlen. Sie bestehen zur Hauptsache aus Elfenbein, das sich aus Dentin (mit geringen Mengen eingelagerter Knorpelsubstanz) und Kalziumsalzen zusammensetzt. Außen sind sie von einer dünnen Schmelzschicht überzogen, die sich rasch verbraucht. Die Stoßzähne sind als kleine (bis 5 cm lange) Milchzähne bereits bei der Geburt vorhanden, die nach einem Jahr ausfallen. Die endgültigen Stoßzähne brechen im zweiten oder dritten Lebensjahr durch und wachsen mit einer Geschwindigkeit von 9-11 cm pro Jahr während des ganzen Lebens. Durch Abnutzung und Bruch erreichen sie gewöhnlich nur die Hälfte ihrer möglichen Länge, d. h., die durchschnittliche Länge liegt bei Afrikaner-Bullen etwa um 2,5 m und bei Kühen um 1,5 m. Da die Zahnhöhle mit zunehmendem Alter im vorderen Teil völlig zuwächst, werden die Stoßzähne von Jahr zu Jahr massiver und schwerer. Die der Bullen erreichen im Mittel je Paar ein Gewicht von 110 kg, während es die Stoßzähne der Kühe nur auf 20 kg bringen.
Doch auch die Mahlzähne sind recht eigentümlich. Je 3 Vorbackenzähne und Backenzähne sind in jeder Kieferhälfte vorhanden. Da Elefanten aber sehr alt werden und lange wachsen, benötigen sie mehr als zwei Zahnsätze, die während der ganzen Lebensspanne nacheinander in Gebrauch genommen werden können und sich somit dem ständig größer werdenden Kiefer anpassen. Es ist deshalb in jeder Kieferhälfte nie mehr als ein Zahn voll funktionstüchtig. Eventuell ist der nächste nachwachsende schon zum Teil vorhanden. Der zurzeit funktionierende Zahn wandert langsam im Kiefer nach vorn, gefolgt vom nächstfolgenden. Er wird bei den Kaubewegungen, mit denen die Elefanten nur nach vorn und hinten raspeln, aber nicht seitlich mahlen können, abgenutzt und bricht schließlich aus oder zerfällt in Stücke. Dabei ist der nachwachsende Zahn stets etwas länger als der vorherige.
Neben Rüssel und Zähnen dient die fleischige Zunge der Nahrungsaufnahme. Mit ihrem breiten, höckerartigen Wulst am Hinterende befördert sie die Nahrung den Schlund hinunter. Dem kurzen Hals schließt sich der gedrungene Rumpf an, der von vier geraden, säulenförmigen Gliedmaßen getragen wird. Die Zehen mit breiten Nägeln werden von einem gemeinsamen Fußmantel umschlossen.

Extremitäten: Elefanten sind Zehenspitzen- oder vielleicht besser Sohlenspitzengänger. Die vier Füße bedecken zusammen eine Fläche von über 1 Quadratmeter, was den Druck auf den Boden stark aufteilt und pro Quadratzentimeter Bodenfläche sehr gering werden lässt. In den Fuß ist ein dickes Polster aus elastischem, gallertigem Bindegewebe unter den Mittelfuß- und Zehenknochen eingelagert. Dieses Polster wirkt als ausgezeichneter Stoßdämpfer für das Fußwurzelgelenk (das unserem Handgelenk entspricht), das fälschlicherweise immer wieder als "Knie" angesprochen wird, nicht zuletzt deswegen, weil der Fuß nach hinten abgeknickt werden kann und die Tiere auf diesem Gelenk "knien" können. Die Fußsohle ist biegsam und weichhornig und besitzt Einlagerungen aus verfestigten, vieleckigen Hornstücken, die gegenseitig beweglich sind.
Haut: Die Bezeichnung "Dickhäuter" ist hinsichtlich der Haut nicht zutreffend, denn diese ist durchaus nicht so dick und unempfindlich, wie wir allgemein glauben. Sie ist im Gegenteil nur 2-4 cm stark, bis dicht unter die verhornte Schicht gut durchblutet und überall sehr tastempfindlich. An Hals und Hinterende bildet die Haut oft große Falten. Bis auf das Schwanzende, das eine lange Endquaste bis zur Ferse hinunter trägt, und die langen, ausdrucksvollen Wimpern, bildet die Haut nahezu keine Haare. Lediglich auf Rücken und Nacken finden wir spärliche, kurze Borsten. Neugeborene Elefanten besitzen ein mehr oder weniger spärliches, bräunliches Haarkleid, das aber bald verschwindet.
Ernährung: Elefanten sind keine Wiederkäuer, sie haben einen relativ einfach gebauten Magen und einen sehr langen Darm. Sie sind ausgesprochen schlechte Futterverwerter. Nahezu die Hälfte der aufgenommenen Nahrung verlässt den Darmtrakt wieder unverdaut. Deshalb verbringen die Elefanten den Hauptteil ihres Lebens mit der Aufbereitung und dem Verzehr der Nahrung. Erwachsene Tiere geben sich dieser Beschäftigung ungefähr 18-20 Stunden am Tag hin.
- Lexikon: Elefanten
- Lexikon: Asiatischer Elefant
- Lexikon: Afrikanischer Elefant
- Hintergrund: Infraschall als Mittel der Verständigung
- Steckbrief: Elefanten
Bibliografie:
- D. Balfour et al.: Afrikanische Elefanten. Majestäten der Savanne, 1998
- K. Kock: Elefanten - Mein Leben,
- C. Moss et al.: Das Jahr der Elefanten. Tagebuch einer afrikanischen Elefantenfamilie, 3. Aufl. 1996
- I. Redmond: Elefanten. Entwicklungsgeschichte, Verhalten und der Einfluss des Menschen, 1993
- B. Voigt: Mein Patenkind heisst Jumbo. Die Elefanten-Waisen von Tsavo East, 1995









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