Elizabeth I., der Film und sein historischer Hintergrund
Elizabeth I.

In dem Film "Elizabeth" konzentriert sich Shekar Kapur vor allem auf die Zeit bis zur Thronübernahme sowie die frühe Phase der Regentschaft der Königin. Dabei sieht sich die Monarchin in einem persönlichen Konflikt, der ausgelöst wird durch die Anforderungen der Staatsräson, die energische Entscheidungen für das vom Ausland bedrohte England sowie eine baldige Eheschließung verlangt, und ihrer persönlichen Neigung zu ihrer Jugendliebe Robert Dudley, dem Earl of Leicester. Vor dem Hintergrund von Intrige und Verrat entwickelt sich Elizabeth zu einer Persönlichkeit, die namengebend für eine ganze Epoche wird (Elisabethanisches Zeitalter).
Die Hauptrolle des Films wird von der Australierin Cate Blanchett gespielt, die ihre Karriere als Bühnenschauspielerin für die Sydney Theatre Company begann, bevor sie 1997 in Paradise Road von Bruce Beresford ihr Filmdebüt gab. Geoffrey Rush spielt die männliche Hauptrolle, den klugen Diplomaten Sir Francis Walsingham, der in der Intrigenwelt des Hofes an Elizabeths Seite steht. Rush erhielt 1997 einen Oscar für die Darstellung des Pianisten David Helfgott in "Shine - Der Weg ins Licht". Der berühmte Schauspieler und Regisseur Sir Richard Attenborough, der unter anderem solche Filmklassiker wie "Die Brücke von Arnheim" und "Gandhi" drehte, spielt in "Elizabeth" Sir William Cecil Burghley, Erster Sekretär und ab 1572 Schatzkanzler der Königin. Eric Cantona, der frühere Fußballstar von Manchester United, überzeugt in einer Nebenrolle als französischer Botschafter Monsieur de Foix. Joseph Fiennes spielt Robert Dudley und Christopher Eccleston den Duke of Norfolk, am Hofe der Gegenspieler Elizabeths. Weitere renommierte Darsteller sind Fanny Ardant, Kathy Burke und Vincent Cassel.

Der Regisseur Shekar Kapur charakterisierte seine Arbeit laut kinoweb folgendermaßen: "Den Film durch meine Augen zu sehen, vor dem Hintergrund meiner kulturellen Voraussetzungen, nicht zu versuchen, ein Engländer zu werden, das hätte auch leicht ins Auge gehen können! So musste ich mir die Frage stellen, was genau ich und meine Kultur dem Film zu geben hatten und die Antwort lautete natürlich: Melodramatik. Das ist es, womit wir uns im Osten ausdrücken und so dachte ich mir, war es auch im vorviktorianischen England."
Zum geschichtlichen Hintergrund des Films finden sich in der 1992 erschienenen "Chronik der Frauen" die folgenden Ausführungen: "Elisabeth I. wird nach dem Tod ihrer Halbschwester Maria I. neue Königin von England. Die Tochter Heinrichs VIII. und Anna Boleyns war 1544 durch Parlamentsbeschluss als Thronfolgerin eingesetzt worden. Elisabeth I., die 'jungfräuliche Königin', tritt keine leichte Herrschaft an. England ist zerrissen zwischen zwei Religionen, verschiedene politische Parteien liegen miteinander im Streit. Auch außenpolitisch ist die Stellung des Königreiches wenig gefestigt.
Bei der Regierungsübernahme der 25-jährigen konzentriert sich das öffentliche Interesse jedoch weniger auf die Frage, ob und wie es der Monarchin gelingen wird, dem Land Stabilität zu verleihen, als darauf, wer denn nun der zukünftige Ehemann der Königin sein wird. Es gilt als selbstverständlich, dass eine Herrscherin nicht ohne die Unterstützung eines Mannes regieren kann.
Elisabeth dagegen, die sich entschieden hat, selbst zu herrschen, zeigt kein Interesse an der Ehe. Die vielfältigen Versuche rivalisierender politischer und religiöser Gruppen, die Herrscherin durch eine entsprechende Heirat fester an sich zu binden, bleiben erfolglos. Die Monarchin setzt sich gegen die Heiratspläne des Parlaments durch und lehnt sämtliche vorgeschlagene Kandidaten ab.
Ihre Weigerung zu heiraten gilt als so außergewöhnlich, dass sie vom englischen Parlament lange nicht akzeptiert wird. Die Ehelosigkeit Elisabeths wird nicht nur kritisiert, weil sie mit der traditionellen Frauenrolle bricht, sondern auch aus Sorge um die Nachfolge nach dem Tod der Königin.
Erst allmählich wird die ausgesprochen erfolgreiche und kluge Politikerin von der Öffentlichkeit mit fast religiöser Begeisterung verehrt. Königin Elisabeth trägt statt eines Eherings ihren Krönungsring, um mit dieser Geste ihre Rolle zu symbolisieren: Sie ist Herrscherin und dadurch mit dem Königreich verheiratet. Ihren ungewöhnlichen Status unterstreicht sie in ihren Reden: 'Ich weiß, ich habe den Körper einer schwachen, kraftlosen Frau, aber ich habe das Herz und den Magen eines Königs, eines Königs von England.'
Während der fast 45-jährigen Herrschaft Elisabeths I. werden die Grundlagen gelegt für den Aufstieg Englands zur Weltmacht. Das Aufbauwerk des Elisabethanischen Zeitalters, Inbegriff für eine Periode kluger Politik, umfasst alle Gebiete des Lebens.
Das Königreich England ist zum Zeitpunkt der Herrschaftsübernahme Elisabeths ein kleines Land mit kaum mehr als 4 Mio. Einwohnern, das innenpolitisch wenig gefestigt und religiös zerrissen ist. International spielt England keine Rolle. In den Vorstellungen des 16. Jahrhunderts liegt die Insel am Rande der bewohnten Welt.
Elisabeth gelingt es, den politischen Einfluss Englands wesentlich zu vergrößern. Durch neue außenpolitische Zielsetzungen können sich die Nachteile der maritimen Randlage in Vorzüge verwandeln. Die Königin unterstützt den Ausbau einer Überseeschifffahrt neuen Stils und eröffnet dadurch dem Inselreich den Zugang zum Handel mit der Neuen Welt und zur Weltpolitik. Der Sieg der englischen Armada 1588 leitet eine neue Epoche ein. Bei der staatstragenden Schicht, dem bürgerlich-adligen Mittelstand, erwachen Unternehmungslust, Initiative und Nationalstolz, die sich im beginnenden Überseehandel Englands niederschlagen.
Außenpolitisch ist der Erfolg der Elisabethanischen Epoche gekennzeichnet durch die Verbindung individueller Unternehmungsfreude mit technischem Fortschritt und organisatorischem Geschick.
Auch innenpolitisch gelingt es Elisabeth, das Königreich zu stabilisieren. Zusammen mit dem Parlament entwickelt sie ein neuartiges System sozial- und wirtschaftspolitischer Förderungsmaßnahmen, begründet die anglikanische Kirche neu und festigt ihre Herrschaft, indem sie zunehmend die Unterstützung und Mitarbeit des englischen Volkes für sich gewinnen kann. .
Ihre Religionspolitik kommt ohne Gewaltmaßnahmen und Verfolgungen aus. Durch die Neubestellung regierungstreuer Bischöfe kann der Widerstand des Episkopats gegen die Etablierung der anglikanischen Staatskirche ausgeschaltet werden. Nach der Hinrichtung ihrer katholischen Gegenspielerin Maria Stuart am 8. Februar 1587 wird auch die Gefahr eines Aufstands des katholischen Adels geringer.
Obwohl Elisabeth die Kronrechte energisch handhabt, versucht sie nicht, das Parlament auszuschalten. Vielmehr fördert sie die politische Partizipation neuer Schichten und trägt dadurch zum Aufstieg des englischen Bürgertums bei

Mit der Herrschaft Elisabeths ist aber auch eine kulturelle Blüte Englands verbunden, die zum Beispiel im Bereich der Literatur in erster Linie von William Shakespeare repräsentiert wird." Die am 7. September 1533 in Greenwich geborene Königin stirbt am 24. März 1603 in Richmond. Ihr Nachfolger wird Maria Stuarts Sohn als Jakob I. von England.
- Elizabeth I.
Bibliografie:
- Sabine Appel: Elisabeth I. von England. Die Biographie, 2003
- Christa Jansohn: Queen Elizabeth I.: Past and Present, 2004
- Jürgen Klein: Elisabeth I. und ihre Zeit, München 2004
- Kurt Kluxen: Geschichte Englands, 1991
- Annette Kuhn (Hrsg.): Die Chronik der Frauen, 1992
- Ursula Machoczek: Die regierende Königin - Elisabeth I. von England. Aspekte weiblicher Herrschaft im 16. Jahrhundert, 1996
- Peter Wende: Geschichte Englands, 1995









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