Engelbert Humperdinck
Kindheit und Jugend

Engelbert Humperdinck wird am 1. September 1854 als erster Sohn des Lehrers Gustav Ferdinand Humperdinck und seiner Frau Gertrud Olivia in Siegburg (Rheinland) geboren. Obwohl die musikalischen Gene dem Kind von beiden Elternteilen in die Wiege gelegt wurden, sollte es doch vor allem Engelberts Mutter sein, die das außergewöhnliche künstlerische Talent ihres Sohnes nicht nur erkannte, sondern auch förderte.
Die Liebe zur Musik wird frühzeitig durch seine Mutter geweckt, die über eine gute Sopranstimme verfügt und allabendlich für ihre Kinder eine Art Hauskonzert veranstaltet, in dem sie u. a. Lieder von Beethoven und Schubert sowie Klaviersonaten zu Gehör bringt. Als Engelbert sieben Jahre alt ist, erhält er gemeinsam mit seiner zwei Jahre jüngeren Schwester Ernestine erstmals Klavierunterricht. Zunächst kann er diesem Unterricht aufgrund seines phantasielosen und pädagogisch wenig geschickten Lehrers nur wenig Begeisterung abgewinnen, doch diese Situation ändert sich schon bald, als ein Herr Hambach die musikalische Ausbildung der Geschwister übernimmt. Fortan beginnt sich Engelbert nicht nur mit Feuereifer in die Erarbeitung des pianistischen Repertoires zu stürzen, sondern er wird erstmals auch zu kleinen Kompositionen inspiriert, die - nach dem Vorbild der häuslichen Besetzung - für Singstimme und Klavier geschrieben sind und von Mutter und Schwester zur Uraufführung gebracht werden (Bahnwärters Abendlied bzw. Das Signalglöckchen). 1861 verarbeitet er Erlebnisse aus seiner kindlichen Umgebung zum Opus 1 Zu Mantua in Banden und widmet das Werk seiner Mutter zum Namenstag.
Einen entscheidenden Einfluss auf die weitere musikalische Laufbahn bedeutet im Jahr 1868 Engelberts erster Opernbesuch mit Albert Lortzings "Undine". Dies ist die Geburtsstunde des Bühnenkomponisten Engelbert Humperdinck. Zunächst setzt er sich noch eher theoretisch damit auseinander, indem er v. a. die Werke Mozarts im Klavierauszug studiert, Die Welt der Bühne sollte den zukünftigen Komponisten jedoch nie mehr loslassen.
Neben der Musik spielt die Religion eine elementare Rolle in Engelberts jungem Leben. Seine religiösen Erfahrungen sind von ähnlicher Intensität geprägt wie bei seinem österreichisch-ungarischen Zeitgenossen Franz Liszt und spiegeln sich vor allem in einer ausgeprägten Marienverehrung wider, der er sein Leben lang kompositorisch Ausdruck zu verleihen sucht.
Neben der musikalischen Ausbildung durch die Mutter treibt der Vater als Lehrer am Siegburger Gymnasium die intellektuelle Ausbildung seines Sohnes energisch voran. Engelbert ist jedoch bereits unheilbar vom Virus Musik befallen, eine Entwicklung, die der zwar musisch interessierte, jedoch eher praktisch orientierte Vater nicht gutheißen kann. Und so verfrachtet er seinen Filius für die letzten zwei Schuljahre kurzerhand nach Paderborn. Fern seiner gewohnten Umgebung und seiner musikalischen Freunde soll sein Blick auf eine akademische Laufbahn gerichtet werden.
Doch wie so oft im Leben geht auch diese Rechnung nicht auf: die väterliche Maßnahme hat genau den gegenteiligen Effekt und macht Engelbert umso deutlicher seine Bestimmung bewusst. Darüber hinaus hinterlassen die musikalischen Erlebnisse in der Domstadt mit einem regen Kulturleben nachhaltige Eindrücke. Zum Ende von Engelberts Schulzeit spitzt sich der Interessenkonflikt schließlich so zu, dass nicht nur die Eltern, sondern auch die Lehrer ernsthafte pädagogische Ermahnungen aussprechen, die nicht ohne Wirkung bleiben. Denn Engelbert fasst daraufhin einen drastischen Entschluss: er will der Musik gänzlich entsagen. Diese Entscheidung ist jedoch mit dem Verstand und nicht mit dem Herzen getroffen und so bricht sich die natürliche Begabung schon bald wieder Bahn. Kompositorische Zeugnisse dieser Zeit sind u.a. ein Ave Maria für Tenor und Streichquartett, die Klaviersonate d-Moll für seinen Freund Anton Winkel und die Ouvertüre zum Bühnenstück Claudine von Villa Bella (nach Goethe), die allerdings im Jahr 1874 wie viele andere seiner Frühwerke einem Brand im Siegburger Schulhaus zum Opfer fällt.
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- Humperdinck und Wagner
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- Die letzten Jahre
- Werk
Bibliografie:
- Wolfram Humperdinck: Engelbert Humperdinck. Das Leben meines Vaters, Koblenz 1993
Institution(en):
- Engelbert-Humperdinck Gesellschaft 1991 e. V.Kreuzweg 6b, D-56154 Boppard06742/2858









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