Englands Indienherrschaft
England übernimmt die direkte Herrschaft in Indien
Nach der Niederschlagung des Sepoy-Aufstandes übernimmt die britische Krone am 01.11.1858 nach langjähriger faktischer Herrschaft nun auch formell die Macht in Britisch-Indien. Das Mogul-Reich wird aufgelöst.
Anlass der Unruhen
Unter Sepoys versteht man die indischen Regimenter in der britisch-indischen Armee, wo 16 000 europäische und 200 000 indische Soldaten unter britischem Oberkommando stehen. Einheimische Offiziere führen die indischen Verbände bis zur Kompanieebene.
Folgende Gründe haben den Aufstand mehrerer indischer Regimenter ausgelöst:
- Furcht vor einer westlichen Überfremdung.
- Die Annexion des Fürstentums Oudh durch den britischen Generalgouverneur 1856.
- Landreformen der Kolonialmacht, die viele Inder als ungerecht empfanden.
Die Rebellion
Zentren des Aufstandes sind die Garnisonen Meerut, Lucknow und Delhi, während der Süden und Nordwesten Britisch-Indiens ruhig bleiben.
Den britischen Truppen gelingt es, mit Hilfe ihnen loyal ergebener Sikhs und Gurkha-Truppen die Aufrührer zu besiegen. Wie die Briten dabei vorgehen, zeigt ein Augenzeugenbericht: "Damit aber die Vollziehung des Todesurteils auf die Zuschauer mehr Eindruck hervorbringe, wurden die Meuterer vor die Mündungen blindgeladener Kanonen gebunden. Das Losschießen derselben führt zwar den augenblicklichen Tod jener herbei und ist insofern der nicht immer gleich sicheren Exekution durch Flintenkugeln vorzuziehen; der Anblick der Zerfetzung der Leiber, deren zerrissene Stücke in die Luft fliegen, hat aber für den Zuschauer etwas weit Schrecklicheres."
Konsequenzen
Für die britische Indienpolitik hat die Niederschlagung des Sepoy-Aufstandes weitgehende Konsequenzen. Der letzte Großmogul, Abul Musaffar Siradsch Ad Din Muhammad Bahadur, wird abgesetzt und stirbt 1862 in der Verbannung in Burma. Die 258 Jahre zuvor gegründete britische Ostindienkompanie verliert ihre Regierungsmacht. Ganz Britisch-Indien untersteht jetzt der Krone. Der Generalgouverneur fungiert als Vizekönig der indischen Fürstentümer. Ihm steht ab 1861 ein gesetzgebender Rat zur Seite.
In London wird ein Indienministerium eingerichtet, das die Kontrolle des Parlaments über Indien sicherstellen soll. Der britische Vizekönig kann in Indien de facto wie ein Nachfahre der Großmoguln regieren. Die Reformbewegung kommt vollständig zum Erliegen. Im Jahr 1877 nimmt Königin Viktoria den Titel "Kaiserin von Indien" an.
- England übernimmt die direkte Herrschaft in Indien
- Am Anfang standen Handelsinteressen
- Moguln: Expansion und Religionstoleranz
- Wechsel der Kulturen prägte den Subkontinent
Bibliografie:
- S. David, The Indian Mutiny: 1857, 2002
- H. Kulke, D. Rothermund: Geschichte Indiens, 1998
- L. James: Raij: A history of British India, 1997
- D. Rothermund: Geschichte Indiens. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 2002
- V. A. Stuart, The Sepoy Mutiny, 2001
- W. Westphal: Herrscher zwischen Indus und Ganges. Das britische Kolonialreich in Indien, 1989









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