Englische Revolutionen des 17. Jahrhunderts
Kurzinfo
In der englischen Geschichte gilt das 17. Jahrhundert als „Jahrhundert der Revolutionen“. Es war geprägt vom Machtkampf zwischen den absolutistischen Stuartkönigen und dem selbstbewussten Parlament, das sich nach der letzten Revolution, der unblutigen Glorious Revolution, endgültig durchsetzte: 1689 wurde mit der Bill of Rights (Gesetz über die Rechte) die Grundlage der heutigen Verfassung Englands als konstitutionelle, parlamentarische Monarchie geschaffen.
Von der Rebellion gegen die Krone zur Puritanischen Revolution
Erfüllt von seinem Gottesgnadentum, errichtete Karl I. (regierte 1625−1649) eine absolutistische Herrschaft, mit der er sich vor allem den Landadel und das städtische Bürgertum zum Feind machte: wirtschaftlich erfolgreiche Bevölkerungsschichten, in denen die protestantischen Presbyterianer und Puritaner stark vertreten waren. Weil Karl nicht nur die traditionelle Selbstverwaltung in Grafschaften und Städten einschränkte, sondern auch einen katholisch geprägten Anglikanismus als Staatsreligion durchsetzen wollte, kam zum politischen der religiöse Konflikt.
- 1640 musste Karl das Parlament einberufen: Er brauchte Geld, um einen Aufstand der schottischen Presbyterianer niederzuschlagen. Nur das Unterhaus hatte das Recht der Steuerbewilligung, und im Unterhaus saßen Landadel und Bürgertum. Sie wagten die offene Rebellion, gaben Karl nicht nach, widersetzten sich auch, als er das Parlament wieder auflösen wollte.
- 1641 ließ das Unterhaus Karls engsten Berater hinrichten.
- 1642 begann der Bürgerkrieg: Machtkampf zwischen den Anhängern des Parlaments und denen des Königs, gleichzeitig ein Kampf der Konfessionen (). Auf der Seite des presbyterianisch geprägten Parlaments stand die puritanische Elitetruppe Oliver Cromwells, der die entscheidenden Siege über die Königlichen erfocht.
- 1648 suchte das Parlament den Ausgleich mit der Krone, um den Bürgerkrieg zu beenden. Nun ging der mächtige Puritaner Cromwell gegen beide vor: Er vertrieb die Presbyterianer aus dem Parlament, das ihm ergebene „Rumpfparlament“ verurteilte den König wunschgemäß zum Tode.
- 1649 setzte die Puritanische Revolution mit der Enthauptung Karls I. ein radikales Zeichen: Nie zuvor war im christlichen Europa ein gekrönter Monarch öffentlich hingerichtet worden.
Die puritanische Kulturrevolution
Unter der Militärdiktatur des Lordprotektors Oliver Cromwell (1653−1660) durchlief England eine regelrechte Kulturrevolution. Das ganze Land wurde den sittenstrengen Prinzipien der gottesfürchtigen, strebsamen Puritaner unterworfen: Alles, was die Bevölkerung von Bibellektüre und Arbeit abgehalten hätte, war nun verboten oder zumindest erheblich eingeschränkt: Musik, Theater, Alkoholgenuss.
Glorious Revolution: der Sieg des Parlaments über den Absolutismus
Als nach der freudlosen Herrschaft der Puritaner 1660 das Königtum der Stuarts wiederhergestellt wurde, ging zunächst ein Aufatmen durchs Land. Doch 1685 erbte Jakob II. den Thron, ein bekennender Katholik, den man wohl nicht zu Unrecht verdächtigte, das protestantische England gewaltsam „bekehren“ und den Absolutismus nach französischem Muster einführen zu wollen. Ein Beleidigungsprozess, den Jakob gegen anglikanische Bischöfe anstrengte, und schließlich die Geburt eines katholischen Thronfolgers machten das Maß voll.
- 1688 riefen einflussreiche Protestanten Wilhelm III. von Oranien zu Hilfe. Der kämpferische Protestant, Statthalter der Niederländischen Republik und Ehemann von Jakobs protestantischer Tochter Maria kam mit seinem Heer, Jakob floh nach Frankreich und wurde vom Parlament abgesetzt.
- 1689 trug das Parlament Wilhelm und Maria die gemeinsame Königswürde an, nachdem sie die Bill of Rights als neues Staatsgrundgesetz beeidet hatten.
Obwohl die Glorreiche Revolution von 1688/89 ohne Blutvergießen verlief, führte sie doch zum Umsturz des politischen Systems und war somit eine „echte“ Revolution. Zwar blieb die Monarchie erhalten, aber die Macht des Königtums war nicht mehr unumschränkt, sondern den Gesetzen unterworfen. Und denen musste das Parlament zustimmen.
Bill of Rights
Das „Gesetz zur Erklärung der Rechte und Freiheiten der Untertanen und zur Festlegung der Thronfolge“, kurz Bill of Rights genannt, zählt zu den bedeutenden Verfassungsdokumenten der europäischen Geschichte. Es schuf noch nicht die Demokratie, bereitete aber den Weg zum parlamentarischen Rechtsstaat.
- Der König/die Königin ist Staatsoberhaupt und Inhaber der ausführenden Gewalt (Exekutive).
- Er/Sie darf nicht katholisch und nicht katholisch verheiratet sein.
- Ohne Zustimmung des Parlaments darf das Staatsoberhaupt keine Gesetze außer Kraft setzen, keine Steuern und Abgaben erheben und in Friedenszeiten kein stehendes Heer unterhalten.
- Das Parlament muss regelmäßig einberufen werden, die Wahlen müssen frei von Beeinflussung sein.
- Im Parlament herrscht Redefreiheit. Abgeordnete genießen Immunität und müssen sich nur vor dem Parlament, nicht vor dem König verantworten.
- Alle Untertanen haben ein Petitionsrecht (das Recht, Gesuche an den König zu richten) und dürfen nicht aufgrund ihres Gesuchs verfolgt oder bestraft werden.
- Die Untertanen sind vor willkürlicher Verhaftung geschützt. Geldstrafen müssen angemessen, Körperstrafen dürfen nicht „ungewöhnlich grausam“ sein.







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