Enrico Caruso
Biografie

Enrico Caruso wird am 27. Februar 1873 in Neapels Arbeiterviertel San Giovanniello als erstes Kind (nach zahlreichen Totgeburten) des Mechanikers Marcellino Caruso und seiner Frau Anna geboren. Die kleine Familie, die später noch um die Geschwister Giovanni (1876) und Assunta (1882) bereichert wird, lebt in bescheidenen Verhältnissen, so dass Enrico bereits als Zehnjähriger das karge Budget seiner Eltern mit aufbessern muss, und so beginnt er eine Lehre als Eisengießer. Gleichzeitig ist seine Mutter jedoch bestrebt, dem Sohn durch eine gute Schulausbildung eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Dadurch hat Enrico täglich ein enormes Arbeitspensum zu absolvieren, denn nach seiner Arbeit in der Gießerei drückt er noch die Schulbank.
Seine musikalische Begabung tritt zu dieser Zeit eher zufällig zutage, denn Enrico hellt den eintönigen Arbeitsalltag mit seinem Gesang auf. Das erste Publikum seines Lebens bilden seine Kollegen, die dem jungen Lehrling andächtig lauschen. Bereits zu diesem Zeitpunkt spürt Enrico, dass das Singen mehr als nur ein Hobby ist. Neben den Gesangsstunden im Institut Bronzini vor allem autodidaktisch geschult, erhält er bald wertvolle neue Anregungen durch den Pianisten Ernesto Schirardi, den Dirigenten Raffaele de Lutio sowie vor allem durch den Komponisten, Dirigenten und Pianisten Federico Albin - Schüler des bedeutenden Komponisten Saverio Mercadante -, die Enrico erstmals mit Opernarien und Romanzen vertraut machen und seine Stimme konsequent schulen. Ein weiteres regelmäßiges Training für die heranwachsende Stimme sind Solo-Auftritte mit dem heimischen Kirchenchor.
Nachdem sein Vater zunächst wenig Begeisterung für die künstlerischen Ambitionen seines Sohnes zeigt, spricht bare Münze schon bald eine überzeugendere Sprache, denn Enricos Auftritte bei Beerdigungen, Hochzeiten und Festen sorgen nicht nur für wachsende Publicity, sondern auch für handfeste Lire, die für das Familienbudget eine willkommene Bereicherung darstellen. Der frühe Tod der Mutter im Jahr 1888 und die seit 1890 angeschlagene Gesundheit seines Vaters lassen den jungen Mann frühzeitig erwachsen werden und auf eigenen Beinen stehen. Doch Enrico ist nicht nur Realist, er ist auch Idealist und so träumt er davon, seine Stimme zukünftig zum Fundament und Mittelpunkt seines Lebens zu machen. Unermüdlich und zielstrebig arbeitet er in den nächsten Monaten auf dieses Ziel hin - ähnlich wie einige Jahrzehnte später ein anderer kleiner Italiener, der als Frank Sinatra ebenfalls Weltkarriere machen sollte.
Das Neapel des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit seinen Konzertcafés und adeligen Salons, mit seinen Straßenmusikern und Festivitäten ist für den sangeswütigen jungen Mann ein wahres Eldorado, und wenn auch die finanzielle Seite von Enricos Auftritten nicht immer befriedigend ist, so stellen diese vielfältigen Auftritte seine künstlerischen Lehrjahre dar, in denen er unschätzbare Erfahrungen sammeln kann.
Im Sommer 1891 wird der Sänger Eduardo Missiano auf Enrico aufmerksam und vermittelt ihm seine ersten Gesangsstunden bei einem professionellen Lehrer, bei Guglielmo Vergine. Für die gesangstechnische Ausbildung und künstlerische Prägung durch Vergine sollte Caruso zwar zeit seines Lebens dankbar sein, die damit verbundenen Pflichten sollten ihm jedoch für viele Jahre wie ein Mühlstein um seinen Hals hängen, denn in Anbetracht von Carusos chronischer Mittellosigkeit verzichtet Vergine nicht etwa auf sein Honorar, sondern schließt in hoffnungsvoller und vielleicht auch geschäftstüchtiger Voraussicht einen Vertrag mit seinem neuen Schüler ab, der ihn verpflichtet, in den ersten fünf Jahren einer zukünftigen Sängerkarriere 25% seiner Einnahmen an seinen Lehrer abzuführen. Enrico Caruso hat schließlich später die Annullierung dieses Vertrag gerichtlich eingeklagt und konnte sich mit einer Summe von 20000 Lire von seinem ehemaligen Lehrer freikaufen.
Dennoch ist Vergines Einfluss auf die Karriere des jungen Sängers nicht zu unterschätzen: Nicht nur, dass er den ungeschliffenen Rohdiamanten behutsam zu einer ausdrucksvollen und tragfähigen Stimme formt, er führt ihn auch in die Welt der Oper ein und macht ihn mit deren führenden Köpfen bekannt. Am Teatro Mercadante führt zu dieser Zeit Giovanni Zuccani den Taktstock. Zuccani fühlt spontan die Besonderheit dieser jungen Stimme und will Caruso mit der Partie des Wilhelm Meister in Ambroise Thomas' Oper "Mignon" eine erste Bühnenchance verschaffen. Doch bei der Generalprobe verlassen Enrico plötzlich die Nerven, und was schon so greifbar nahe war, rückt wieder in weite Ferne. Obwohl Enrico nach dieser Niederlage tief enttäuscht ist, gibt er sich nicht geschlagen. Er nutzt die nächsten Monate für weiteres Repertoirestudium und seine Stimme entwickelt sich in dieser Zeit zu ihrem besonderen Klang und der einzigartigen Ausstrahlung. Noch plagt den zukünftigen Solisten allerdings eine entscheidende Frage: Ist er ein Tenor oder ein Bariton? Diese Frage kann auch Vergine nicht lösen.
Operndebüt in Neapel
1895 macht der junge Sänger erstmals in größerem Rahmen öffentlich auf sich aufmerksam. Nach der Mitwirkung bei einem Kirchenkonzert mit Werken des Zeitgenossen Domenico Morelli kommt am 15. März 1895 im Teatro Nuovo dessen Oper "L'Amico Francesco" zur Aufführung, bei der Enrico Caruso einen positiven Eindruck hinterlässt. Wenig später kann er im Teatro Bellini für den erkrankten ersten Tenor einspringen und seinen bescheidenen Ruf als aufstrebender Solist mit Partien in den Opern "Faust", "Rigoletto" und "La Traviata" festigen. Es schließt sich ein äußerst lukratives Engagement für eine mehrmonatige Tournee nach Ägypten an, auf der Enrico Caruso sein Repertoire um weitere Rollen in "La Gioconda" und "Manon Lescaut" erweitern kann. Zurückgekehrt nach Neapel unterschreibt er für die nächsten drei Monate einen Vertrag über fünfzig Vorstellungen mit vier verschiedenen Opern am Teatro Mercadante - ein Mammutpensum, das den Künstler physisch und psychisch völlig auslaugt. Doch obwohl zu dieser Zeit sein Ruf bereits über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus bis in die italienische Kulturmetropole Mailand dringt und sein Erfolg von Vorstellung zu Vorstellung wächst, ist die finanzielle Situation des Künstlers nach wie vor prekär.
Und so nimmt Enrico im Februar gleich das nächste Angebot an: eine dreimonatige Tournee durch Sizilien. Daran schließt sich ein Engagement an der Oper von Salerno an, wo Caruso sich mit der für seine Stimmlage extrem hohen Partie des Arturo in Vincenzo Bellinis "I Puritani" einer neuen Herausforderung stellt. Die Zusammenarbeit mit dem Dirigenten und Gesangslehrer Vincenzo Lombardi sollte dabei von entscheidender Bedeutung für seine weitere stimmliche und künstlerische Entwicklung sein ("Er hat mir beigebracht, wie man mehr Kraft in die Töne legt."). In Salerno erlebt Enrico Caruso die ersten Triumphe seines Sängerlebens, die ihm auch sein erstes Engagement in die italienische Kulturmetropole Mailand verschaffen. Verantwortlich dafür ist der gefürchteter Musikkritiker, Agent, Impresario und Mitarbeiter des Verlagshaus Sonzogno, Nicola Daspuro. Bereits früher auf den Nachwuchskünstler aufmerksam geworden, nun jedoch durch seine gereifte künstlerische Persönlichkeit überzeugt, verschafft Daspuro Enrico Caruso nicht nur sein Mailänder Debüt, sondern auch ein weiteres Engagement in Palermo.
Intermezzo in Livorno
Doch bis es so weit ist, steht Enrico Caruso noch eine der wichtigsten Begegnungen seines Lebens bevor. In Livorno gastiert er am 7. Juli 1897 am Teatro Goldoni mit "La Traviata", der am 14. August eine Aufführung von Puccinis jüngster Oper "La Bohème" folgen soll. Doch obwohl Caruso in Livorno enthusiastisch gefeiert wird, hegt Maestro Puccini Bedenken, ob dieser ihm noch unbekannte junge Mann die adäquate Besetzung für die Partie des Rodolfo in seiner Oper sei. Caruso packt daraufhin den Stier bei den Hörnern und sucht den Komponisten in seinem Refugium am Lago de Massaciucoli in Torre del Lago auf. Die Begegnung der beiden Künstler geht umgeben von einem Kreis von Legenden in die Musikgeschichte ein. Tatsache ist jedoch, dass sich daraus spontan eine von gegenseitiger Achtung und Freundschaft getragene Beziehung entwickelt, die beide ein Leben lang bereichern sollte. Puccinis Opern bilden denn auch im Bühnenleben Enrico Carusos einen seiner Schwerpunkt. Carusos Premiere mit der Partie des Rodolfo in "La Bohème" am Teatro Goldoni in Livorno wird zu seinem bis dahin größten Triumph seines Bühnenlebens, der in seiner sängerischen und darstellerischen Leistung gleichermaßen begründet ist.
In Livorno entscheidet sich erstmals auch Enrico Carusos persönliches Schicksal in Gestalt der Sängerin Ada Giachetti, die mindestens ebenso am Erfolg dieser Aufführung beteiligt ist. Ada wird nicht nur Carusos erste Lebensgefährtin - da sie verheiratet ist und sich aus gesellschaftlichen Gründen nicht scheiden lässt, leben die Beiden in wilder Ehe zusammen. 1898 kommt der erste Sohn Rodolfo zur Welt und sechs Jahre später wird Enrico junior geboren. Die nicht nur künstlerisch, sondern auch menschlich reifere und erfahrenere Ada wird in den nächsten Jahren zu einer wichtigen Beraterin für den weiteren künstlerischen Weg ihres Mannes. Nach elf Jahren trennen sich die Wege Adas und Enricos jedoch aus persönlichen Gründen.
Mailänder Debüt
Aufgrund von zeitweise zweckentfremdeter Nutzung des weltberühmten Teatro alla Scala, finden Ende 1897 alle wichtigen Opernaufführungen im Teatro Lirico Internazionale statt. Und genau dieses Theater sollte der Schauplatz von Carusos erstem Mailänder Auftritt sein. Beflügelt vom jungen Liebesglück und stimmlich gereift debütiert er am 3. November 1897 mit Jules Massenets Oper "La Navarraise" und erntet dafür unmittelbar eine ausgezeichnete Kritik, die ihn zum Star des Abends macht. Wenig später kann Caruso mit der Premiere von Francesco Cileas "L'Arlesiana" und "Pagliacci" (Der Bajazzo) von Ruggiero Leoncavallo seinen Erfolg noch steigern.
In Genua wartet auf den vielversprechenden Stern am Opernhimmel die nächste Herausforderung: Hatte er erst wenige Monate vorher die Partie des Marcello in Puccinis Oper "La Bohème" aufgrund der exponierten Lage abgelehnt, so fühlt er sich nun mit gestärktem Selbstbewusstsein dieser Rolle gewachsen und kann am 20. Januar 1898 im Teatro Carlo Felice einen neuen Triumph für sich verbuchen.
Die entscheidende Stunde in Enrico Carusos Karriere schlägt jedoch am 17. November 1898 im Teatro Lirico in Mailand. Die Uraufführung der Oper "Fedora" von Umberto Giordano wird für den kleinen Mann aus Neapel zum Wendepunkt seines Lebens. Hatte sich das musikalische und dramatische Interesse im Vorfeld völlig auf die Figur der Fedora und deren Interpretin Gemma Bellincioni konzentriert, so verleiht Enrico Caruso bei der Uraufführung des Werkes nicht nur der Figur des Loris eine bis dahin unbekannte Bedeutung, sondern bewegt durch seine nuancierte Interpretation und seine ausdrucksstarke Stimme das Publikum zu Begeisterungsstürmen und Tränen gleichermaßen. Die Legende von der "Träne in der Stimme" ist geboren.
Carusos Engagement am Mailänder "Teatro alla Scala" im Februar 1900 sollte darüber hinaus durch die künstlerische Zusammenarbeit mit dem italienischen Dirigenten Arturo Toscanini noch einmal zu einer Steigerung von Carusos Leistungen beitragen, denn der Dirigent holt durch seine fundierte und detaillierte Kritik das Letzte aus dem beinahe besessen arbeitenden Sänger heraus.
Höhepunkte einer Weltkarriere
Von diesem Zeitpunkt an ist Enrico Caruso endgültig ein Weltstar und kann sich vor Angeboten und Anfragen kaum retten. Die physische und psychische Ausbeutung einer Stimme beginnt. Die folgende Tabelle stellt lediglich einen Querschnitt durch das Mammutpensum dar, das Enrico Caruso von diesem Zeitpunkt absolviert und das ihn in den nächsten 22 Jahren mit mehr als 1500 Vorstellungen und rund 160 Konzerten durch die Opernhäuser und Konzertsäle der ganzen Welt führt - und das im Vor-Jetset-Zeitalter, wo das Reisen per Eisenbahn und Schiff und nicht per Flugzeug geschah! Enrico Caruso hat dabei Werke wie "Le Maschere" von Pietro Mascagni oder "La Fanciulla del West" (Das Mädchen aus dem goldenen Westen) von Giacomo Puccini aus der Taufe gehoben, mit Primadonnen wie der Australierin Nellie Melba, Emma Calvé, Lillian Norda oder Emmy Destinn gesungen und mit Dirigenten wie Luigi Mancinelli oder Arturo Toscanini zusammengearbeitet.
| Jahr | Theater | Oper | Komponist | Dirigent |
| Dezember 1898 - Februar 1899 | Grande Théâtre du Conservatoire, St. Petersburg | La Traviata La Bohème Aida Un Ballo in Maschera | Giuseppe Verdi Giacomo Puccini Giuseppe Verdi Giuseppe Verdi | V. Podesti V. Podesti V. Podesti V. Podesti |
| Mai - Juli 1899 | Teatro de la Opera, Buenos Aires | Iris La Bohème La Regina di Saba | Pietro Mascagni Giacomo Puccini Karl Goldmark | V. Mingardi V. Mingardi |
| November 1899 | Teatro Comunale, Bologna | Tosca | Giacomo Puccini | L. Mugnone |
| Februar 1900 | Teatro alla Scala, Mailand | L'Elisir d'Amore | Gaetano Donizetti | A. Toscanini |
| Mai - Juni 1901 | Teatro de la Opera, Buenos Aires | Tosca RigolettoLohengrin | Giacomo Puccini Giuseppe Verdi Richard Wagner | A. Toscanini A. Toscanini A. Toscanini |
| Oktober 1901 | Teatr Wielki, Warschau | Carmen Aida Un Ballo in Maschera | Georges Bizet Giuseppe Verdi Giuseppe Verdi | V. Podesti V. Podesti V. Podesti |
| Februar 1902 | Salle Garnier, Monte Carlo | La Bohème | Giacomo Puccini | A. Vigna |
| Mai - Juli 1902 | Covent Garden, London | RigolettoLucia di Lammermoor Aida Don Giovanni | Giuseppe Verdi Gaetano Donizetti Giuseppe Verdi Wolfgang A. Mozart | L. Mancinelli L. Mancinelli L. Mancinelli L. Mancinelli |
| Dezember 1902 - Januar 1903 | Teatro Costanzi, Rom | Rigoletto Mefistofele Manon Lescaut | Giuseppe Verdi Arrigo Boito Giacomo Puccini | E. Vitale E. Vitale E. Vitale |
| Februar - März 1903 | Teatro São Carlos, Lissabon | Tosca Adriana Lecouvreur Lucrezia Borgia | Giacomo Puccini Francisco Cilea Gaetano Donizetti | C. Campanini C. Campanini J. Guerrini |
| Mai - Juli 1903 | Teatro de la Opera, Buenos Aires | GermaniaIris Adriana Lecouvreur Manon Lescaut | Alberto Franchetti Pietro Mascagni Francisco Cilea Giacomo Puccini | A. Toscanini A. Toscanini A. Toscanini A. Toscanini |
| November 1903 - Januar 1904 | Metropolitan Opera, New York | RigolettoPagliacciLucia di Lammermoor L'Elisir d'Amore | Giuseppe VerdiRuggiero LeoncavalloGaetano DonizettiGaetano Donizetti | A. Vigna A. Vigna A. Vigna A. Vigna |
| April 1904 | Théâtre Sarah Bernhardt | Rigoletto | Giuseppe Verdi | A. Vigna |
| Mai 1904 | Deutsches Landestheater, Prag und Hoftheater, Dresden | Rigoletto | Giuseppe Verdi | A. Vigna |
| Oktober 1905 | Theater des Westens, Berlin | RigolettoLa Traviata | Giuseppe Verdi Giuseppe Verdi | Roth Roth |
| November 1904 - März 1905 | Metropolitan Opera, New York | Aida La Gioconda PagliacciGli Ugonotti | Giuseppe Verdi Amilcare Ponchielli Ruggiero Leoncavallo Giacomo Meyerbeer | A. Vigna A. Vigna A. Vigna A. Vigna |
Januar - April 1905: Konzerttournee durch die Vereinigten Staaten mit Konzerten in New York, Boston, Pittsburg, Cincinnati, Chicago, Minneapolis, Omaha, Kansas City, San Francisco und Los Angeles
| Mai - Juli 1905 | Covent Garden, London | La Bohème Gli UgonottiUn Ballo in Maschera Madame Butterfly | Giacomo Puccini Giacomo Meyerbeer Giuseppe Verdi Giacomo Puccini | C. Campanini C. Campanini L. Mancinelli + C. Campanini C. Campanini |
| November 1905 - März 1906 | Metropolitan Opera, New York | La GiocondaLa Favorita La Sonnambula Faust Marta | Amilcare Ponchielli Gaetano Donizetti Vincenzo Bellini Charles Gounod Friedrich von Flotow | A. Vigna A. Vigna A. Vigna N. Franke A. Vigna |
Dezember 1905 - Mai 1906: Opern- und Konzerttournee durch die USA mit Aufführungen und Konzerten in Philadelphia, New York, Washington, Baltimore, Pittsburgh, Chicago, St. Louis, Kansas City, San Francisco
| Mai - Juli 1906 | Covent Garden, London | RigolettoLa BohèmeMadame Butterfly | Giuseppe Verdi Giacomo Puccini Giacomo Puccini | C. Campanini C. Campanini C. Campanini |
August - Oktober 1906: Opern- und Konzerttournee durch Europa mit Auftritten in Ostende, Wien, Berlin, Hamburg und Paris
| November 1906 - Februar 1907 | Metropolitan Opera, New York | La Bohème Fedora Aida Tosca | Giacomo PucciniUmberto Giordano Giuseppe Verdi Giacomo Puccini | A. Vigna A. Vigna A. Vigna A. Vigna |
Dezember 1906 - April 1907: 3. Amerikatournee mit Auftritten in Philadelphia, Baltimore, Washington, Boston, Chicago, Cincinnati, St. Louis, Kansas City, Omaha, St. Paul, Minneapolis und Milwaukee
| Mai - Juli 1907 | Covent Garden, London | La Bohème La Traviata Aida Tosca | Giacomo Puccini Giuseppe Verdi Giuseppe Verdi Giacomo Puccini | L. Mancinelli L. Mancinelli C. Campanini C. Campanili |
Mai - November 1907: Europatournee mit Aufführungen in Paris, Budapest, Wien, Leipzig, Hamburg, Berlin und Frankfurt
| November 1907 - März 1908 | Metropolitan Opera, New York | Aida Iris Madame ButterflyTosca Faust Il Trovatore | Giuseppe Verdi Pietro Mascagni Giacomo Puccini Giacomo Puccini Charles Gounod Giuseppe Verdi | R. Ferrari R. Ferrari R. Ferrari R. Ferrari R. Ferrari R. Ferrari |
Dezember 1907 - Mai 1908: 4. Amerikatournee (mit Kanada) mit Aufführungen in Philadelphia, New York, Boston, Baltimore, Washington, Chicago, Pittsburgh, Columbus, Toronto, Detroit, Buffalo, Cleveland, Rochester, Montreal
Mai - Oktober 1908: Europatournee mit Auftritten in London, Paris, Wiesbaden, Frankfurt, Bremen, Hamburg, Leipzig und Berlin
November 1908 - März 1909: 5. Amerika-Tournee mit Konzerten und Aufführungen in Brooklyn, New York (Met), Philadelphia und Baltimore
August - Oktober 1908: Europatournee durch Ostende, Dublin, Plymouth, Blackpool, Glasgow, Edinburgh, Newcastle, Manchester, Belfast, London, Liverpool, Frankfurt, Nürnberg, Hamburg, Berlin und Bremen
Dieser Turnus - Amerikatournee im Winter und Europatournee im Sommer - wiederholt sich in den nächsten Jahren regelmäßig. Das Repertoire Carusos erweitert sich dabei immer wieder um neue Opern:
- - Manon (Jules Massenet)
- - Armide (Christoph W. Gluck)
- - La Fanciulla del West (Giacomo Puccini)
- - Julien (Marc-Antoine Charpentier)
- - Samson et Delila (Camille Saint-Saëns)
- - Les Pêcheurs de Perles (Die Perlenfischer, Georges Bizet)
- - Lodoletta (Pietro Mascagni)
- - Le Prophète (Der Prophet, Giacomo Meyerbeer)
- - L'Amore dei Tre Re (Italo Montemezzi)
- - La Forza del Destino (Die Macht des Schicksals, Giuseppe Verdi)
- - La Juive ( Die Jüdin, Fromental Halévy)
1915 reist Caruso nach längerer Pause zum vierten Mal nach Südamerika, diesmal mit Auftritten nicht nur in Buenos Aires, sondern auch in Rosario, Cordoba, Tucuman und Montevideo. 1917 schließt eine fünfte Tournee an, die außer nach Buenos Aires und Montevideo auch nach Rio de Janeiro und São Paulo führt. Enrico Carusos letzte große Tournee führt ihn vom November 1919 an noch einmal für ein Jahr durch seine musikalische Wahlheimat Amerika: Nach einer Saison an der Met und Auftritten in Brooklyn, Philadelphia, Pittsburgh und Detroit tritt Caruso erstmals auch in Havanna auf. Anschließend folgt eine Konzertreise durch Nordamerika und Kanada sowie eine letzte Saison an der New Yorker Met:
| November - Dezember 1920 | Metropolitan Opera, New York | La Juive L'Elisir d'Amore Samson et Delila La Forza del Destino Pagliacci | Fromental Halévy Gaetano Donizetti Camille Saint-Saëns Giuseppe Verdi Ruggiero Leoncavallo | A. Bodanzky G. Papi A. Wolff G. Papi R. Moranzoni |
Doch wie so oft in der Geschichte der Künste gilt der Prophet im eigenen Lande wenig. Dieser Spruch trifft auch auf Enrico Caruso zu, denn in seiner Heimatstadt Neapel erhält der Sänger 1902, als er bereits ein weltweit gefragter Star ist, eine der bittersten Kritiken seines Lebens. Am Teatro San Carlo steht im Winter 1901/02 die Oper "L'Elisir d'Amore" (Der Liebestrank) von Gaetano Donizetti auf dem Programm - ein Werk, mit dem Caruso in seiner ersten Saison an der Mailänder Scala bereits glänzende Erfolge gefeiert hatte. Auch die neapolitanischen Kritiker stimmen zunächst in diese Lobeshymne mit ein. Doch als am 16. Januar Jules Massenets "Manon Lescaut" gegeben wird, formuliert Barons Saverio Procida von der Zeitung "Il Pungolo" eine niederschmetternd-zynische Kritik, in der dem Sänger mangelnde Erfahrung, eine kehlige, unausgeglichene und unausgereifte Stimme sowie fehlende Darstellungskraft vorgeworfen werden. Enrico Caruso ist von diesem Artikel derart getroffen, dass er seiner Heimatstadt in künstlerischer Hinsicht für den Rest seines Lebens den Rücken kehrt.
Zeugnisse für die Nachwelt
Neben den Vereinigten Staaten ist London stets eine wichtige Station im Künstlerleben Enrico Carusos. Dort feiert er nicht nur glanzvolle Auftritte, die seinen Ruhm zu Lebzeiten weiter vermehren, sondern von dort aus werden auch die wichtigen Fäden gezogen, die Carusos Ruhm für die Nachwelt festhalten werden und ihn damit zu einem der ersten Medienstars in der Geschichte der Oper machen.
Nach ersten Versuchen durch Thomas A. Edison im Jahr 1877, Schallschwingungen festzuhalten, gelingt ein Jahr später Emil Berliner die Entwicklung einer flachen wachsbeschichteten Zinkscheibe, die als erster Tonträger in die Geschichte der Menschheit eingeht. In den folgenden Jahren verbessert er diese Erfindung bis 1892 die ersten Schellack-Platten hergestellt werden. Das neue Medium ruft schon bald andere Pioniere auf den Plan: Es entstehen Grammophon-Firmen, die die neue Erfindung kommerziell auszunutzen beginnen. Eine von ihnen ist die 1898 gegründete Londoner "Grammophone Company". Es ist der Eigeninitiative der beiden Mitarbeiter Fred und Will Gaisberg zu verdanken, die im Frühjahr 1902 im Mailänder Grand Hotel entgegen anders lautender Anordnungen der Direktion aufgrund "exorbitant(er)" Honorarforderungen des Sängers erstmals zehn Arien mit Caruso auf Schallplatte aufnehmen. Zum Glück für die Geschichte der Musik und für die Nachwelt, denn daraus entwickelt sich neben Oper und Konzert die dritte Säule in Enrico Carusos Künstlerleben, die mit insgesamt rund 500 Titeln einen unerschöpflichen Fundus dieser "göttlichen Stimme" bildet. Gleichzeitig erwarb sich Caruso zu Lebzeiten damit nicht nur ein Vermögen, sondern eine Popularität wie heute die Popstars. Er war nicht nur in den oberen Gesellschaftsschichten, sondern mindestens ebenso bei den einfachen Leuten bekannt. Heute stehen die Aufnahmen, technisch gereinigt und auf CD gepresst, Generationen von Musikliebhabern zur Verfügung, die nicht das Glück hatten, den legendären Sänger live zu erleben.
Im Dienste der "göttlichen Stimme"
Von der biologischen Uhr getrieben, die einem Sänger nur eine bestimmte Anzahl von erfolgreichen Berufsjahren bemisst, arbeitet Enrico Caruso zeitlebens wie ein Besessener. Und getragen von der Magie der Musik verausgabt sich der Künstler bei jeder Vorstellung bis zum Äußersten. Darüber hinaus setzt Enrico Caruso seine begnadete Stimme immer wieder auch für wohltätige Zwecke ein.
Privat lebt der Sänger in all diesen Jahren außer einer Beziehung zu Rina Giachetti, der Schwester seiner ehemaligen Lebensgefährtin, eher zurückgezogen. Da begegnet ihm 1918 in Gestalt der zwanzig Jahre jüngeren Dorothy Park Benjamin noch einmal die große Liebe. Gegen den Willen ihres Vaters und zur Überraschung selbst engster Freunde heiraten die beiden heimlich am 21. August 1918 in New York.
Im März 1919 ehrt die New Yorker Metropolitan Opera Enrico Carusos künstlerische Verdienste mit Feierlichkeiten zu seinem 25-jährigen Bühnenjubiläum. Anschließend geht der Sänger noch einmal auf Konzertreise durch den amerikanischen Kontinent und brilliert in der Saison 1919/20 mit Fromental Halévys Oper "La Juive" (Die Jüdin) noch einmal an der Met. Groß ist die Freude, als am 18. Dezember 1919 seine einzige Tochter Gloria geboren wird.

Doch des Enrico Carusos Erdentage sind gezählt. Zu sehr hatte er sich jahrelang verausgabt und ein übermenschliches Programm absolviert. Am 8. Dezember bricht der Sänger während einer Vorstellung hinter der Bühne zusammen, kann jedoch die Aufführung unter großen Schmerzen noch bis zum Ende durchhalten. Drei Tage später hat sich Caruso so weit erholt, dass er zu einer Vorstellung in Brooklyn wieder pflichterfüllt erscheint. Doch diesmal kann er seinen Körper nicht mehr disziplinieren. Bereits vor der Vorstellung spuckt der Sänger Blut, kann das Problem zwar wieder in den Griff bekommen, so dass die Aufführung mit leichter Verspätung beginnen kann, doch während des ersten Aktes verschlimmert sich Carusos Zustand drastisch, so dass die Vorstellung schließlich abgebrochen werden muss. Ein letztes Mal kann der Sänger Caruso, der sein ganzes Leben in den Dienst seiner Stimme gestellt hatte, noch über seinen Körper triumphieren und am Heiligabend gibt er eine scheinbar (gesundheitlich) erfolgreiche Vorstellung an der Met. Einen Tag später bricht Enrico Caruso jedoch endgültig zusammen. Die herbeigerufenen Ärzte diagnostizieren eine Rippenfellentzündung, operieren den Sänger, der sich daraufhin wieder erholt. Doch es ist nur ein Aufschub auf Zeit: Im Februar 1921 bricht die Krankheit erneut aus. Auf Wunsch Carusos reist die Familie am 28. Mai ins heimatliche Neapel, wo der Sänger wenige Monate später am 2. August stirbt. Die zwei Tage später stattfindende Beerdigung gleicht einem Staatsbegräbnis: In ganz Neapel herrscht Trauerstimmung, sämtliche Geschäfte bleiben geschlossen und Tausende von Menschen begleiten den Sänger auf dem Weg zu seiner letzten Ruhestätte auf dem Friedhof von Santa Maria del Piano. Auch in der restlichen Welt trauern einfache Menschen und Musiker, Staatsmänner und Könige um den unsterblichen Sänger und die italienische Zeitung "Il Mattino" vermeldet "Die göttliche Stimme ist verstummt".
Erst nach seinem Tod wurde dem Sänger die zu Lebzeiten verweigerte Anerkennung seiner Geburtsstadt Neapel zuteil: Eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus in der Via Sanit Giovanni e Paolo 7 erinnert an den weltberühmten Sänger mit den Worten: "Für Enrico Caruso, der die altehrwürdige hohe Kunst des italienischen Belcanto mit dem Ungestüm seines mediterranen Temperaments verband und dessen Name in der Welt widerhallt als leuchtendes Symbol einer mythischen Gestalt. Seine Geburtsstadt Neapel."
- Biografie
- Künstlerische Würdigung
Bibliografie:
- Pietro Gargano, Gianni Cesarini: Caruso, Schott Verlag, Mainz 1995
- Howard S. Greenfeld: Caruso. Die illustrierte Biographie, Edition Olms, Zürich 1992
- Mayra Montero: Wo Aida Caruso fand, Droemer Knaur, München, 2002
- Michael Scott: Caruso. Die Jahrhundertstimme, W. Heyne Verlag, München 1993
- Christian Springer: Caruso. Tenor der Moderne, Wien 2002
Institution(en):
- Museo Enrico Caruso - Centro Studi Carusiani in MailandVia R. Birolli 14 20125 Milano+39/02/69001449Fax: +39/02/69001449info@museocaruso.itInternet: http://www.museocaruso.it/
In Zürich befindet sich mit der Schweizerische Caruso-Gesellschaft (der Freunde italienischer Gesangskunst) ein deutschsprachiger Ableger der Associazione Museo Enrico Caruso.









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