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Epigenetik: Wie das Leben die Gene beeinflusst

Wir alle wissen heute: Unsere Gene legen nicht nur unsere Augenfarbe, sondern beispielsweise auch Anfälligkeiten für bestimmte Erkrankungen fest. Doch Gene steuern nicht nur, sie werden auch in ihrer Aktivität gesteuert. Und diese An- und Abschaltung der Gene ist nicht starr festgelegt, sie ist beeinflussbar, auch durch Umwelteinflüsse, durch Ernährung oder durch Stress. Schritt für Schritt entdeckt die biologische Forschung, dass unser Lebensstil auf unsere Gene zurückwirkt.
Der wissenschaftliche Zweig, der sich hiermit beschäftigt, ist die Epigentik. Sie untersucht die „auf oder über den Genen liegenden“, also epi-genetischen, Mechanismen, die das Verhalten und die Auswirkungen unserer Gene steuern. Die Epigenetik befasst sich folglich weniger mit dem Inhalt der Gene, also der Abfolge der DNA-Bausteine, sondern mit der übergeordneten Ebene von Informationen und Mechanismen, die zum Beispiel das Anschalten oder Ruhigstellen von bestimmten Genabschnitten bewirken können.
Die Erforschung epigenetischer Phänomene steht noch am Anfang - doch sie hat jetzt schon völlig unerwartete Erkenntnisse geliefert: Epigenetische Veränderungen der Erbsubstanz beeinflussen nicht nur das eigene Leben, sondern können mit den Genen sogar an die Nachkommen vererbt werden. Die Epigenetik räumt mit der Vorstellung auf, dass Gene starre Informationen sind.

Alles nur genetisch?

Bild
Der im Modell abgebildete DNA-Strang ist Träger der Erbinformation.

Die gesamte Erbinformation eines Menschen liegt auf einem etwa zwei Meter langen Faden aus Desoxyribonukleinsäure (DNA). Beim Menschen umfasst die DNA-Sequenz drei Milliarden Bausteine mit etwa 25 000 Genen. Dazwischen liegt eine Unmenge scheinbar sinnloser Sequenzen. Dieses riesige Molekül gilt als Bauplan für den menschlichen Körper.

Im Jahr 2001 wurde im Rahmen des Human-Genom-Projekts das gesamte menschliche Erbgut vollständig entschlüsselt, das heißt, den Forschern auf der ganzen Welt liegt heute die gesamte Basenfolge der menschlichen Erbinformation vor. Die Euphorie der Gentechniker über diese epochalen Erkenntnisse war zunächst riesengroß. Maßgeschneiderte Medikamente schienen zum Greifen nahe. Die Gentherapie versprach Heilung für nahezu alle Krankheiten.

Doch bald mussten die Wissenschaftler feststellen, dass zum Wunder des Lebens wohl doch mehr gehört als die Reihenfolge der Buchstaben in den Genen. Offene Fragen wurden immer drängender und behinderten die Fortschritte der Gentechnik: Warum fangen Zellen plötzlich an, sich immer und immer wieder - scheinbar völlig unkontrolliert - zu teilen, ohne dass eine Mutation, also eine Veränderung in der Gensequenz, ausfindig gemacht werden kann? Kurz: Wie kann es zu Krebserkrankungen, zu Tumorbildung kommen? Oder wie kann es sein, dass eineiige Zwillinge, deren genetisches Material absolut identisch ist, dennoch unterschiedlich aussehen können?

  1. Alles nur genetisch?
  2. An- und abgeschaltete Gene
  3. Verlorene Fresssucht
  4. Was ist nun Epigenetik?
  5. Die biologische Funktion epigenetischer Prozesse
  6. Einfluss der Nahrung
  7. Weitergabe an die Nachkommen?

Bibliografie:

  • Joachim Bauer: Das Gedächtnis des Körpers: Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern, Eichborn Verlag 2010
  • Bernhard Kegel: Epigenetik - Wie Erfahrungen vererbt werden, Dumont Literatur und Kunst Verlag 2009
  • Bruce H. Lipton: Intelligente Zellen. Wie Erfahrungen unsere Gene steuern, Koha Verlag, Burgrain 2008
  • Peter Spork: Der zweite Code: Epigenetik - oder Wie wir unser Erbgut steuern können, Rowohlt Verlag 2009
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