Epik
Begriffsbestimmung
Wir kennen die so genannten epischen Großformen, die als Roman und Saga in Prosa und als (Volks- oder Kunst-) Epos in Versen verfasst sind. Zu den prosaischen Kleinformen zählen Novelle, Kurzgeschichte, Skizze, Anekdote und Erzählung. Während sich die Kleinformen Ballade, Romanze, Idylle und Verserzählung durch die gebundene Rede auszeichnen, können Parabel, Fabel, Satire, Parodie und Travestie sowohl in Prosa als auch in Versen erzählt werden. Schließlich werden als so genannte vor- oder präliterarische Vorgänger die einfachen Formen Märchen, Sage und Legende bezeichnet.
Im weiteren wollen wir - neben dem historischen Epos - vor allem den Begriff, die Funktion und die historische Entwicklung der modernen epischen Großform »Roman« vorstellen. Als Roman wurde im Frankreich des 12. Jahrhunderts jede Schrift in der »lingua romana«, also in der Volkssprache bezeichnet. Der Roman wurde damit im Gegensatz zu dem in der »lingua latina« verfassten gelehrten Schrifttum definiert. Der Roman stammt vom Epos ab, unterscheidet sich aber von dessen Versdichtungen durch seine Prosaform der Sprache, deren Bedeutung auch die historische Entwicklung prägt. So war der Roman noch im 13. Jahrhundert eine dichterische Erzählung, die sowohl in Prosa als auch in Versen vorgestellt werden konnte. Aber schon gegen Ende des Jahrhunderts bezeichnet der Roman nur das Prosaschrifttum und wird seit dem 17. Jahrhundert in dieser Bedeutung auch in Deutschland verwendet. Die Prosa als freigestaltete Sprache - im Gegensatz zur distanzierten Formkraft des Versrhythmus - stellt realistischer und persönlicher die im Roman häufig gewählten poetischen Stoffe bzw. Protagonisten (Liebende, Künstler, Ritter und Räuber) vor und intensiviert in der Gegenwart die Schilderung der unübersichtlichen modernen Welt.
Trotz der frühen theoretischen Überlegungen in der Poetik von Aristoteles setzt erst im 18. Jahrhundert aufgrund der reichhaltigen Entwicklung unterschiedlicher epischer Untergattungen eine erneute poetologische Diskussion ein, die sich in der späteren literaturwissenschaftlichen Debatte auf die stoffliche Abgrenzung der Epik, besonders von der Dramatik, zuspitzt.
Es bieten sich bestimmte Aspekte an, um die verschiedenen Romanformen - trotz ihrer Vielfältigkeit und mangelnden Formstrenge - zu kennzeichnen. Die Form prägt den Roman als Ich-, Brief-, Tagebuch-, Dialog-, Rahmen- oder chronikalischen Roman. Nach dem thematischen und motivischen Grundplan (Fabel, Vorwurf) bezeichnen wir die Stoffe der Romane: Abenteuer-, Ritter-, Räuber-, Entwicklungs-, Bildungs-, Erziehungs-, Künstler-, Kriminal-, Reise-, Heimat-, Familien-, Gesellschafts-, Tatsachen- oder historischer Roman. Nach der Realitätsebene des Inhalts differenzieren wir den Geschehnis-, Figuren- oder Raumroman. Nach dem künstlerischen Rang oder Anspruch qualifizieren wir Bestseller, Reißer, Trivial- und Unterhaltungsroman oder aber künstlerisch bedeutungsvoller Roman. Schließlich benennen wir nach dem Charakter der Aussageweise, die von der Persönlichkeit des Autors bestimmt wird, den empfindsamen, humoristischen, satirischen, idealistischen, realistischen und den didaktischen Roman.
- Begriffsbestimmung
- Funktion der Epik
- Epos
- Roman
Bibliografie:
- Bibliographisches Institut und F. A. Brockhaus Verlag: Der Brockhaus Literatur: Schriftsteller, Werke, Epochen, Sachbegriffe. (Lexikon) Mannheim, 3. Auflage, 2006
- Elisabeth Frenzel: Motive der Weltliteratur, Stuttgart, 6. Auflage 2008
- Jan Urbich: Literarische Ästhetik, Köln, Weimar, Wien 2011
- Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur, Stuttgart 2001









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