Total votes: 27
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken
THEMEN

Europäische Königshäuser

Das deutsche Kaiserreich und seine Königreiche

In Europa gab es drei, den höchsten Rang unter allen Monarchien einnehmende Kaiserreiche: Das an die 1000 Jahre lang bestehende, 1806 aufgelöste Heilige Römische Reich Deutscher Nation, als dessen Nachfolgestaat das nur 1871-1918 bestehende, von Preußen beherrschte zweite deutsche Kaiserreich gedacht war, sowie das Zarenreich und das Österreichische Kaiserreich. Alle drei fanden ihr Ende mit dem Ersten Weltkrieg (in Russland schon 1917, in Deutschland und Österreich 1918).
Bild
Kaiser Wilhelm II. mit Söhnen 1913.

Im Verband des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation hatte es (seit 1086) zunächst nur ein Königreich gegeben, nämlich Böhmen, das, eigentlich ein Wahlkönigtum, von 1526 bis 1918 von den Habsburger Herrschern in Personalunion regiert wurde. Im Jahr 1701 kam das erst 1772 als solches anerkannte Königreich Preußen dazu. Der Untergang des deutschen Kaiserreiches im Jahr 1918 erfasste außer Preußen, das sich 1866 das Königreich Hannover einverleibt hatte, auch die übrigen, im Jahr 1806 entstandenen deutschen Königreiche Bayern, Sachsen und Württemberg.

Bayern: Bayern wurde 1180-1918 von den Herzögen aus dem Haus Wittelsbach beherrscht, dem am längsten regierenden Herrscherhaus in Europa. Seit 1214 führten die Herzöge von Bayern auch den Titel der Pfalzgrafen bei Rhein. Daraus entwickelte sich die kurfürstlich pfälzische Linie des Hauses Wittelsbach. Herzog Maximilian I. von Bayern erlangte wegen seines Eintretens für den Katholizismus im Jahr 1623 die bis dahin bei dem protestantisch gewordenen pfälzischen Zweig des Hauses liegende Kurwürde und vergrößerte Bayern 1628 noch um die Oberpfalz. Das Haus Wittelsbach stellte auch den deutschen König Ruprecht von der Pfalz (1400-1410) und die beiden deutschen Kaiser Ludwig IV. (1327-1347, deutscher König seit 1314) und Karl VII. Albrecht (1742-1745). Nach dem Aussterben der bayerischen Linie des Hauses Wittelsbach im Jahr 1777 trat Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz das Erbe an. Nach seinem Tod 1799 bestieg Maximilian Joseph von Pfalz-Zweibrücken den bayerischen Thron. 1806 wurde er als Maximilian I. Joseph zum ersten König von Bayern gekrönt. Seine Nachfahren regierten Bayern bis 1918, als der Untergang des deutschen Kaiserreiches auch den letzten bayerischen König Ludwig III. zur Abdankung zwang. Der gegenwärtige Chef des Hauses Wittelsbach ist der als Kunstsammler bekannte Herzog Franz von Bayern.

Hannover: Das seit 1235 als Nachfolgestaat des Herzogtums Sachsen bestehende Herzogtum Braunschweig und Lüneburg wurde seit Heinrich dem Löwen (um 1129-1195) von den Welfen regiert. 1692 erwarb die Teillinie Braunschweig-Calenberg die Kurwürde von Hannover. Seit 1714, als Kurfürsten Georg von Hannover als König Georg I. den britischen Thron bestieg, wurden Großbritannien und Hannover in Personalunion regiert. Auch nach der 1814 auf dem Wiener Kongress beschlossenen Erhebung Hannovers zum Königreich, bestand die Personalunion weiter. Als Königin Victoria im Jahr 1837 den britischen Thron erbte, fiel das Königreich Hannover, das die weibliche Erbfolge nicht kannte, an ihren Vetter Ernst August. Dessen Sohn Georg V. (König seit 1851) verlor den Thron, als sein Königreich Hannover 1866 von Preußen annektiert wurde. Die königliche Familie lebte seither in Österreich im Exil. Erst mit der Heirat von Prinzessin Viktoria Luise von Preußen mit Herzog Ernst August von Braunschweig 1913 kam es zur Versöhnung der beiden Häuser. Derzeitiges Oberhaupt des Hauses Hannover ist der seit 1998 in zweiter Ehe mit Prinzessin Caroline von Monaco verheiratete Prinz Ernst August (*1955).

Preußen: Das aus Südwestdeutschland stammende Haus Hohenzollern, seit 1191/92 mit der Burggrafschaft Nürnberg belehnt, trennte sich um 1214 in eine schwäbische und eine fränkische Linie. Die seit der Reformation evangelische fränkische Linie besaß seit Ende des 14. Jahrhunderts die Territorialherrschaft über Ansbach und Bayreuth und erhielt 1417 die brandenburgische Kurwürde. 1618 bekam diese Linie das Herzogtum Preußen als polnisches Lehen. Im Jahr 1701 krönte sich Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg in Königsberg zum "König in Preußen". Dieser Königstitel galt zunächst nur für das außerhalb der Grenzen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation liegende Preußen, die spätere Provinz Ostpreußen. Durch seine Eroberungen auch in territorialer Hinsicht zum Herrscher einer Großmacht geworden, nannte sich Friedrich II. seit 1772 König von Preußen. Diesen Titel führten seine Nachfolger bis 1918. Im Jahr 1871 fand in Versailles die Proklamation König Wilhelms I. von Preußen zum deutschen Kaiser statt. Sein nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg 1918 ins holländische Exil geflohener Enkel Wilhelm II. war der letzte König von Preußen und der letzte deutsche Kaiser. Seine zahlreiche Nachkommenschaft heiratete in verschiedene europäische Königshäuser ein.

Bild
Friedrich August III. König von Sachsen 1904-1918.

Sachsen: Das aus dem sächsisch-thüringischen Raum stammende Adelsgeschlecht der Wettiner erhielt 1123 die Markgrafschaft Meißen und erwarb weitere benachbarte Territorien wie die Niederlausitz und die Gegend um Dresden und um Bautzen hinzu. Seit 1423 im Besitz der Kurwürde, trennte sich das Haus Sachsen 1485 in die Ernestinische und die bis 1918 herrschende Albertinische Linie. Mit den Kurfürsten August dem Starken und seinem Sohn Friedrich August II. stellten im 18. Jahrhundert zwei Oberhäupter des Hauses Wettin die gewählten Könige von Polen. 1806 erwarb Kurfürst Friedrich August II. den Titel eines Königs von Sachsen. Letzter König von Sachsen war der 1918 (angeblich mit den Worten "Macht Euren Dreck alleine!") abgedankte Friedrich August III. Der heutige Chef des Hauses Sachsen führt wieder den alten Wettiner Titel eines Markgrafen von Meißen.

Württemberg: Die 1081 erstmals erwähnten von Wirdeberch (Württemberg) waren seit dem Spätmittelalter die mächtigsten Territorialherren in Südwestdeutschland. 1495 wurde Württemberg zum Reichslehen und Herzogtum erhoben. Seit 1797 Kurfürstentum, wurde Württemberg unter Friedrich I. im Jahr 1806 Königreich. Als dessen Enkel, der mit der Zarentochter Olga verheiratete König Karl 1891 kinderlos starb, erbte dessen Vetter Wilhelm II. den württembergischen Thron. Im Jahr 1918 zur Abdankung gezwungen, war er der letzte König von Württemberg.

  1. Das deutsche Kaiserreich und seine Königreiche
  2. Das russische Kaiserreich und das Haus Romanow
  3. Das Österreichische Kaiserreich und das Haus Habsburg-Lothringen
  4. Die europäischen Königreiche und ihre Herrscherhäuser
  5. Die nachosmanischen Königreiche und ihre Herrscherhäuser in Südosteuropa

Bibliografie:

  • Klaus J. Matz: Wer regierte wann? Regententabellen zur Weltgeschichte, München 2001
Total votes: 27
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken

Post new comment


0 Kommentare

Filtered HTML

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <blockquote> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
This question is for testing whether you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.

RÄTSEL DES ALLTAGS

Rätsel des Alltags

Intelligenztests: Wie funktionieren sie?

Fest- und Feiertage