Expressionismus
Begriffsherkunft
Der Begriff "Expressionismus" (frz. expressionisme, lat. expressio = Ausdruck) stammt ursprünglich aus dem Gemäldekatalog des "Salon des Indépendants" (Paris 1901). Zuerst von Malern zur Charakterisierung ihrer Werke gebraucht, wurde der Begriff im April 1911 als Sammelbezeichnung für die "Jungen Franzosen", d. h. für die Maler Braque, Derain, Picasso und Dufy eingeführt. Dieser Begriff wurde schon bald auch auf andere Künste (z. B. Literatur, Musik, Film) übertragen und ist in die Alltagssprache eingegangen.
Phasen des Expressionismus in der Musik
In der Musik lassen sich drei Phasen des Expressionismus nachweisen:
Frühexpressionismus (ab 1900)
Hier sind vor allem Arnold Schönbergs Orchesterwerk Pelleas und Melisande (1902/03), op. 5, Alexander Skrjabins Sonate Nr. 4, Werke von Charles Ives oder Igor Strawinskys Le sacre du printemps (1909) zu nennen.
Hochexpressionismus (ab 1907/08)
Zu dieser Phase gehören die "klassischen" Werke der Zweiten Wiener Schule (Arnold Schönberg, Anton von Webern, Alban Berg), aber auch Kompositionen von Alexander Skrjabin, Charles Ives, Ferruccio Busoni und Béla Bartók.
Spätexpressionismus (ab etwa 1923)

Hierzu gehören die Spätwerke Arnold Schönbergs (ab 1923) und Béla Bartóks (ab 1924).
Musikalische Merkmale des Expressionismus
Der Expressionismus basiert auf den Entwicklungen der Spätromantik, wie sie bei Richard Wagner und Gustav Mahler bereits zu hören sind. Zentrale Merkmale des Expressionismus sind die Zersplitterung der traditionellen Formen und die extreme Ausweitung bzw. totale Auflösung der Tonalität. Die Suche nach neuen "brauchbaren" musikalischen Formen führte zu zahlreichen Experimenten beim Rhythmus, bei der Instrumentierung, bei den Klangfarben und auch im Umgang mit der menschlichen Stimme. Inhaltliches Zentrum der expressionistischen Kunst ist die Konfrontation eines Ich mit dem Geschehen. In der Literatur führt dies zur "O Mensch"-Haltung in den Dramen Tollers, in der Musik zum "magischen" Verhältnis des Menschen zur Welt. In seiner tonalen Weiterentwicklung führte der Expressionismus zur Atonalität und später zu Schönbergs Zwölftonsystem.
Bedeutende Werke und Komponisten
Als typisch für den Expressionismus in der Musik gelten die Werke der Zweiten Wiener Schule, also von Arnold Schönberg (1874-1951) und dessen Schüler Anton von Webern (1883-1945) sowie Alban Berg (1885-1935).
Von Schönbergs Werken sind als typisch zu nennen:
- die Oper Die Glückliche Hand (1908-1913)
- das Monodrama Erwartung (1909)
- Fünf Orchesterstücke (1909)
- die Gurre-Lieder (1900)
- der Liederzyklus Pierrot Lunaire (1912)

Als unumstrittene Höhepunkte expressionistischer Musik gelten die Opern Wozzeck (1921) und Lulu (1935) von Alban Berg. Die Sechs Stücke für Orchester (1909/10) von Anton von Weberns führen dagegen Expressionismus in massiv komprimierter Form vor: Das vierte Stücke dieser Sammlung ist nur noch sechs Takte lang.
Weitere bedeutende Komponisten des Expressionismus sind:
- Igor Strawinsky (1882-1971) mit seinem phantastischen Le sacre du printemps (1909)
- Béla Bartók (1881-1945) in seiner atonalen Phase der Jahre 1915-1922 (Der wunderbare Mandarin, 1918/19)
- Paul Hindemith (1895-1963) mit seiner Oper nach dem Kokoschka-Drama Mörder, Hoffnung der Frauen (1921)
- Alexander Skrjabin (1872-1915)
Nicht nur in Europa, auch in den USA gab es expressionistische Kompositionen: Die frühen Werke von Charles Ives (1874-1954) sind hier zu nennen, darunter Orchestral Set Nr. 1 ("Three Places in New England") (1903-1914).
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Fragen
1) In welcher Kunst wurde der Begriff "Expressionismus" zuerst formuliert?
2) In wieviele Phasen gliedert sich die Zeit des Expressionismus?
3) Welche drei Komponisten bezeichnet man als die Zweite Wiener Schule, die für den Expressionismus typisch war?
4) Welche Opern gelten als Höhepunkt des Expressionismus?
5) Wie heißt Igor Strawinskys bedeutendes expressionistisches Werk?
6) Welchen weiteren Komponisten des Expressionismus kennst du?
Antworten
1) In der Malerei.
2) In drei Phasen.
3) Arnold Schönberg, Anton von Webern und Alban Berg.
4) Wozzeck (1921) und Lulu (1935), beide von Alban Berg.
5) Le sacre du printemps.
6) Béla Bartók, Paul Hindemith, Alexander Skjabin, Charles Ives.
Bibliografie:
- Brockhaus-Riemann-Musiklexikon, Mainz und München 1979ff
- Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Kassel und München 1989ff
- Karl H. Wörner: Geschichte der Musik, Göttingen 1980ff









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