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Factoring: Wann lohnt es sich für eine Firma?

Factoring

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Factoring, ein Finanzierungsgeschäft besonders bei kleinen und mittleren Unternehmen.

Factoring ist ein Finanzierungsgeschäft. Dabei kauft ein Kreditinstitut (Factor) Firmen offene, kurzfristige Forderungen ab, die sie durch den Verkauf von Waren oder Dienstleistungen haben. Der Verkäufer von Forderungen erhält auf diese Weise sofort 80 bis 90 Prozent seines Geldes, auf das er sonst warten müsste. In Deutschland beispielsweise sind die Rechnungen in der Regel erst nach zwei Wochen fällig. Die verbleibenden 10 bis 20 Prozent des Rechnungsbetrages dienen als Sicherheit bis zur Bezahlung durch die Schuldner. Der Factor zieht allerdings vorher eine Dienstleistungsgebühr einschließlich Kreditzinsen in Höhe der vertraglichen Absprache ab.

Der Begriff Factoring klingt frisch und modern, tatsächlich aber reicht sein Ursprung weit zurück. Aus facere (lat.) = machen, tun leiteten die alten Römer den factor ab, den Macher. Im Mittelalter war ein Faktor dann ein Handlungsgehilfe, der in der Niederlassung einer ausländischen Firma arbeitete, in der so genannten Faktorei. Diese Bedeutung ging nicht nur in die deutsche, sondern auch in die englische Sprache ein. Dort bürgerte sich Factor für einen Agenten und Vertreter ein. Beispielsweise wickelte ein Londoner Factor Export- und Importgeschäfte mit Englands Kolonien ab. Dazu zählte bis 1776 ja auch Amerika so kam der Begriff auf die andere Seite des Atlantiks. Und bis ins 19. Jahrhundert nannte man denjenigen einen Factor, der englische Textilfabriken in den USA als Verkaufsagent vertrat.

Dann wandelte sich der Sinn von Factor, doch der Macher blieb er. Mit dem Wort kennzeichneten die Amerikaner nämlich einen Mittler bei Finanzierungen: Ein Factor kauft dem Lieferanten eines Waren- oder Dienstleistungsgeschäfts jene Kaufforderung ab, die der Lieferant an seinen Abnehmer hat. Auf diese Ware bekommt der Lieferant sofort sein Geld. Der Factor holt es sich später beim Abnehmer zurück. Genau dieses "Dreiecksverhältnis" ist Factoring.

Ein Unternehmen hat drei besonders interessante Vorteile durch Factoring, den Verkauf von Forderungen:

  • mehr flüssige Mittel (Liquidität), weil der Factor sofort Geld überweist. Die Firma muss also nicht 30, 60 oder 90 Tage auf die Bezahlung von Rechnungen warten;
  • weniger Forderungsausfälle, weil der Factor in der Regel die Außenstände "eintreibt";
  • weniger Arbeit in der Buchhaltung, weil Zeit raubende Mahnverfahren entfallen.

Ein Factor bietet seine Leistungen natürlich nicht umsonst an. Welche Kosten muss ein Betrieb einkalkulieren, wenn er mit einer Factoring-Gesellschaft zusammenarbeitet?

Die Factoring-Gebühr richtet sich nach dem Jahresumsatz des Unternehmens, nach der Höhe seiner durchschnittlichen Außenstände und der Anzahl der Kunden sowie den jährlichen Geschäften mit ihnen. In Deutschland kann die Factoring-Gebühr bis zu einem Prozent vom Umsatz betragen. Sie deckt dann die gesamte Dienstleistung des Factors ab: Übernahme des Risikos, dass der Abnehmer nicht zahlt und die Forderung ausfällt (das Delkredere-Risiko; darin steckt das lateinische Wort credere = glauben, vertrauen); Bezahlung der Forderungen (für diesen Vorschuss sind Zinsen fällig) sowie eine Provision für den (späteren) Aufwand, die Forderungen beim Kunden einzuziehen.

Um festzustellen, wann sich Factoring für Sie lohnt, sollten Sie folgende Fragen mit "Ja" beantworten:

  • Verkauft Ihre Firma Waren mit einem Zahlungsziel?
  • Setzen Sie mehr als 1 Millionen Euro im Jahr um?
  • Beliefern Sie hauptsächlich gewerbliche Abnehmer?
  • Bringt Ihnen die sofortige Zahlung ihrer Außenstände einen Vorteil?
  • Wollen Sie sich vor Forderungsverlusten schützen?
  1. Factoring

Bibliografie:

  • Jürgen Hermann: Handbuch Factoring, Bonn 2006
  • Tobias Keitel: Factoring als Instrument des Risikomanagements im Projektgeschäft, Wiesbaden 2008
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