Filmmusik: Bedeutende Komponisten
Vom Stummfilm zum Tonfilm
Von geradezu essentieller Bedeutung war die begleitende Musik in der Stummfilmzeit. Wo das ausdrucksvoll gesprochene Wort nur in einer Synthese aus Mimik, Gesten und Untertiteln eine Botschaft transportierte, vollendete erst die ergänzende Filmmusik - wenn sie gut war -die einzelnen Szenen. Begabten Pianisten standen hier alle künstlerischen Türen offen, vom Potpourri aus bekannten Themen und Melodien bis hin zur eigenschöpferischen Improvisation, dabei oft kongenial unterstützt von einem erfinderischen Schlagzeuger und bei entsprechendem Budget zu einem Kinokapelle erweitert. Filmmusik war unter diesen Voraussetzungen stets originär und vor allem live. Legionen von Musiker(komponisten) sicherte diese Betätigung den Lebensunterhalt. Einer von ihnen war Willy Sommerfeld (1904- 2007), der am Klavier u. a. den Filmfiguren von Greta Garbo oder Charlie Chaplin Leben einhauchte und seit den 1970er Jahren im wahrsten Sinne des Wortes die Renaissance des Stummfilmkinos begleitete. Unter dem Titel „Sounds of Silents“ widmete Ilona Ziok ihm und einem ganzen Filmzeitalter 2004 ein Denkmal auf Zelluloid.
In den 1920er Jahren entstand mit der „Kinothek“ des Italieners Giuseppe Becce erstmals ein inhaltlich aufgefächerter Katalog musikalischer Motive, aus dem sich die Musiker ihre „Zutaten“ für den jeweiligen Film bausteinkastenartig zusammenstellen konnten. Ein frühes Paradebeispiel für eine originale Filmmusik ist - nach Camille Saint-Saëns‘ bereits 1907 geschaffener Musik zu „Die Ermordung des Herzogs von Guise“ - Marius-François Gaillards (1900-1973) Musik für den Streifen „El Dorado“ aus dem Jahr 1921. Schon bald wussten auch renommierte Komponisten wie Paul Hindemith, Erik Satie, Arthur Honegger, Sergej Prokofjew oder Dmitri Schostakowitsch die durchaus lukrative Herausforderung dieser neuen Gattung zu schätzen. Der Siegeszug des Tonfilms revolutionierte Ende der 1920er Jahre die filmmusikalische Landschaft - und machte über Nacht eine ganze Berufsgruppe arbeitslos, denn Tausende von Kinomusikern wurden fortan durch einige hochqualifizierte Studio-Orchester ersetzt, die die Filmmusiken einmalig für die Konserve einspielten.
Bis heute fasziniert(e) das Medium Filmmusik Komponisten von Aaron Copland („Unsere kleine Stadt“, 1940; mit W. Holden) und Leonard Bernstein („Die Faust im Nacken“, 1954; mit M. Brando) bis John Cage, von Philip Glass und Tan Dun bis Toru Takemitsu („Harakiri“, 1962) und Krzysztof Penderecki („Shining“, 1980) und Mikis Theodorakis („Der unsichtbare Aufstand“, 1972) bis Paul Dessau oder Hans Werner Henze („Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, 1975) ebenso wie Rock- und Popkünstler/-gruppen, darunter Elton John, Peter Gabriel, Pink Floyd, The Chieftains, Mike Oldfield oder Vangelis („1492 - Die Eroberung des Paradieses“ mit G. Depardieu).
Die folgende Übersicht stellt in alphabetischer Reihenfolge zentrale Figuren der Filmmusikgeschichte dar, kann jedoch angesichts der Fülle an schöpferischen Künstlern in diesem Genre nur eine sehr begrenzte Auswahl bieten, mit einem Schwerpunkt auf komponierte Filmmusiken (ohne Arrangements). Nicht berücksichtigt sind hier die Komponisten von Filmmusicals wie George Gershwin, Jerome Kern, Richard Rodgers oder Cole Porter sowie Filmmusiken für TV-Produktionen.
Anmerkung: Die Erwähnung von Oscars oder Oscar-Nominierungen (abgekürzt mit ON) bezieht sich jeweils auf die Filmmusik.









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