Franz Schubert
Biografie
Kindheit und Jugend

Franz Peter Schubert wird am 31. Januar 1797 als Sohn des Lehrers Franz Theodor Schubert und seiner Frau Elisabeth, einer ehemaligen Dienstmagd, im Wiener Vorort Lichtental geboren. Er ist das zwölfte von insgesamt vierzehn Kindern, von denen jedoch nur fünf überleben werden. Diese Totenhaus-Atmosphäre wird auch schon für den kleinen Franz spürbar, denn am 18. Oktober 1798 stirbt sein fünfjähriger Bruder Josef und gut ein Jahr später, einen Tag nach ihrer Geburt, die Schwester Aloisia Magdalena. Verarbeiten wird Franz Schubert diese Erfahrungen später in seinen Liedern. Bereits sein erstes, im Alter von 14 Jahren komponiertes Lied befasst sich mit dieser Thematik und verrät schon die starke Ausdruckskraft des zukünftigen Komponisten. Mit beigetragen zu der düsteren Atmosphäre in Franz' Jugend mag auch der chronische Geldmangel der Familie haben, denn Franz Theodor Schubert muss sein Leben lang um das nackte Überleben seiner Familie kämpfen.
Auch wenn Franz Theodor Schubert kein ausgebildeter Musiker ist, so genießt die Musik im Hause Schubert - wie in fast jeder auf Bildung bedachten Wiener Familie dieser Zeit, so arm sie auch war - einen zentralen Stellenwert. Und so übernimmt neben der schulischen Ausbildung durch den Vater der zwölf Jahre ältere Bruder Ignaz die erste musikalische Unterweisung des Franz Peter - zunächst auf dem Klavier. Bis zu seinem 10. Lebensjahr hat er so neben dem Klavier- auch das Violin- und Violaspiel erlernt, außerdem singt er im Kirchenchor, wo er bald auch schon Solopartien übernimmt. Dort fällt dem Chorleiter Michael Holzer die übermäßige Begabung Franzens auf, so dass er ihm parallel auch Unterricht in Harmonielehre und Generalbass sowie auf der Orgel erteilt.
Schüler im k.u.k. Konvikt
Seine Fortschritte auf allen musikalischen Gebieten innerhalb kürzester Zeit sind so beachtlich, dass er 1808 die Aufnahmeprüfung für ein Stipendium am renommierten k.u.k. Konvikt besteht, wo Franz neben einer umfangreichen schulischen Ausbildung auch weiter musikalisch gefördert wird. Doch so sehr diese Zeit Franz auch musikalisch weiter anregt und fördert, so sehr leidet er seelisch unter der militärischen Disziplin, der eng geistigen, streng auf Kaiser und Vaterland ausgerichteten Atmosphäre, die bedingungslosen Gehorsam forderte, und dem enormen Arbeitspensum. Im Sommer 1813 sollte die Situation für Franz Schubert so unerträglich geworden sein, dass er das Konvikt verlässt.
Besondere Bedeutung gewinnt in diesen Jahren in mehrfacher Hinsicht der neun Jahre ältere Josef von Spaun für Franz Schubert, sowohl als eine Art Vater-Ersatz als auch als geistiger Mentor, der seinem Freund die Welt der Literatur erschließt - die für den zukünftigen Liederkomponisten vielleicht wichtigste Erfahrung. Die bevorzugten Schriftsteller dieser Jahre werden Friedrich von Schiller (1759-1805) und Friedrich von Matthisson (1761-1831). Musikalisches Vorbild ist neben Ludwig van Beethoven Johann Rudolf Zumsteeg (1760-1802), dessen Lieder sich großer Beliebtheit erfreuen. Verschiedene seiner Kompositionen begeistern den jungen Schubert so sehr, dass er auf die Texte eigene Lieder vertont, die bereits eine eigene musikalische Sprache sprechen.
Zwei einschneidende Erlebnisse verändern während dieser Konviktsjahre Schuberts Leben. Da ist zum einen das sich ab 1811 zuspitzende Verhältnis zu seinem Vater, der mit allen Mitteln zu verhindern sucht, dass sein Sohn sich ernsthaft dem Komponieren widmet. Der anerzogene Gehorsam gegenüber seinem Vater und der innere Drang zum Komponieren stürzen Franz in eine schwere Krise. Im folgenden Jahr stirbt völlig unerwartet nach einer Typhuserkrankung seine Mutter Elisabeth am 28. Mai 1812. Franz ist gerade fünfzehn Jahre alt und sollte unter diesem Verlust den Rest seines Lebens leiden.
Schüler Salieris
Umso wichtiger wird es für Franz nun, sich endgültig von seinem Vater abzunabeln. Eine schicksalhafte Wendung der Ereignisse bedeutet da das Angebot Antonio Salieris (1750-1825), seit 1788 Hofkapellmeister und -komponist , dem begabten Jungmusiker kostenlos Privatstunden zu erteilen. Erstes bedeutendes Zeugnis dieser künstlerischen Zusammenarbeit ist die am 16. Oktober 1814 unter der Leitung des Komponisten und in Anwesenheit des Lehrers in der Lichtentaler Pfarrkirche uraufgeführte Messe F-Dur D 105 mit der 16-jährigen Therese Grob in der Sopranpartie, in die sich Franz Schubert Hals über Kopf verliebt.
Es folgt eine kompositorisch äußerst fruchtbare Zeit, in der Franz Schubert vier Symphonien, vier Messen, fünf Bühnenwerke, vier Streichquartette, Orchester- und Klaviermusik sowie beinahe 300 Lieder schreibt. Ein Werk erachtet Schubert dabei als besonders hervorhebenswert: es ist die heute unauffindbare, im Juni 1816 entstandene "Prometheus-Kantate", nicht nur sein erstes Auftragswerk, sondern auch eines, das bei der von Schubert selbst geleiteten Uraufführung wahre Begeisterungsstürme beim Publikum entfacht.
Johann Michael Vogl
Im folgenden Jahr sollte ein anderes Ereignis Franz Schuberts zukünftigen Weg als freischaffender Musiker entscheidend beeinflussen. Auf Vermittlung seiner Freunde Josef von Spaun und Franz von Schober kommt Anfang 1817 eine Begegnung mit dem renommierten Hofopernsänger Johann Michael Vogl (1768-1840) zustande. Vogls Verdienst sollte es sein, Schuberts Musik in den nächsten Jahren in Wien und Umgebung zu verbreiten. Daneben nimmt auch der Opernsänger Franz Jäger Schuberts Lieder mit in sein Konzertrepertoire auf. Dieser Erfolg inspiriert den Komponisten zu neuen Werken. Im Herbst 1819 entsteht als Auftragswerk eines von Schuberts bekanntesten Werken: Das Forellenquintett. Daneben schreibt er ein Stabat Mater sowie eine Reihe neuer Lieder wie die vier "Hymnen" auf Texte des 1801 verstorbenen Novalis.
Die Schubertiaden

Die Schubertiaden, ab 1821 regelmäßig stattfindende Konzerte, die der Musik Schuberts gewidmet sind, entwickeln sich schon bald zu einer Art Institution, deren Mittelpunkt bis zu seinem Tod Franz Schubert ist.
An diesen Abenden fanden sich erlesene Mitglieder der Wiener Gesellschaft zusammen, allesamt Künstler, die Schuberts Musik schätzten und förderten, darunter langjährige, zum Teil bereits aus der Konviktszeit stammende Freunde wie die Gebrüder Spaun oder die Schwestern Fröhlich, der Dichter Franz Grillparzer, der Komponist Franz Lachner, der Sänger Johann Michael Vogl, der Maler Moritz von Schwind sowie vor allem natürlich Schuberts engster Freund Franz von Schober. Für Schubert, der zeit seines kurzen Lebens von der breiten Masse der Wiener Bevölkerung überhaupt nicht wahrgenommen wurde, entwickelten sich diese Konzerte zu einem lebensnotwendigen Forum, vor dem er seine neuesten Kompositionen vortragen (lassen) konnte. Doch da dieser Kreis selten mehr als ein paar Dutzend Zuhörer zählte, blieb Schuberts Musik ein Geheimtipp.
Krankheit und letzte Jahre

Vermutlich im Jahr 1822 hat Franz Schubert sich die schließlich zum frühen Tode führende Krankheit zugezogen. Trotz aller Diskretion lässt es sich nicht verheimlichen, dass es sich dabei um Syphilis handelt, worauf die gesellschaftlichen Reaktionen nicht lange auf sich warten lassen. Für Franz Schubert bedeutet diese Zeit daher nicht nur körperliche, sondern auch seelische Schmerzen. In diesen Monaten entsteht 1823 der Zyklus "Die schöne Müllerin" nach Gedichten von Wilhelm Müller (1794-1827), deren Texte Schubert unmittelbar aus der Seele zu sprechen scheinen. Acht Jahre nach diesem Zyklus gelingt Wilhelm Müller mit einem weiteren Zyklus unter dem Titel "Winterreise" eine poetische Glanzleistung, die auch Franz Schubert ein Jahr vor seinem Tod zu einem seiner kühnsten Werke inspiriert.
Daneben entstehen in diesen letzten Jahren das bekannte Streichquartett Der Tod und das Mädchen (1824-1826), die Fantasie in f-Moll für Klavier zu vier Händen sowie die so genannte Neunte Symphonie in C-Dur. Seine 1822 begonnene Symphonie Nr. 7 in h-Moll bleibt unvollendet und wird erst am 17. Dezember 1865, fast vierzig Jahre nach Schuberts Tod, uraufgeführt.
Franz Schubert stirbt am 19. November 1828 nach sechszehntägiger Krankheit, während der er zusehends schwächer wird, an Typhus. Er wird zwei Tage später auf dem Währinger Ostfriedhof beigesetzt. Außer seinen Verwandten folgen dem Sarg nur seine engsten Freunde. Schuberts Leichnam wurde am 23. September 1888 - gemeinsam mit demjenigen Beethovens - auf den Wiener Zentralfriedhof überführt. Dort liegt er seither in der Gruppe der Ehrengräber 32A, Nr. 28 bestattet.
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Bibliografie:
- Werner Bodendorff: Wer war Franz Schubert? Wißner Verlag, Augsburg 1997
- Friedrich Dieckmann: Franz Schubert. Eine Annäherung, Insel Verlag, Frankfurt 1996
- Walter Dürr u. a.: Franz Schubert Musikführer, Reclam 2002
- Dietrich Fischer-Dieskau: Franz Schubert und seine Lieder, Insel Verlag, Frankfurt 1999
- Eduard Gronau: Franz Schubert - Musik zwischen Himmel und Abgrund, Verlag W. Strehlow, Allensbach 1993
- Ernst Hilmar: Franz Schubert (rororo monographie 50608), Rowohlt Verlag, Reinbek 1997
- Reclams Musikführer: Franz Schubert, Ph. Reclam Verlag, Ditzingen 1991
Institution(en):
- Deutsche Schubert-Gesellschaft e.V. Günter BernsHändelstraße 6, D-47226 Duisburg









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