Frauen in der Zeit von 1950 bis 1968: Der Traum vom Neubeginn verblasste bald
Deutschland - ein Land der Frauen

Das Deutschland der Nachkriegszeit, durch Marshallplan und Währungsreform schon bald wieder auf dem Stand der Weltwirtschaft, war ein Land der Frauen: Trümmerfrauen, Flüchtlingsfrauen, Soldatenwitwen, allein stehende Mütter, Schwarzmarkthändlerinnen, die auf ihre vermisste Söhne und Männer warteten. 1945 zählte die Statistik sieben Millionen mehr Frauen als Männer, 1950 noch vier Millionen. Und am 17. Mai 1955 meldete die Deutsche Presse-Agentur: "Der Frauenüberschuss in Deutschland hält noch Jahrzehnte an... Der letzte Krieg, dem allein 3,3 Millionen deutsche Soldaten zum Opfer fielen, ließ die Überschusskurve steil nach oben steigen. Seit 1939 hat sich der Frauenüberschuss vervierfacht. Lebten damals im Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland rund 700.000 mehr Frauen als Männer, so sind es heute annähernd 2,8 Millionen. Allein 1,8 Millionen gehören den Jahrgängen 1900 bis 1925 an."
Die Frauen im Nachkriegsdeutschland waren weitgehend auf sich allein gestellt. Kaum eine Arbeit, eine Pflicht, eine Sorge, die man ihnen nicht zumutete: Steine schleppen, aus Kellern und Schuppen behelfsmäßige Wohnungen herrichten, nach Lebensmitteln anstehen, aus Zuckerrübensäcken Kleidung nähen, Kinder großziehen. "Die Frauen haben alle hartes Training im Alleinsein und Alleinhandeln hinter sich. Sie haben mit ihren Kindern die Bombennächte, die Evakuierung, den Verlust von Heimat oder Besitz (oder von beiden) durchleben müssen. Sie haben sich oft unter den schwierigsten Umständen eine neue Existenz aufgebaut. Sie haben die männliche Rolle des Beschützers und Ernährers vereint mit der weiblichen Rolle der Erzieherin und Betreuerin der Kinder. Sie haben also buchstäblich für zwei gearbeitet - nein für vier oder sechs -, denn sie hatten es zweimal, dreimal so schwer, wie es in normalen Zeiten ein Ehepaar mit Kindern hatte", schreibt die Marburgerin Politikprofessorin Ingrid Langer über die Nachkriegszeit.
- Deutschland - ein Land der Frauen
- Unqualifizierte Arbeit und niedriges Lohnniveau
- Aufbau in der DDR ohne Facharbeiterinnen nicht möglich
- Das Haus blieb Zentrum und Stätte weiblichen Wirkens
- In der DDR war die Kameradin gefragt - nicht die Frau
- Die alten Leitbilder blieben bestehen, trotz Gleichberechtigungsgrundsatz
Bibliografie:
- Franz S. Berger, Christiane Holler: Trümmerfrauen. Alltag zwischen Hamstern und Hoffen, 1994
- Rosemarie Nave-Herz: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland, 1994
- Rita Polm: ...neben dem Mann die andere Hälfte eines Ganzen zu sein?! Junge Frauen in der Nachkriegszeit, 1990
- Klaus J. Ruhl: Verordnete Unterordnung. Berufstätige Frauen zwischen Wirtschaftswachstum und konservativer Ideologie in der Nachkriegszeit (1945-1963), 1994
- Birgit Sachs: Mainzer Erinnerungen: Frauen und Kinder in der Nachkriegszeit, 1994









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