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THEMEN

Frauenbewegung ab 1968: Der Aufbruch der Frauen ins 21. Jahrhundert

Die neue Frauenbewegung ab 1968

Der legendäre Tomatenwurf auf einige studentenbewegte SDS-Genossen in der Frankfurter Uni wird gern als Anfang der neuen Frauenbewegung in der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet. Das Attribut "neu" aber verweist indirekt auf thematische Zusammenhänge mit der ersten deutschen Frauenbewegung, die bereits im 19. Jahrhundert die so genannte Frauenfrage an die Öffentlichkeit gebracht hatte. Dennoch ist die Frauenbewegung in den 1970er Jahren ohne den Impuls der Studentenbewegung nicht zu denken. Hier zeigte sich, dass es ungenügend war, den gesellschaftlichen Widerspruch von Macht und Ohnmacht oder politische Herrschaft und Ungleichheit allein vom Klassenstandpunkt aus zu analysieren und die Frage der Geschlechtszugehörigkeit als so genannten Nebenwiderspruch abzutun.

Der Auslöser für die Gründung von Frauengruppen auf breiter Ebene ist die 23. Delegiertenkonferenz des SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) in Frankfurt am 15. September 1968. Die Berliner Filmemacherin Helke Sander hält stellvertretend für den Berliner Aktionsrat zur Befreiung der Frauen eine Rede, auf die die männlichen Genossen mit höhnischer Ignoranz reagieren. Empört über das Verhalten der Männer bewirft die Berlinerin Sigrid Rüger die Genossen am Vorstandstisch mit Tomaten. Weniger die Aktion selbst, die auch nicht von allen anwesenden Frauen gebilligt wird, als die Reaktion der Genossen auf die Thematisierung der frauenspezifischen Sichtweisen, führt in den Wochen und Monaten nach der Delegiertenkonferenz zur Gründung von autonomen Frauengruppen in vielen bundesdeutschen Universitätsstädten.

Wie keine andere soziale Bewegung hat die Frauenbewegung in den USA und in Westeuropa so genannte private Themen und Probleme der persönlichen Beziehungen ins Zentrum ihrer politischen Auseinandersetzung gerückt und als Basis von Kritik und Widerstand genommen. Liebe, Sexualität, Kinderwunsch, Hausarbeit, Beziehungsmuster u.ä. galten ehedem als naturhaft-fixiert oder privat unberechenbar. Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und die Verfügung über den weiblichen Körper sind seit Beginn der 1970er Jahre zentrale Themen der Frauenbewegung.

Anders als die Bürgerrechtsbewegungen in den Industrienationen formulierten Feministinnen schon bald eine globale Perspektive und erhoben in ihrer Patriarchatskritik einen universalistischen (allumfassenden) Anspruch. Die Diskriminierung und Entwertung von Weiblichkeit und von Frauenarbeit wird in einem weltweiten Zusammenhang gesehen. Auch die Ausbeutung und Entmündigung von Frauen in der so genannten Dritten Welt oder in den angeblich emanzipationsfreundlichen sozialistischen Staaten wurde theoretisch und praktisch in die feministische Kritik einbezogen.

  1. Die neue Frauenbewegung ab 1968
  2. Aufbruch - gegen § 218 und alltägliche Gewalt
  3. Konsolidierung - Selbsterfahrung und theoretische Analyse
  4. Entwicklung einer weiblichen Gegenkultur
  5. Einmischung in die parlamentarische Politik
  6. Was hat die Frauenbewegung verändert?

Bibliografie:

  • Frauen gemeinsam sind stark. Die ersten 15 Jahre der Neuen Frauenbewegung. Bearb. von Angreth Ahrend u. a., 1990
  • Ute Gerhard: Die Geschichte der deutschen Frauenbewegung, 1990
  • Rosemarie Nave-Herz: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland, 1994
  • Herrad Schenk: Die feministische Herausforderung. 150 Jahre Frauenbewegung in Deutschland, 1992
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