Fremde Wörter im Deutschen - Von der "Verwelschung" zum "Denglisch"
Was ist überhaupt ein Fremdwort?
Fremdwörter in der deutschen Sprache - muss da sein, könnte man fragen? Wird das Gesagte damit nicht unnötig verkompliziert und unverständlich? Lässt sich das alles nicht auch auf Deutsch sagen? Bevor man diese Frage beantworten kann, muss man zunächst einen tiefen Blick in die deutsche Geschichte werfen, denn mit der Frage danach, was denn überhaupt ein Fremdwort ist, müssen erst einige grundlegende Bedingungen der Geschichte der deutschen Sprache geklärt werden.
Fremdwörter, so ist eine verbreitete Meinung, sind all diejenigen Wörter in unserer Sprache, die "fremd" klingen. Dem Wort "heterogen" sehen wir an, dass es seinen Ursprung nicht in der deutschen Sprache gefunden hat. Viele Menschen glauben daher, dass wir alle diese Fremdwörter sauber von denen trennen können, die rein deutsch sind. Fremdwörterbücher untermauern diese Vorstellung auf den ersten Blick, in ihnen versammeln sich Tausende von Wörtern, die hintereinander hergesagt, wie eine fremde Sprache klingen. Und ein Gegner von Fremdwörtern könnte sagen: Ich verzichte darauf und rede rein Deutsch und sage statt "Window" "Fenster". Doch er irrt. Denn vielen Wörtern in der deutschen Sprache sehen wir einfach nicht mehr an, dass sie einst aus einer anderen Sprache zu uns gekommen sind. Das Wort "Fenster" zum Beispiel wurde aus dem lateinischen Wort "fenestra" entwickelt und ist, je nachdem wie man Fremdwörter definiert, ebenso ein Fremdwort wie "Window".
Was aber ist denn das rein Deutsche? Geschichtlich betrachtet ist die engste Definition dessen, was deutsch ist folgende: Wörter, die germanischen Ursprungs sind und die eine direkte Entwicklungslinie vom Germanischen zu unserem heutigen Neuhochdeutschen aufweisen. Hantiert man allerdings mit dieser Definition, so fallen sehr viele Wörter aus der deutschen Sprache heraus, die wir aber heute problemlos als deutsche Wörter anerkennen - zum Beispiel das aus dem Arabisch stammende "Watte" oder die "Peitsche", die aus dem Slawischen herrührt.
Eine andere Auffassung geht davon aus, dass alle diejenigen Wörter Fremdwörter sind, die mindestens ein Bestandteil aus der fremdsprachlichen Wortbildung aufweisen: hantieren, Expressionismus, Anti-Blockier-System, einchecken. Ein anderes Merkmal von Fremdwörtern kann allerdings auch sein, dass sie eine Lautung aufweisen, die dem Deutschen fremd ist. So müsste man das Wort "Beamer" im Deutschen eigentlich "Be-amer" aussprechen, das Englische gibt aber vor, dass wir "Biemer" sagen. Weiterhin kann auch die Betonungsfolge eines Wortes Auskunft über seine Herkunft geben. Das Wort "Balkon" wird in den Grenzregionen zu Frankreich zum Beispiel "Bal-kón" ausgesprochen, da das Französische oft auf die letzte Silbe im Wort betont, in anderen Regionen Deutschlands fällt die Betonung auf die erste Silbe: "Bál-kon". Aber auch die Buchstaben, die zur Schreibung verwendet werden, geben uns Aufschluss darüber, ob es sich eventuell um ein Fremdwort handelt: So ist das Wort "Œuvre" offensichtlich kein deutsches Wort, da die verwendeten Buchstaben in der deutschen Sprache nicht vorkommen.
Am Ende der kurzen Betrachtung, was denn alles "Fremdwort" sei, lässt sich leider keine allgemein gültige Antwort ermitteln - und selbst die Fremdwörterbücher können in ihren Einleitungen meist nicht genau eingrenzen, welche Wörter sie denn überhaupt dazuzählen.
- Was ist überhaupt ein Fremdwort?
- Die Wege des Fremdwortes in die deutsche Sprache
- Ein bisschen wissenschaftliche Terminologie
- Der "Kampf" gegen das Fremdwort heute: Wie ist das Denglisch zu bewerten?
- Die passende Verwendung von Fremdwörtern
Bibliografie:
- Wilhelm Schmidt: Geschichte der deutschen Sprache. Ein Lehrbuch für das germanistische Studium, 9. Aufl., Stuttgart 2004
- Peter von Polenz: Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, Bd. 1-3, Berlin / New York 1990 / 1994 / 1999









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