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THEMEN

Georgia

Im Überblick

Die Vielseitigkeit Georgias lässt jeden etwas anderes mit diesem Staat im Südosten der USA in Verbindung bringen. Für die einen ist er Schauplatz des Roman- und Filmerfolgs "Vom Winde verweht", für die anderen wiederum Geburtsstätte des Bürgerrechtlers Martin Luther King, des ehemaligen Präsidenten Jimmy Carter oder des Bluessängers Ray Charles.

Georgia, der mit 153 952 km2 größte US-Staat östlich des Mississippi, ist ein typischer Vertreter der so genannten Südstaaten. War seit der Besiedlung durch die Europäer die Landwirtschaft lange Zeit der wichtigste Wirtschaftszweig, so entwickelte sich vor allem im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts die Industrie hier schneller als in anderen Teilen der Vereinigten Staaten. Diese dynamische Entwicklung und die Größe brachte Georgia den Beinamen "Empire State of the South" ein. Die moderne Hauptstadt und Metropole Atlanta lässt heute nur noch wenig von der "Südstaaten-Romantik" aufkommen.

Landesnatur

Landschaftsräume

Der Norden Georgias wird von Ausläufern der Appalachen eingenommen mit dem unfruchtbaren Appalachenplateau im Westen und der reich gekammerten Blue Ridge im Osten, die im 1458 m hohen Brasstown Bald die höchste Erhebung Georgias aufweist. Das sich nach Süden anschließende Piedmontplateau ist ein sanft gewelltes Hügelland. Städte wie Atlanta und Athens machen diesen Landschaftsraum zur dichtest bevölkerten Region Georgias. Die Südgrenze des Piedmonts wird durch die Fall Line gebildet, eine markante Landschaftsstufe, an der die Flüsse Stromschnellen und Wasserfälle bilden, heute genutzt von zahlreichen Wasserkraftwerken. Fast die Hälfte Georgias wird von einer breiten Küstenebene eingenommen. Im Westen, der durch seine fruchtbaren Böden das wichtigste Anbaugebiet Georgias ist, entwässern die Flüsse in den Golf von Mexiko, im Osten in den Atlantischen Ozean. Der Atlantikküste sind zahlreiche kleine Inseln vorgelagert, die viele beliebte Badeorte aufweisen. An der Grenze nach Florida dehnt sich das Feuchtgebiet der Okefenokee-Sümpfe aus.

Klima, Vegetation, Tierwelt

Georgia hat ein mildes Klima mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 18 °C. Bis auf die höheren, deutlich kälteren Regionen sind die Sommer warm und feucht (Julitemperatur 26-28 °C) und die Winter kurz und mild (Januartemperatur 7 °C im Norden, 12 °C im Süden). Die jährlichen Niederschläge (1270 mm) erreichen ihr Maximum im Juli und August; die trockensten Monate sind Oktober und November.

Georgia ist äußerst dicht bewaldet; rund zwei Drittel des US-Staats sind mit artenreichen Wäldern bestanden, in denen Kiefern und Eichen am häufigsten vertreten sind. Die hochstämmigen Wälder der Küstenebene weisen einen dichten Unterwuchs aus Gestrüpp, Gräsern und Wildblumen auf.

Die ausgedehnten Wälder bieten der Tierwelt ausreichenden Lebensraum. Bären, Hirsche, Füchse, Hasen und Eichhörnchen bevölkern die Wälder. Waschbären und Biber leben in den Feuchtgebieten, in denen auch die Vogelwelt am artenreichsten vertreten ist. Die Küstengewässer sind Lebensraum von Alligatoren, Krabben, Muscheln, Schildkröten und Garnelen.

Bevölkerung

In Georgia leben 8,2 Millionen Menschen, davon über ein Viertel Schwarze. Mit 55 Einwohnern pro Quadratkilometer ist Georgia relativ dicht besiedelt. Als Siedlungsschwerpunkt dominiert der Ballungsraum der Hauptstadt Atlanta mit 2,8 Millionen Einwohnern. Andere größere Städte sind Columbus, Savannah und Macon. Demgegenüber sind weite Teile der Küstenebene nur dünn besiedelt und die Sumpfgebiete nahezu menschenleer.

Wirtschaft

Viele Jahre lang war der Baumwollanbau die Lebensgrundlage der Bevölkerung. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden auch zunehmend Getreide, Zitrusfrüchte und Tabak angebaut. Heute haben die Industrie mit Schwerpunkt auf der Baumwollverarbeitung und der Dienstleistungsbereich die Landwirtschaft an Bedeutung weit überflügelt.

Landwirtschaft und Fischerei

Georgia ist der größte Geflügel- und Eierproduzent der Vereinigten Staaten. Auch die Rinder-, Schweine- und Milchwirtschaft sind von Bedeutung. Die langen und ausreichend feuchten Sommer erlauben auch einen intensiven Ackerbau, vor allem in der südwestlichen Küstenebene. Georgia erzeugt die meisten Erdnüsse, Pecannüsse und Pfirsiche in den Vereinigten Staaten. Andere wichtige Anbauprodukte sind Sojabohnen, Tabak, Getreide, Süßkartoffeln und Wassermelonen. Der ehemals so bedeutende Baumwollanbau spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle.

In der Fischereiwirtschaft werden vor allem Garnelen und Krabben gefangen; wichtigster Fischereihafen ist Darien im Mündungsgebiet des Altamaha River.

Bergbau und Industrie

Georgia besitzt die größten Kaolinvorkommen der USA. Kaolin ist der Ausgangsstoff zur Herstellung von Porzellan und wird vor allem entlang der Fall Line gewonnen. Führend ist Georgia auch in der Gewinnung von Granit, der vor allem im Norden des Landes vorkommt. Aus dem Norden Georgias stammen auch die riesigen Marmorplatten, die unter anderem beim Bau des Lincoln Memorial in Washington D.C. Verwendung fanden.

Die Industrie, in der über 20% der Erwerbstätigen beschäftigt sind, konzentriert sich in den Städten Atlanta, Savannah, Augusta und Columbus. Wichtigste Branchen sind die Textil-, Nahrungsmittel- und chemische Industrie sowie der Fahrzeugbau. Georgia ist führend in der US-amerikanischen Papiererzeugung und Holzverarbeitung, die auf den ausgedehnten Waldbeständen beruhen. Hinzu kommen noch zahlreiche Betriebe, die Maschinen, elektrische Geräte, Metallwaren, Baustoffe und Glas erzeugen.

Dienstleistungssektor

Rund 74% des Bruttosozialprodukts Georgias werden im Dienstleistungssektor erwirtschaftet. Groß- und Einzelhandel sind von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung. Macon ist das führende Handelszentrum für landwirtschaftliche Erzeugnisse und Holzprodukte. Savannah ist ein wichtiger Handelsplatz für den internationalen Warenverkehr. Banken und Grundstücksmakler sind in Atlanta konzentriert ebenso wie Versicherungsgesellschaften, die in Columbus einen zweiten bedeutenden Standort haben. Hinzu kommen die unterschiedlichsten öffentlichen und privaten Dienstleistungsbetriebe, die über das ganze Land verteilt sind.

Verkehr

Der Flughafen Hartsfield in Atlanta ist mit 75,9 Millionen Fluggästen im Jahr der größte Flughafen der Welt und wird von 20 Fluggesellschaften angeflogen. Das Streckennetz der Eisenbahn umfasst 8700 km; wichtigster Eisenbahnknotenpunkt ist Atlanta. Das Straßennetz ist mit rund 170 000 km gut ausgebaut. Der moderne Tiefseehafen Savannah ist der wichtigste Hafen Georgias. Die Binnenschifffahrt nutzt den Savannah River, der bis Augusta schiffbar ist, und den Chattahoochee River, der bis Columbus schiffbar ist. Über den Flint River besteht von Bainbridge aus ein Zugang zum Golf von Mexiko.

Geschichte

1540 durchquerte der Spanier Hernando de Soto als erster Europäer das Gebiet Georgias. James Oglethorpe gründete im Jahr 1733 zusammen mit rund 120 britischen Kolonisten bei dem heutigen Savannah die erste Europäersiedlung. Spanische Streitkräfte versuchten 1742 in das Land einzudringen, wurden aber von Oglethorpe zurückgeschlagen. Während des Unabhängigkeitskrieges besetzten britische Truppen 1778 Savannah und drangen weiter ins Landesinnere vor, bis sie 1782 endgültig aus Georgia vertrieben wurden. 1788 unterzeichnete Georgia als Vierter der Gründerstaaten die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika. Im Sezessionskrieg (1861 bis 1865) war Georgia eine Hochburg der Konföderation. 1864 brannten Unionsstreitkräfte unter General Sherman Atlanta nieder, drangen bis zur Küste vor und besetzten Savannah. Nach dem Krieg begann für das schwer verwüstete Georgia, das erst 1870 wieder in die Union aufgenommen wurde, die mühsame Zeit des Wiederaufbaus.

Reiseziele

Die Hauptstadt Atlanta ist das bedeutendste Kultur- und Wirtschaftszentrum des Landes. Die Stadt, die 1836 aus einer Eisenbahnstation hervorging und im Jahr 1864 nahezu völlig zerstört wurde, ist heute eine äußerst moderne, dynamische Metropole. In der ganzen Welt bekannt ist sie als Ursprungsort des Erfrischungsgetränks Coca Cola und als Hauptsitz des Medienkonzerns CNN. Gern besucht werden auch die Wirkungsstätten des schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King, der hier 1929 geboren wurde, und die modernen Sportstätten, die eigens für die Olympischen Sommerspiele 1996 errichtet wurden.

Die Ursprünge der Stadt Savannah an der Atlantikküste wurden schon 1733 von den ersten europäischen Siedlern gelegt. Die alten Häuser aus der Kolonialzeit, die planmäßige Stadtanlage und die zahlreichen Parks begründen den Reiz dieser Stadt. Akademie, Museen und Galerien machen sie zu einer Hochburg der Kunst.

Sehenswert ist auch die Stadt Athens östlich von Atlanta, die 1801 als Standort der University of Georgia gegründet wurde. Die Stadt wurde im klassischen, so genannten Greek-Revival-Architekturstil errichtet. Das Georgia Museum of Art der Universität gehört neben dem High Museum of Art in Atlanta zu den bedeutendsten Kunstmuseen Georgias.

Die am Ocmulgee River gelegene Stadt Macon war früher ein bedeutender Flusshafen. Einige historische Gebäude , z.B. das Grand Opera House und die City Hall, sind noch erhalten. Etwa 3 km östlich der Stadt liegt das Ocmulgee National Monument, die Reste einer prähistorischen indianischen Siedlungsstätte der Mississippi-Kultur (Mound-Builders) mit Versammlungshaus und Zeremonienhügel (Mound). Die Siedlung war bis ins 19. Jahrhundert bewohnt.

Das Sumpfgebiet von Okefenokee an der Grenze zu Florida umfasst rund 1800 km2 und wurde als Wildschutzgebiet ausgewiesen. Alligatoren und unzählige Vögel bevölkern das von Wasserarmen durchzogene Naturschutzgebiet, das von Besuchern auf Bootsfahrten erkundet werden kann.

Eine Kette kleiner Inseln, die Golden Isles, säumt die Küste südlich von Savannah. Mit wildem Marschland, Dünen, einsamen Stränden und Wäldern und andererseits z.T. sehr exklusiven Hotels und Freizeitmöglichkeiten (z.B. Golf) sind sie beliebte Ferienziele. Die bekanntesten Inseln sind St. Simons Island, Sea Island, Jekyll Island und Cumberland Island.

Bibliografie:

  • Margit Brinke, Peter Kränzle: USA - Der große Süden, Reise-Know-How Verlag, 2004
  • Axel Pinck: USA - Die Südstaaten, DuMont Reise Verlag 2001
  • Horst Schmidt-Brümmer: Südstaaten USA, Verlag Vista Point, 2002
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