Germanisches Handwerk: Töpfer und Schmiede
Töpferei
Das mit Händen geformte Tongefäß, das im Feuer gebrannt ist, gehört zu den ältesten Erzeugnissen des Handwerks. Die Töpferei geht aber auf noch ältere Methoden zurück, Gefäße herzustellen: So hat man in der Frühzeit der Menschheit zuerst Flechwerk - auch Körbe - mit Lehm verstrichen, um es abzudichten. Der geflochtene, lehmverstrichene Korb wurde am Feuer hart.
So ist die Töpferei am Vorabend der "germanischen" Kultur schon viele Jahrtausende alt, im nördlichen Europa schon viele Jahrhunderte. Sie gehört, wie das Backen und Schlachten, wie das Spinnen und Weben, wie die Schmiedekunst und die Zimmermannsarbeit, zu den Handwerken, die schon auf dem steinzeitlichen Bauernanwesen ausgeübt wurden - nicht vom Handwerker, sondern von den Bauern selbst: Eine Tätigkeit gehörte zur anderen, und sie alle zusammen erhielten die Wirtschaftskraft des Bauernhofes, der vom Getreideanbau und Viehzucht lebte.
Das Geschirr des Haushalts von der Jüngeren Steinzeit bis weit über die Völkerwanderung hinaus besteht also aus gebranntem Ton; die kostbaren Bronze- und Silbergefäße, die Gläser sind nicht für den Alltag bestimmt und als Handelsgut nur für den wirklich reichen Mann erschwinglich, sofern sie nicht erbeutet wurden.
Drehscheibe
In der Geschichte der Keramik aller Kulturen gibt es einen tiefreichenden Einschnitt: den Übergang von der Technik des handgeformten Gefäßes zur Arbeit mit der Drehscheibe.
In Europa hat sich dieser Übergang in der ersten Hälfte des letzten vorchristlichen Jahrtausends vollzogen - übrigens zur gleichen Zeit wie im frühen China.
Nun sind auch bei der Drehscheibe verschiedene Methoden zu unterscheiden.
Im jungsteinzeitlichen Europa wurde der Ton auf eine geflochtene Matte gesetzt. Mit der einen Hand drehte der Töpfer die Matte im Kreis, mit der anderen Hand baute er aus Wülsten das Gefäß auf. Dieses geduldige und langsame Verfahren hat eines Tages nicht mehr befriedigt, weil der Bedarf wuchs und mehr Gefäße in kürzerer Zeit hergestellt werden mussten. Der entscheidende Einfall war, eine Scheibe aus Ton oder Holz auf einer Achse zu drehen.
Es gibt Drehscheiben, die man mit den Füßen dreht, andere mit der Hand. Die alte römische Töpferscheibe z. B. besteht aus zwei hölzernen Scheiben, die durch eine Achse miteinander verbunden sind. Mit dem Fuß dreht der Töpfer die untere Scheibe, die als Schwungscheibe dient; so hat er die Hände frei, zum gleichmäßigen Formen.
Im Germanien des Tacitus muss es vorübergehend schon sehr früh Töpferscheiben gegeben haben, die man durch archäologische Funde nachweisen kann: An der Saale und an der mittleren Elbe sind gedrehte Gefäße aus dem 2. und vor allem dem l. vorchristlichen Jahrhundert gefunden worden.
Ganz offensichtlich ist diese Töpferware von der keltischen Keramik beeinflusst. Ob es keltische Handwerker waren, die sich hier niederließen, ob Kriegsgefangene nach ihren heimischen Methoden gearbeitet haben oder ob ein Germane die Technik von jenseits des Mains mitgebracht hat, lässt sich nicht sagen.
Nach rund 50 Jahren jedenfalls kehrten die Elbgermanen zur alten Methode zurück - der technische Fortschritt allein erweist sich als sinnlos, wenn er nicht den wirtschaftlichen Gegebenheiten entspricht.
Brennofen
Offenbar wurde Keramik, die auf der Töpferdrehscheibe hergestellt worden war, im Brennofen gebrannt und nicht im offenen Feuer.
Die Beschaffung hochwertigen Tones, seine Zubereitung, der Bau des Brennofens und die Arbeit an der Töpferdrehscheibe stellten höhere Anforderungen an das technische Verständnis und die handwerkliche Geschicklichkeit. Jedenfalls brauchte ein Brennofen große Stückzahlen, das heißt 20-60 Gefäße je Brennphase. Man konnte die Luftzufuhr regeln, sodass die gewünschte Oberflächenfarbe erzielt wurde, und man bekam gleichmäßige Brände. Diese Töpferöfen sind zuerst in Vorderasien und am Mittelmeer verwendet worden; dort haben die Kelten diese Technik kennen gelernt und weiter vermittelt.
Die europäische Keramik ist übrigens über Temperaturen von 750-900 °C und damit über steinzeitliche Keramik nicht hinausgekommen; Temperaturen von 1300 °C, wie sie für Steinzeug und Porzellan notwendig sind, haben zuerst die Chinesen erzeugt.
Im germanischen Gebiet entwickelte sich erst im Laufe des 3. und 4. Jahrhunderts ein größerer Bedarf an hochwertiger Keramik; dies entsprach der stärkeren gesellschaftlichen Differenzierung. Nun entstanden Keramikwerkstätten, in denen Töpferdrehscheiben benutzt wurden. Der Anteil dieser Erzeugnisse an der insgesamt benutzten Keramik betrug bei Thüringern und anderen germanischen Stämmen etwa 20 %, alles übrige Geschirr blieb handgeformt.
Dass die Germanen auch in dieser Hinsicht die Schüler der begabteren Kelten waren und diese wiederum von der städtischen Zivilisation der Mittelmeervölker profitiert haben, mag ein Rückblick zeigen:
Schon in der späten Latene-Zeit (Eisenzeit) gibt es an der Donau unterhalb von Passau große Töpferwerkstätten, deren Erzeugnisse aus grafithaltigem Ton in Oberungarn und Siebenbürgen, am Oberrhein und in Mittelschlesien, bei Innsbruck und in Thüringen gefunden wurden - das alles zu einer Zeit, als man im Norden noch handgeformte Tongefäße im offenen Feuer brannte. In dem Maße, wie die Germanen die Kelten verdrängten, übernahmen sie einiges von der technisch überlegenen Kultur.
Töpferware ist Gebrauchsware, und der Wandel der Zeiten bewirkte den Wandel der Stile. Man kann Zeitstile unterscheiden, aber auch landschaftliche Unterschiede. Die Jastorf-Kultur z. B. hat eine fast einheitliche Keramik hervorgebracht. Seit dem l. vorchristlichen Jahrhundert formten und verzierten die Germanen an der Oder und Weichsel ihre Gefäße anders als die Elbgermanen und diese wiederum anders als die Germanen an der Nordsee oder im Westen. Aber die Unterschiede der Stämme lassen sich an der Keramik nicht erkennen, und ob ein elbgermanischer Topf von einem Markomannen in Böhmen, von einem Germanen an der Saale oder einem Langobarden an der Elbe hergestellt worden ist, kann man auf den ersten Blick nicht erkennen.
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- Schmiede
Bibliografie:
- Artikel Handwerk und Handwerker. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 13: 1999









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