Geschichte der DDR 2: Die Ära Ulbricht (1950-1971)
Der 3. Parteitag der SED
Wahl Ulbrichts zum Generalsekretär des ZK der SED
Im Juli 1950 fand der 3. Parteitag der SED statt. Er beschloss ein neues Parteistatut, das sich eng an das sowjetische Vorbild anlehnte und eine streng hierarchische Gliederung der Partei einführte. Der Parteivorstand wurde in ein Zentralkomitee (ZK) umgewandelt. Eine wichtige Personalentscheidung war die Wahl Walter Ulbrichts am 25. Juli zum ersten Generalsekretär des ZK der SED. Ulbricht, bisher einer der stellvertretenden Parteivorsitzenden, genoss das Vertrauen der Besatzungsmacht und hatte von Anfang an eine bestimmende Rolle in der Partei gespielt. Mit der Übernahme des neuen Postens trat er sichtbar an die Spitze der Partei, wenn auch Pieck und Grotewohl noch ein paar Jahre lang den Titel „Vorsitzender“ führten.
Walter Ulbricht - Parteikarriere und Sturz
Walter Ulbricht wurde am 30. Juni 1893 in Leipzig geboren. Sein Vater, von Beruf Schneider, arbeitete zu Hause für Konfektionsfirmen. Der Sohn erlernte das Tischlerhandwerk. 1912 trat er in die SPD ein, in der er schon frühzeitig zum radikalen Flügel gehört haben soll. 1915 bis 1918 war er Soldat. 1919 nahm er in Leipzig an der Gründung des Ortsverbandes der KPD teil und wurde bald Berufsfunktionär. Ein Zeitzeuge berichtet: „Er war schon damals unerhört fleißig, initiativ, ausgesprochen solide; er hatte keine Laster und scheinbar keine Schwächen. Er rauchte nicht, er trank nicht und hatte keinen persönlichen Umgang.“
Seine Parteikarriere war wegen der häufigen Machtkämpfe in der Führung wechselvoll. 1923/24 war er erstmals Mitglied des Parteivorstands, 1927 wurde er es auf Dauer. 1924/25 war er im Dienst der Komintern im Ausland tätig. 1928 wurde er Reichstagsabgeordneter, 1929 politischer Leiter des KPD-Bezirks Berlin-Brandenburg und zugleich Mitglied des Politbüros. Nach dem Machtantritt Hitlers arbeitete Ulbricht einige Zeit illegal in Berlin, dann lebte er vorwiegend in Paris und ab 1938 in Moskau. Er gehörte nun zum engsten Führungskreis der KPD. Im April 1945 kehrte er als Leiter der „Gruppe Ulbricht“ nach Deutschland zurück, wo er zunächst den Aufbau der Berliner Stadtverwaltung organisierte. Nach der Vereinigung von KPD und SPD zur SED 1946 wurde er einer der beiden stellvertretenden Parteivorsitzenden. Als Vertrauensmann der sowjetischen Besatzungsmacht in der SED trug er entscheidend zur Stalinisierung der SBZ und späteren DDR bei. 1950 wurde er Generalsekretär des ZK der SED (1953 Änderung des Titels: Erster Sekretär) und 1960 zugleich Vorsitzender des Staatsrates der DDR (Staatsoberhaupt). Nachdem ihn Erich Honecker 1971 als Parteichef abgelöst hatte, behielt Ulbricht das einflusslose Amt des Staatsratsvorsitzenden und erhielt den Ehrentitel eines Vorsitzenden der SED. Er starb am 1. August 1973 in Berlin.
Der erste Fünfjahresplan
Der 3. Parteitag beschloss auch den ersten Fünfjahresplan, nach dem zwischen 1951 und 1955 die Planwirtschaft nach sowjetischem Vorbild in der DDR eingeführt werden sollte. In dieser Zeit wollte man die Industrieproduktion verdoppeln, die Arbeitsproduktivität um 60% steigern und den Lebensstandard der Vorkriegszeit übertreffen - Ziele, die nicht erreicht wurden und nicht erreicht werden konnten: Die DDR-Wirtschaft hatte keine dem Marshallplan vergleichbare Hilfe erhalten, sie war vielmehr durch die sowjetischen Demontagen schwer geschädigt worden. So gesehen waren die Aufbauerfolge der DDR-Wirtschaft imponierend, wenn sie auch mit einer vergleichsweise schlechten Versorgung der Bevölkerung einhergingen.
- Der 3. Parteitag der SED
- Ein Problem und seine Lösung - Massenflucht und Grenzschließung
- Aufbau des Sozialismus
- Macht und Herrschaft in der DDR
- Mangelwirtschaft der frühen 1950er Jahre und der Aufstand von 1953
- Wirtschaftsaufschwung in der nunmehr souveränen DDR
- Kollektivierung der Landwirtschaft und Bau der Berliner Mauer
- Liberalisierungsansätze in Wirtschaft und Kultur
- Verfassungsänderungen
- Ulbrichts Entmachtung
Bibliografie:
- Mario Frank: Walter Ulbricht, Taschenbuchausgabe Berlin 2003
- Rolf Hosfeld: Was war die DDR?, Köln 2008
- Arnim Wagner: Walter Ulbricht und die geheime Sicherheitspolitik der SED. Der Nationale Verteidigungsrat der DDR und seine Vorgeschichte, Berlin 2002









0 Kommentare