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THEMEN

Geschichte der DDR 3: Die Ära Honecker und das Ende der DDR (1971-1990)

Pragmatischer Kurs im Innern

Verbesserung der Lebensqualität

Honecker war Pragmatiker. Er zweifelte die Führungsrolle der Sowjetunion nicht an und fügte sich in der Berlin- und Deutschlandpolitik den Moskauer Wünschen. Auf dem 8. Parteitag im Mai 1971 setzte er allerdings einen neuen Akzent. Als Hauptaufgabe proklamierte er die „Erhöhung des materiellen und kulturellen Lebensniveaus des Volkes“ und die „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“. Damit versprach er, die Ergebnisse des wirtschaftlichen Wachstums den Menschen unmittelbar zugute kommen zu lassen. Tatsächlich begann die Ära Honecker mit einer Hebung des Lebensstandards der Gesamtbevölkerung: Löhne und Renten wurden erhöht, die Versorgung mit Lebensmitteln und Gebrauchsgütern verbesserte sich, und ein großes Wohnungsbauprogramm wurde in Angriff genommen. Auch im kulturellen Leben gewährte das Regime größeren Spielraum.

Machtfülle

Honecker geriet rasch in eine ähnliche Machtposition wie sein Vorgänger. Als der 1973 starb, übernahm Honecker allerdings nicht gleich seine Nachfolge als Staatsratsvorsitzender, sondern überließ sie dem bisherigen Ministerpräsidenten Willi Stoph. Erst 1978 ließ er sich zum Vorsitzenden des Staatsrates wählen, und Stoph musste in das Amt des Regierungschefs zurückkehren. Gleichzeitig nahm Honecker den 1953 abgeschafften Parteititel „Generalsekretär“ wieder an. Da er seit 1971 Vorsitzender des Verteidigungsrates war, bekleidete er nun auch formal die gleiche Position wie sein Vorgänger. Das Politbüro füllte er nach und nach mit früheren Mitarbeitern aus seiner Zeit als FDJ-Vorsitzender auf.

Erich Honecker Parteikarriere und Sturz

Erich Honecker wurde am 25. August 1912 in Neunkirchen (Saar) als Sohn eines Bergmanns geboren. Sein eigentlicher Heimatort war das benachbarte Wiebelskirchen, wohin die Familie bald nach der Geburt zog. Honecker wuchs in einem kommunistischen Milieu auf. Mit zehn Jahren trat er der Kinderorganisation „Jungspartakusbund“ bei, mit 14 dem Kommunistischen Jugendverband (KJVD) und mit 17 der KPD. Er erlernte das Dachdeckerhandwerk, hat diesen Beruf aber nur kurze Zeit ausgeübt.

1930/31 besuchte er die Lenin-Schule der Kommunistischen Jugendinternationale in Moskau, und nach seiner Rückkehr wurde er Berufsfunktionär. Nach dem Anschluss des Saargebiets an das Deutsche Reich ging Honecker ins Ausland, wurde aber bald wieder zur illegalen Arbeit nach Deutschland geschickt. 1935 wurde er in Berlin verhaftet und 1937 wegen „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. 1945 aus dem Zuchthaus Brandenburg befreit, nahm er Kontakt zur „Gruppe Ulbricht“ auf und wurde Jugendsekretär beim ZK der KPD. 1946 bis 1955 war Honecker Vorsitzender der zunächst überparteilich auftretenden Freien Deutschen Jugend (FDJ). Nach einjährigem Besuch der Parteihochschule der KPdSU in Moskau übernahm er 1956 hohe Funktionen in der Führung der SED. Er war schon seit 1950 Kandidat des Politbüros; 1958 wurde er Vollmitglied und Sekretär des ZK. Ulbricht, der ihm voll vertraute, übertrug ihm die Zuständigkeit für das Gesamtgebiet der Sicherheit (Militär, Polizei, Staatssicherheit). 1961 leitete Honecker den Bau der Berliner Mauer. 1971 löste er nach Absprache mit der sowjetischen Führung seinen Mentor und Förderer Ulbricht ab. Er wurde Parteichef (Erster Sekretär, 1976 Generalsekretär) und 1976 zusätzlich Staatsoberhaupt (Vorsitzender des Staatsrates). Als er sich der Erhebung der DDR-Bevölkerung von 1989 nicht gewachsen zeigte, stürzte ihn sein eigenes Politbüro; wenige Wochen später folgte der Parteiausschluss. 1992 stand er wegen der Erschießung von Flüchtlingen an der innerdeutschen Grenze vor einem BRD-Gericht. Das Verfahren wurde 1993 aus Gesundheitsgründen eingestellt. Honecker verbrachte seine letzten Jahre in Chile, wo er am 29. Mai 1994 starb.

  1. Pragmatischer Kurs im Innern
  2. Deutsch-deutsche Beziehungen und internationale Anerkennung
  3. Krisensymptome
  4. Die „Stasi“
  5. Kontakte mit dem Klassenfeind
  6. Niedergang der Wirtschaft
  7. Gorbatschows Reformen und die Anfänge der Opposition
  8. Flüchtlinge und Standhafte Das Jahr 1989
  9. Der Beitritt der DDR zur BRD Das Jahr 1990

Bibliografie:

  • Dieter Grosser u.a. (Hrsg.): Bundesrepublik und DDR. 1969-1990, Stuttgart 2000
  • Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland. Mit Einigungsvertrag (ohne Anl.), Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland, Berlin/Bonn-Gesetz, Bundesverfassungsgerichtsgesetz, Konvention zum Schutze der Menschenrechte, Bundeswahlgesetz, Bundeswahlordnung, Wahlprüfungsgesetz und Bundespräsidentenwahlgesetz, Parteiengesetz, Europawahlgesetz, Europaabgeordnetengesetz, Parlamentarische Geschäftsordnungen. Textausgabe mit ausführlichen Verweisungen und einem Sachverzeichnis, München 552002
  • Peter Haungs (Hrsg.): Bundesrepublik Deutschland Deutsche Demokratische Republik: die politischen Systeme im Vergleich, Schwalbach/Ts. 1989
  • Andreas Herbst u.a. (Hrsg.): Die SED. Geschichte, Organisation, Politik. Ein Handbuch, Berlin 1997
  • Thomas Höch: Der Einigungsvertrag zwischen völkerrechtlichem Vertrag und nationalem Gesetz. Untersuchungen zur Bestandskraft des Vertrags über die Herstellung der Einheit Deutschlands, Berlin 1995
  • Detlef Joseph: Der Rechtsstaat und die ungeliebte DDR, Schkeuditz 1997
  • Matthias Judt (Hrsg.): DDR-Geschichte in Dokumenten. Beschlüsse, Berichte, interne Materialien und Alltagszeugnisse, Berlin 1997
  • Jan N. Lorenzen: Erich Honecker. Eine Biografie, Reinbek 2001
  • Ulrich Mählert: Kleine Geschichte der DDR, München 42004
  • Siegfried Mampel: Die sozialistische Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik. Kommentar, Goldbach 31997
  • Norbert F. Pötzl: Erich Honecker. Eine deutsche Biografie, München/Stuttgart 2002
  • Dietrich Staritz: Geschichte der DDR 1949-1984, Frankfurt/M. 1984
  • Heiko Wagner: Der Einigungsvertrag nach dem Beitritt, Berlin 1994
  • Hermann Weber: Geschichte der DDR, München, aktualisierte Neuausgabe 1999
  • Göttrik Wewer (Hrsg.): DDR von der friedlichen Revolution zur deutschen Vereinigung, Leverkusen 1990
  • Stefan Wolle, DDR, Frankfurt/M. 2004
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