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THEMEN

Geschichte des deutschen Films

Die Frühzeit und die Zeit der Weimarer Republik

Anfänge

Die Brüder Max und Emil Skladanowsky, die 1895 noch vor den Brüdern Louis und Auguste Lumière ihre Filme im Berliner Wintergarten präsentierten, und Oskar Meßter, der ab 1896 Spielfilme und Wochenschauen produzierte, waren Pioniere des Films in Deutschland, der später Weltgeltung erlangen sollte. Frühe deutsche Filme sind »Der Andere«, 1913, von Max Mack, »Der Student von Prag«, 1913, von Stellan Rye und »Der Golem«, 1915, von Paul Wegener.

Hintergrundwissen: Die Ufa entsteht

Die Ufa war 1917 auf Veranlassung der Reichsregierung, die dafür 8 Mio. Mark bereitstellte aus dem Zusammenschluss mehrerer Filmproduktionsfirmen (Davidsons Union, Meßter Film, Nordisk Gruppe u. a.). Hauptzweck der Gründung war die Produktion von Propagandafilmen: Das Ansehen Deutschlands im Ausland sollte erhöht und die Kampfmoral der deutschen Soldaten gestärkt werden.

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Emil Jannings spielt in »Madame Dubarry« den seiner Mätresse (Pola Negri) hörigen französischen König Ludwig XV.

1918 übernahm die Deutsche Bank die Mehrheit der Anteile. 1919 wurde das Lichtspielhaus »Ufa-Palast am Zoo« mit der Uraufführung von »Madame Dubarry« von Ernst Lubitsch eröffnet. In den Folgejahren entstanden eine Kinokette und ein eigenes Verleihsystem.

Nach dem Zusammenschluss mit der »Decla Bioscop« von Erich Pommer 1921 erhielt die Ufa deren Studiengelände in Neubabelsberg (heute zu Potsdam). Unter Pommer drehte Fritz Lang die beiden Teile von »Die Nibelungen« (1923/24), Friedrich Wilhelm Murnau »Der letzte Mann« (1924), Georg Wilhelm Papst »Die freudlose Gasse« (1925), später Josef von Sternberg »Der blaue Engel« (1930). Höhepunkt der Ufa-Produktionen in den 1920er-Jahren war Fritz Langs »Metropolis« (1927), die bis dahin teuerste Produktion des Studios.

Wegen eines drohenden Konkurses übernahm 1927 der Hugenbergkonzern die Ufa; 1937 wurde sie auf Betreiben des Propagandaministers Joseph Goebbels für 21 Mio. Reichsmark vom Staat übernommen und 1942 in eine staatliche Holdinggesellschaft, die »Ufa Film GmbH« (Ufi), einen Großkonzern von 138 Einzelfirmen, umgewandelt.

Weimarer Republik

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Deutschland zu einem der künstlerisch bedeutenden Filmländer. Ernst Lubitsch entwickelte die Filmkomödie und den historischen Großfilm, Fritz Lang seine Vorstellungen vom Zeitfilm (»Dr. Mabuse, der Spieler«, 1921/22). Gleichzeitig entstand der Epochalstil des deutschen Expressionismus, zunächst vertreten durch Robert Wiene (»Das Cabinet des Dr. Caligari«, 1920) und dessen österreichischen Drehbuchautor Carl Mayer, durch Paul Wegeners zweiten Golem-Film (»Der Golem, wie er in die Welt kam«, 1920), dann weitergeführt von Friedrich Wilhelm Murnau (»Nosferatu Eine Symphonie des Grauens«, 1922) und Paul Leni (»Das Wachsfigurenkabinett«, 1924).

Murnau und sein Kameramann Karl Freund brachten ihre Vorliebe für das Optische mit der subjektivierten, »entfesselten« Kamera (»Der letzte Mann«, 1924) und mit spektakulären Spezialeffekten (»Faust«, 1926) zu künstlerischer Vollendung. Fritz Lang gelang mit »Metropolis« (1927) ein utopischer Monumentalfilm.

Hintergrundwissen: Bull Arizona Wildwestfilme aus dem Steinbruch

Auch wenn Heidelberg schon häufig als Kulisse für Filme diente, erscheint die Idee, hier einen Wildwestfilm zu drehen, doch ziemlich abwegig. Aber dennoch waren die Stadt und ihr Umland um 1920 Schauplatz bewegender Western-Melodramen: »Bull Arizona, der Wüstenadler« und »Das Vermächtnis der Prärie« wurden nördlich von Heidelberg gedreht, im Steinbruch von Dossenheim, vor dessen steilen Felswänden sich die Guten mit Schurken und Indianern wilde Schießereien lieferten. Als Prärie mussten die Wiesen und Felder rund um die Stadt herhalten, der Odenwald für die blauen Berge in der Ferne. Die Innenaufnahmen wurden im Stadtteil Schlierbach gedreht. Die Figur des Helden Bull Arizona hatte Hermann Basler erdacht, der auch die Filme produzierte; Regie führte Phil Jutzi.

  1. Die Frühzeit und die Zeit der Weimarer Republik
  2. Film im Dritten Reich und Nachkriegsfilm
  3. Neuer Deutscher Film und »Erzählkino«
  4. Der Film in der DDR
  5. Neuere Entwicklungen

Bibliografie:

  • Friedemann Beyer, Gert Koshofer, Michael Krüger, Ufa in Farbe. Technik, Politik und Starkult zwischen 1936 und 1945. 2010
  • Frank B. Habel; Was ich von der DEFA wissen sollte. 2008
  • Manfred Hobsch, Film im »Dritten Reich«. Alle deutschen Spielfilme von 1933 bis 1945. 2010
  • Wolfgang Jacobsen, Anton Kaes, Hans Helmut Prinzler (Hrsg.), Geschichte des deutschen Films. 2. Auflage 2004
  • Friedrich Knilli, Ich war Jud Süß. Die Geschichte des Filmstars Ferdinand Marian. 2. Auflage. 2010
  • Michael Wedel, Filmgeschichte als Krisengeschichte. Schnitte und Spuren durch den deutschen Film. 2010
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