Geschichte Europas: Das 19. Jahrhundert
Industrielle Revolution
Die Entwicklung Europas im 19. Jahrhundert prägte die Industrielle Revolution. Ausgehend von Großbritannien veränderte sie seit Beginn des Jahrhunderts die Produktions- und Lebensbedingungen auf dem Kontinent grundlegend.
Ausgangspunkt der Industrialisierung war die Erfindung der Dampfmaschine, die der Brite James Watt bereits 1765 konstruiert hatte. Um 1800 waren bereits rund 1000 dieser Maschinen in Betrieb. 1801 wurde die Hochdruckdampfmaschine entwickelt, die der Industrialisierung einen weiteren Schub gab.
Im Bereich der Schwerindustrie verfeinerte der britische Ingenieur Henry Bessemer mit seinem Bessemerkonverter 1855 die Idee, durch Sauerstoffzufuhr bei der Stahlproduktion höhere Temperaturen zu erzeugen. Stahl konnte nun in Massen produziert werden, die industrialisierte Hüttenarbeit verließ den Bereich des traditionellen Handwerks. Dank Bessemer konnte nun der hohe Bedarf an Stahl gedeckt werden, der zum Ausbau der zahlreichen Eisenbahnstrecken benötigt wurde.
Mit der Eisenbahn hatte die Geschichte des Rades ihre bis dahin größte Revolution erlebt. Die dampfbetriebene Lokomotive hatte ihren Ursprung in den Bergwerksregionen von Südwales und Nordengland. Richard Trevithick hatte im Auftrag eines Hüttenbesitzers 1804 eine Lokomotive konstruiert, die auf Schienen lief. Obwohl Trevithick damit bewiesen hatte, dass sich Dampfkraft als Antrieb für eine Eisenbahn eignete, fanden sich keine Kapitalgeber, weshalb das Projekt eingestellt wurde. Zum eigentlichen Vater der Eisenbahn wurde dann der Brite George Stephenson. 1813 konstruierte er sein erste Lokomotive mit dem Namen Blücher. 1818 wurde er mit der Vermessung der Strecke Darlington - Stockton beauftragt. Gemeinsam mit seinem Sohn Robert gründete er eine Fabrik und baute die Locomotion. 1825 wurde die 39 km lange Strecke Stockton - Darlington feierlich eröffnet. Das Zeitalter des Personenverkehrs hatte begonnen. In Deutschland begann es 1835 auf der nur sechs Kilometer langen Verbindung von Nürnberg nach Fürth. Mit dem Eisenbahnverkehr wurde der Zeit- und Raumbegriff revolutioniert. Die neue Technik ließ Regionen zusammenwachsen und dynamisierte den Fortschritt.
Das Herz der Industrialisierung schlug ab Mitte des Jahrhunderts in der Montanindustrie. Mit der Steinkohle konnte ein neuer, billiger Energieträger erschlossen werden. Neue Kommunikationstechnologien wie die Telegrafie und die Eisenbahnsignaltechnik beschleunigten den Informationsfluss.
Der Aufstieg der Chemie vollzog sich im Zusammenhang mit dem Kunstdüngerbedarf der Landwirtschaft, dann mit der Entwicklung synthetischer Teerfarben, pharmazeutischer Produkte und der ersten Kunststoffe.
Zunächst profitierte Großbritannien von diesen Entwicklungen und wurde zur führenden Weltmacht. Das Deutsche Reich schickte sich aber an, gegen Ende des Jahrhunderts aufzuholen.
- Industrielle Revolution
- Nationalstaaten im 19. Jahrhundert: Die Beispiele Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien
- Imperialismus des 19. Jahrhunderts
- Soziale Frage und Arbeiterbewegung
Bibliografie:
- Die große Chronik Weltgeschichte. Bd. 12: Neuordnung Europas und Restauration. Gütersloh, München 2008
- Die große Chronik Weltgeschichte. Bd. 13: Industrialisierung und nationaler Aufbruch. Gütersloh, München 2008
- Die große Chronik Weltgeschichte. Bd. 14: Das imperiale Zeitalter. Gütersloh, München 2008
- Chronik-Handbuch Europa. Gütersloh, München 1998
- Chronik-Handbuch Staaten der Weltgeschichte. Gütersloh, München 1996
- Jürgen Osterhammel, Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts. München 2009.
- Dieter Ziegler, Die Industrielle Revolution. Darmstadt 2005









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