Geschichte Europas: Frühe Neuzeit
Reformation
Unter Reformation (lateinisch für Wiederherstellung) versteht man in der Kirchengeschichte die zu Beginn der Neuzeit durch M. Luther, H. Zwingli und J.Calvin zunächst als Reform der römischen Kirche gedachte religiöse und gesellschaftliche Erneuerung, die zur Entstehung neuer, von Rom unabhängiger Kirchen führte. Kernidee war der Glaube, dass das Heil des Menschen in seiner persönlichen Beziehung zu Gott liege.
Die Unzufriedenheit entzündete sich an der Verweltlichung der Kirche. Das unaufhörliche Bestreben nach Vergrößerung der Kircheneinnahmen ging mit der Bürokratisierung und Materialisierung der kirchlichen Strukturen einher.

In Deutschland wurde Martin Luther zur bestimmenden Figur der Modernisierungsbewegung.
Der 1483 geborene Sohn eines Bergmanns trat 1505 ins Kloster der Augustiner-Eremiten in Erfurt ein (Priesterweihe 1507) und promovierte 1512 in Wittenberg zum Doktor der Theologie. Auf dem Augsburger Reichstag (1518) weigerte sich Luther, seine Lehren zu widerrufen. Ihm ging es vor allem um die Erneuerung der Kirche. Nachdem ihn Papst Leo X. exkommuniziert hatte, trat Luther auf dem Wormser Reichstag (1521) Kaiser Karl V. gegenüber, der über ihn die Reichsacht verhängte. Luther musste auf die Wartburg fliehen, wo er unter dem Schutz des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Weisen das Neue Testament (1522) ins Deutsche übersetzte; 1534 folgte das Alte Testament (Lutherbibel). 1525 heiratete Luther die ehemalige Zisterziensernonne Katharina von Bora (* 1499, † 1552). Zur Belehrung für das Volk verfasste er den Kleinen Katechismus, für die Pfarrer den Großen Katechismus (beide 1529)
Im Zentrum von Luthers Theologie stand die Rechtfertigungslehre: Tiefes religiöses Erleben, kritisches Denken und der Einfluss des Humanismus führten ihn zur Erkenntnis, dass der Mensch allein im Glauben die Gnade Gottes erfährt, nicht durch gute Werke. Auslösendes Moment seines Protests war der Ablasshandel, den er in seinen 95 Thesen anprangerte. Ihre Veröffentlichung am 31. 10. 1517 an der Wittenberger Schlosskirche gilt daher als Beginn der Reformation.
Zahlreiche Prediger verbreiteten Luthers Theologie in Deutschland, der Gottesdienst wurde umgestaltet, neue Formen des Gemeindelebens entwickelten sich. Trotz radikaler Auswüchse wie dem Bauernkrieg 1524/25, den Luther aber ablehnte, und der Kritik von Humanisten (u. a. Erasmus von Rotterdam) festigte sich die Reformation, da sie von einem Großteil der Reichsstände unterstützt wurde. Fürsten und Städte erließen Kirchenordnungen, die Wittenberger Universität wurde durch P. Melanchthon zum Mittelpunkt und Vorbild des Studienwesens.

Die Reformation blieb nicht auf Deutschland beschränkt, sondern fand Anhänger in allen Teilen Europas. So setzte sich in Zürich unter dem Pfarrer Hudrych Zwingli ebenfalls eine reformatorische Linie durch. In Genf etablierte sich 1536 eine neue protestantische Richtung: der Calvinismus. Der gebürtige Franzose Johannes Clavin war 1534 in die Schweiz geflohen, weil er als Protestant in Frankreich um sein Leben fürchtete. In Genf konnte er seine Vorstellungen verwirklichen. Er wollte das das menschliche Leben vollkommen verchristlicht wurde und die Obrigkeit der Kontrolle durch die Kirche unterwerfen.
Im von Philipp Melanchthon verfassten Augsburger Bekenntnis wurde 1530 das Glaubensgut der Protestanten formuliert und reichsrechtlich anerkannt. Damit war die konfessionelle Spaltung Deutschlands besiegelt. 1531 schlossen sich die protestantischen Stände im Schmalkaldischen Bund zusammen. Kaiser Karl V. musste im Nürnberger Religionsfrieden (1532) und endgültig im Augsburger Religionsfrieden (1555) den Protestanten freie Religionsausübung zugestehen. Nach dem Grundsatz cuius regio - eius religio (wessen Land, dessen Religion), der zuvor nur für den Herrscher hinsichtlich des gesamten Reiches gegolten hatte, mussten sich die Untertanen eines Landesfürsten dessen Konfessionswahl anschließen. Der Ausgleich der Konfessionen erfolgte gegen den Willen Kaiser Karls V., der die Verhandlungen in Augsburg seinen Bruder Ferdinand I. übetragen hatte. Um 1561 war Deutschland zu vier Fünfteln protestantisch, doch gelang der katholischen Kirche in den folgenden Jahrzehnten die Rückgewinnung vieler Gebiete.
Bibliografie:
- Die große Chronik Weltgeschichte. Band 10: Europas Sprung in die Neuzeit. Gütersloh/München 2008
- Die große Chronik Weltgeschichte. Band 11: Absolutismus, Aufklärung und Revolution. Gütersloh/München 2008
- Birgit Emich, Frühe Neuzeit 1500-1800. Stuttgart 2007









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