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THEMEN

Geschichte Europas: Nord-, Mittel- und Osteuropa in der Antike

Kelten

In der europäischen Antike spielten neben den Römern und Griechen auch andere Völker eine entscheidende Rolle. Nördlich des griechisch-römischen Kulturkreises sind hier vor allem keltische und germanische Stämme zu nennen. Antike Autoren berichteten aus Osteuropa über verschiedene Völkerschaften wie Sarmaten, Skythen, Goten, Hunnen oder Awaren.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Kelten gemäß den Berichten antiker Autoren, archäologischer Ausgrabungen und sprachhistorischer Befunde sind oftmals nicht übereinstimmend. Die Kelten werden heute als Träger der Latènekultur angesehen. Diese breitete sich seit dem 5. Jh. v. Chr. über weite Teile Europas aus. Griechische und römischen Autoren erwähnen ausführlich keltische Kriegszüge und Wanderungen ganzer Stammesverbände. Mit dem Ausgang des 3. Jh. v. Chr. endete die keltische Expansion und die Kelten wurden zunehmend von den Römern bedrängt. Neben den Stämmen in Oberitalien und in Anatolien wurden auch die Keltiberer unterworfen (133 v. Chr. eroberten die Römer deren Festungsstadt Numantia). Der Kontakt mit den Kulturen des Mittelmeerraums führte im keltischen Kerngebiet zu vielen Neuerungen: Herausbildung einer neuen Adelsherrschaft, Anlage befestigter, stadtähnlicher Siedlungen als Stammeszentren mit eigener Münzprägung und spezialisierten Werkstätten (besonders in der Metallverarbeitung). Der anscheinende keltische Rückzug aus den deutschen Mittelgebirgsgebieten und Süddeutschland ist wohl nur z. T. auf vordringende Germanen zurückzuführen, die dabei einer Keltisierung unterworfen wurden

Über die Kultur der Spätlatènezeit auf linksrheinischem Gebiet ist man durch Cäsars „De bello gallico“ relativ gut unterrichtet. Seinem Bericht nach gab es eine dreischichtige Gesellschaftsstruktur: Alle Macht lag bei der Ritterschaft (equites) und der Priesterkaste der Druiden. Letzteren oblagen neben religiösen Aufgaben (Opferwesen, Kult, religiöse Vorschriften) alle Entscheidungen bei Rechtsstreitigkeiten. Ihr Wissen war geheim und durfte nur mündlich überliefert werden. Die dritte Schicht, das Volk, konnte zwar zu Volksversammlungen zusammenkommen, war aber meist vom Adel abhängig und ihm zum Gehorsam verpflichtet.

Gallien war jedenfalls um 60 v. Chr. ein Land, das barbarische Züge einer Randkultur (Kopfjagd) mit Elementen der mediterranen Hochkultur verband. Es verfügte über ein Netz stadtähnlicher Stammeszentren (die Oppida), die durch Handelswege miteinander verbunden waren. Die handwerklichen, z.  B. die schmiedetechnischen Fähigkeiten der Gallier waren hoch entwickelt u. übertrafen teilweise die der Römer. Der entwickelte Kulturstand wirkte vor allem auf die benachbarten germanischen Stämme anziehend. Im Osten Galliens soll es sich bei den belgischen Stämmen und den Treverern im Moselgebiet um eingewanderte Germanen gehandelt haben, die wahrscheinlich vollständig keltisiert waren.

Seit 16 v. Chr. begannen die Römer mit der Eroberung der späteren Provinzen und bis dahin keltisch geprägten Gebiete Noricum (etwa das heutige Österreich), Pannonien (ungarische Tiefebene) und Raetien (Alpen und Südostdeutschland). Damit verloren die letzten Kelten des europäischen Festlandes ihre Unabhängigkeit an die Römer. Trotz der für die Gallier katastrophalen römischen Kriegszüge mit mutmaßlich mehreren Millionen Toten entwickelte sich das römische Gallien zu einer ökonomisch florierenden Provinz mit einer eigenen gallo-römischen Kultur, in der traditionelle keltische Elemente fortbestanden und erst durch die germanische Völkerwanderungszeit ein Ende fanden.

  1. Kelten
  2. Germanen
  3. Skythen und Sarmaten
  4. Thrakien

Bibliografie:

  • Chronik Handbuch Europa. Gütersloh, München 1998
  • Die große Chronik Weltgeschichte. Bd. 4: Griechenland und die klassische Antike. Gütersloh/München 2008
  • Die große Chronik Weltgeschichte. Bd. 5: Rom und der Hellenismus. Gütersloh/München 2008
  • Die große Chronik Weltgeschichte. Bd. 6: Blüte und Krise des Römischen Kaiserreichs. Gütersloh/München 2008
  • „Germanen". In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 11. S. 182 ff. Berlin 1998
  • „Kelten". In : Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 16. S. 364 ff. Berlin 2000
  • „Sarmatai". In: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Bd. 11. Sp. 83 ff. Stuttgart 2001
  • „Skythen". In: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Bd. 11. Sp. 644 ff. Stuttgart 2001
  • „Thrakes, Thrake, Thraci". In: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Bd. 12/1. Sp. 478 ff. Stuttgart 2002
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