Geschichte Nordamerikas: Konflikte zwischen Indianern und Kolonisten
Gegenseitige Beziehungen
Schon mit ihren ersten Begegnungen war das Leben sowohl der Indianer als auch der amerikanischen Kolonisten verändert. Die Europäer hätten ohne die Hilfe der Ureinwohner ihre ersten Jahr in der Neuen Welt nicht überlebt. Von hilfsbereiten Häuptlingen und Stammesmitgliedern lernten die Siedler neue Nutzpflanzen und die Art ihres Anbaus kennen. Die Indianer zeigten ihnen, wie man die Felder abbrennt oder Bohnen anpflanzt, um die Erde wieder urbar zu machen. Durch die Einheimischen entdeckten die Europäer die neuen und teilweise exotischen Tiere der Umgebung. Indianer waren es auch, von denen Europäer den Tabak erhielten.
Die Indianer profitierten einerseits von der Ankunft der Fremden, die sie mit Pferden, domestiziertem Vieh, Feuerwaffen und, häufig zu ihrem Nachteil, dem Alkohol bekannt machten. Das Leben der Indianer wurde andererseits durch die europäische Besiedlung Amerikas auf radikale und vernichtende Weise verändert. Grausamstes Ergebnis ist die fast gänzliche Ausrottung mancher Stämme. Die Bevölkerungsstatistik spricht eine eindeutige Sprache: Ethnologen gehen von einer präkolumbischen Bevölkerungszahl in Nordamerika von rd. 2,5 Mio. Ureinwohnern aus. Bis 1890 lebten schätzungsweise noch 250 000 Indianer auf dem Subkontinent. Heute sind es etwa 950 000 auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten und 250 000 in Kanada. Ein Hauptgrund des Massensterbens waren wie in Südamerika die europäischen Seuchen, gegen die die Indianer nicht immun waren. Auch die Lebensgrundlage der Ureinwohner wurde durch die neue Konkurrenz um Land und Wild drastisch verschlechtert. Bereits vor 1700 machte sich die Dezimierung der Tiere, von denen viele Stämme lebten, bemerkbar, und der Trend setzte sich bis zum nahezu völligen Aussterben des Bisons im Westen fort. Das Streben der Kolonisten nach Land drängte die Indianer immer weiter zurück und führte zur Vertreibung aus ihren angestammten Gebieten.
Den Franzosen in Kanada gelang ein relativ friedliches Nebeneinander mit den Indianern. Während die englischen Kolonisten versuchten, den Indianern europäische Werte und Verhaltensnormen aufzuzwingen, glichen sich die französischen Händler und Jäger den Gewohnheiten der Indianer an. Viele gingen Ehen mit indianischen Frauen ein. Selbst französische Missionare, die die Ureinwohner zum Christentum bekehrten, ließen den Indianern viele ihrer eigenen schamanischen Riten und Glaubensvorstellungen. Nur zur mächtigsten der Indianergruppen, der Irokesen-Konföderation von Cayuga, Mohawk, Oneida, Onodaga und Seneca hatten die Franzosen von vornherein ein feindliches Verhältnis.
- Gegenseitige Beziehungen
- Expansion und Konflikt
Bibliografie:
- Werner Arens, Hans-Martin Braun, Die Indianer Nordamerikas, München 2004
- Chronik-Handbuch Amerika. Gütersloh, München 1998
- Hermann Wellenreuther, Niedergang und Aufstieg. Die Geschichte Nordamerikas vom Beginn der Besiedlung bis zum Ausgang des 17. Jahrhunderts, Münster u. a. 2004









0 Kommentare