Gewichtheben
Geschichte

Gewichtheben (österreichisch: Stemmen) gehört zu den so genannten schwerathletischen Sportarten. Seit 1986 gibt es offizielle Wettkämpfe für Frauen. Das Gewichtheben als sportliche Auseinandersetzung entwickelte sich in Mitteleuropa im Verlauf des 19. Jahrhunderts. Mittelalterliche Vorläufer waren insbesondere die Hebewettbewerbe der Handwerkerzünfte, so z. B. das Stemmen von Fässern innerhalb der Brauerzunft. Mitte des 19. Jahrhunderts machten die ersten Gewichtheber, oftmals noch als Kraftmenschen tituliert, als Berufssportler auf sich aufmerksam. 1891 kam es zur Gründung des Deutschen Athleten-Bundes, des ersten Gewichtheberverbandes überhaupt. Schon ein Jahr später wurde die erste, noch inoffizielle Weltmeisterschaft ausgetragen, kurz danach fanden die ersten Deutschen Meisterschaften statt, 1896 wurde auf der europäischen Gewichtheberbühne der Champion ermittelt. Seit 1920 ist Gewichtheben reguläre olympische Disziplin, 1973 wurde der Dreikampf (Reißen, Stoßen, Drücken) durch den Zweikampf (Reißen, Stoßen inklusive Zweikampfwertung) abgelöst. Durch den Einsatz der Scheibenhantel Anfang des 20. Jahrhunderts (mit entsprechenden Scheiben kann das Gewicht bei diesen Hanteln angepasst werden) erzielte das Gewichtheben verstärktes sportliches Interesse, in den Jahrzehnten zuvor mussten die Athleten mit starren Hanteln und Lasten ihr Können unter Beweis stellen.
Die Wettkampfteilnehmer werden in folgende Körpergewichtsklassen eingeteilt:
| Frauen | Männer |
| Bis 48,0 kg | Bis 56,0 kg |
| Bis 53,0 kg | Bis 62,0 kg |
| Bis 58,0 kg | Bis 69,0 kg |
| Bis 63,0 kg | Bis 77,0 kg |
| Bis 69,0 kg | Bis 85,0 kg |
| Bis 75,0 kg | Bis 94,0 kg |
| Über 75,0 kg | Bis 105,0 kg |
| Über 105,0 kg |
Wettkampf
Gewichtheben unter offiziellen Wettkampfbedingungen findet auf einer 4 x 4 m großen Bühne, dem so genannten Heberboden statt. Die Sportler werden noch kurze Zeit vor dem Beginn der Veranstaltung gewogen, ihre Ausrüstung setzt sich zusammen aus einem ärmellosen Trikot, speziellen Sportschuhen, einem Gürtel sowie diversen Bandagen oder Binden.
Alle Teilnehmer haben für die beiden Disziplinen Reißen und Stoßen jeweils 3 Versuche. Beim Reißen muss der Heber die 1,85-2,20 m lange Scheibenhantel in einer Zugbewegung von der Ausgangsstellung auf dem Boden zur Hochstrecke bringen und dort im sicheren Stand über einen gewissen Zeitraum fixieren. Unterstützend darf er einen Ausfallschritt tätigen oder die Hocke einnehmen. Das Stoßen verlangt die Umsetzung des Gewichts auf Schulterhöhe durch Hocke bzw. Ausfallschritt, danach wird die Hantel durch Körperdehnung zur Hochstrecke gebracht und ruhig positioniert. Gewonnen hat derjenige, der die schwersten Gewichte in seiner Klasse und Disziplin bewältigte, bei Olympischen Spielen sieht das Reglement nur einen Sieger im Zweikampf (Gewichtsaddition Reißen und Stoßen) vor.
Beim Gewichtheben entscheidet ein Kampfgericht über die Gültigkeit eines Hebeversuches. Es setzt sich zusammen aus einem Hauptkampfrichter sowie zwei Seitenkampfrichtern. Nach dem korrekten Positionieren der Hantel in der Hochstrecke wird durch ein akustisches Zeichen das Absetzen des Gewichts erlaubt. Jeder der Kampfrichter beurteilt durch ein optisches Signal, ob die Hebung seiner Ansicht nach der Wettkampfordnung entsprach, bei Differenzen entscheidet die Mehrheit im Kampfgericht.
Als Fehlversuche gelten u.a.:
- Die Hantel wird inkorrekt zur Hochstrecke gebracht.
- Die Hantel wird nicht zur Hochstrecke gebracht.
- Der Sportler kontaktiert den Heberboden mit seinen Knien, Gesäß etc.
- Der Sportler ist nicht in der Lage, innerhalb der Zeitgrenze von 3 Minuten das Gewicht dem Reglement entsprechend zu bewältigen.
Rekorde
Um im Olympischen Zweikampf (Reißen plus Stoßen) neue Rekorde aufzustellen, muss der Gewichtheber seine Last jeweils um 2,5 kg oder ein Mehrfaches davon erhöhen. Bei den Einzeldisziplinen werden derartige Höchstleistungen im Verlauf des dritten Versuchs oder im Rahmen eines vierten Hebevorgangs angepeilt. Die Gewichtssteigerung beträgt hier mindestens 500 g oder ein Mehrfaches davon. Sowohl die Scheibengewichte als auch die Hantel werden vor dem Rekordversuch markiert, somit entfällt ein Nachwiegen. Geglückte Rekorde werden erst offiziell anerkannt, wenn die vorgeschriebene Dopingprobe der betreffenden Sportler negativ ausfällt. Weltrekorde können nur bei regulären Wettkämpfen wie nationalen Meisterschaften, Europameisterschaften, Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen aufgestellt werden.
Kleines Gewichtheber Lexikon
- Anfangsgewicht: das Gewicht, mit dem der Sportler den Wettkampf beginnt.
- Auftakt: die Hantel wird vom Boden gehoben. Als zweiter Schritt folgt das Ziehen. Beckenberührung: die Hantel touchiert beim Heben das Becken.
- Fixierung: die Hantel wird entsprechend dem Reglement über dem Kopf mit gestreckten Armen gehalten.
- Griff: Position der Hände auf der Hantel.
- Griffbreite: Handabstand auf der Hantel.
- Hantel: Sportgerät, besteht zumeist aus Metall. Findet Verwendung u.a. beim Krafttraining, Gewichtheben oder Body-Building.
- Kästen: Vorrichtung, die zum Aufstellen einer Hantel dient.
- Knieunterschieben: die Knie werden unmerklich nach vorne verlagert. Die zweite Zugphase kann hierdurch verbessert werden.
- Reißen: die Hantel wird in einem Zug zur Hochstrecke gebracht.
- Scheiben: runde, platte Gewichte, die auf der Hantel montiert werden. Durch die Scheiben wird die vom Gewichtheber gewünschte Last erzeugt.
- Startstellung: Ausgangsstellung des Hebers vor seinem Versuch.
- Stoßen: die Hantel wird auf der Brust umgesetzt und dann zur Hochstrecke gebracht.
- Umgruppieren: der Körper wird schnell unter die Hantel gebracht.
- Wiederholung: eine Übung mit der Hantel wird nochmalig durchgeführt.
- Ziehen: Phase der Hantelhebung bis zur Umgruppierung.
Bibliografie:
- Christian von Loeffelholz: Leistungsernährung für Kraftsportler, 2002
- Alistair Murray: Krafttraining. Gewichtheben für Fitness und Leistungssport, 1990
- Edgar Unger: Handbuch für Kraftsport und Bodybuilding, 1999
Institution(en):
- Bundesverband Deutscher Gewichtheber e. V.Badener Platz 6, 69181 Leimen









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