Giacomo Puccini: La Bohème
La Bohème
Seit er sich 1893 mit dem Bohème-Stoff zu beschäftigen begonnen hatte, lebte Puccini selbst in einer Bohemiens-Atmosphäre. In seinem Wohnort Torre del Lago in der Toscana gehörte er zu einer kleinen Künstler-Kolonie, die, als er mit der Komposition der Oper begann, den Club La Bohème gründeten.
Die Uraufführung von La Bohème , die der damals knapp 29jährige Arturo Toscanini leitete, fand beim Publikum eine freundliche, wenn auch nicht gerade überschwengliche Aufnahme, wurde von der Kritik aber mit vernichtenden Kommentaren bedacht. So urteilte Eduard Hanslick in der Neuen Freien Presse : "Die unmotivierte Anwendung des Häßlichen, bloß weil es häßlich ist, ... je prosaischer, je realistischer, je unsauberer, desto besser ..." La Stampa prophezeihte der Oper: "Unbedeutend werden die Spuren sein, die sie in der Geschichte unseres Musiktheaters hinterlässt." Das Publikum beurteilte La Bohème allerdings anders. Wegen der großen Nachfrage wurden in Turin im ersten Monat nach der Premiere statt der geplanten acht schließlich 24 Vorstellungen gegeben; noch 1896 gelangte das Stück außerhalb Italiens in Buenos Aires auf die Bühne, 1897 folgten Aufführungen in Moskau, London und Wien. La Bohème wurde weltweit zu einer der meistgespielten Opern und zu Puccinis erfolgreichstem Werk.
Personen: Rodolfo, Dichter; Tenor Schaunard, Musiker; Bariton Marcello, Maler; Bariton Colline, Philosoph; Bass Benoît, Hauswirt; Bass Mimi; Sopran Musette; Sopran Parpignol; Tenor Alcindoro, Staatsrat; Bass Zollwächter; Bass Studenten, Mädchen, Bürger, Verkäufer, Kellner, Soldaten, Kinder
Handlung: Paris, um 1830

Erstes Bild: In einer ungeheizten Dachstube führen die vier Künstlerfreunde Rodolfo, Schaunard, Marcello und Colline ein kärgliches, aber unbeschwertes Leben. Da Weihnachten ist, wollen sie den Abend im Café Momus verbringen. Zunächst aber erscheint der Hauswirt, um die überfällige Miete zu kassieren. Mit geistreichen Scherzen und weil sich Benoît dank des reichlich angebotenen Weines verplappert hat, gelingt es den Freunden, den Hauswirt abzuwimmeln, ohne einen Heller bezahlt zu haben. Während die übrigen nun zum Café Momus aufbrechen, bleibt Rodolfo zurück, um einen Zeitungsartikel zu beenden. Es klopft, die Nachbarin Mimi erscheint, die darum bittet, hier ihre erloschene Kerze anzünden zu dürfen. Als sie wieder Licht hat, ist ihr Schlüssel verschwunden. Beim Suchen werden versehentlich beide Kerzen gelöscht, und Rodolfo und Mimi kommen sich im Dunkeln näher ( Che gelida manina/Wie eiskalt ist dies Händchen ). Die beiden erzählen einander von ihrem Leben ( Si, mi chiamano Mimi/Man nennt mich nur Mimi ), und schließlich brechen die frisch Verliebten gemeinsam zum Café Momus auf.
Zweites Bild: Am Weihnachtsabend herrscht im Quartier Latin lebhaftes Treiben. Rodolfo kauft ein Häubchen für Mimi und stellt sie dann im Café seinen Freunden vor. Mitten in den Trubel platzt Musette, die frühere Freundin Marcellos, mit ihrem neuen Liebhaber, dem stattlichen Staatsrat Alcindoro, der dem Temperament seiner Begleiterin sichtlich nicht gewachsen ist. Während Musette mit allen Mitteln Marcellos Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen sucht, möchte dieser seine untreue Freundin am liebsten gar nicht zur Kenntnis nehmen. Schließlich gelingt es ihr, ihren neuen Freund unter einem Vorwand fortzuschicken, und es kommt zu einer Versöhnung zwischen Musette und Marcello. In bester Stimmung verlassen alle das Lokal; die Rechnung überlassen sie dem zurückkehrenden Alcindoro.
Drittes Bild: Einige Zeit ist vergangen. An einem trüben Wintermorgen sucht Mimi in den Außenbezirken von Paris nach Marcello. Sie findet ihn in einem Gasthaus, wo er mit Musette wohnt. Mimi klagt dem Maler ihr Leid: Rodolfo hat sie am Vortag verlassen, ohne Gründe für diesen Schritt zu nenen. Mimi vermutet, dass er eifersüchtig ist. Dann versteckt sie sich, denn Rodolfo erscheint. Dieser erklärt auf Befragen seines Freundes, dass er sich von Mimi habe trennen müssen, weil er der an Schwindsucht erkrankten nur bittere Armut bieten könne. Ein Hustenanfall verrät Mimis Anwesenheit. Auch sie sieht ein, dass es vernünftiger wäre, das bisherige Leben aufzugeben, doch als die Liebenden endgültig ihre Trennung vollziehen wollen, wird ihnen der Abschied zu schwer: Sie beschließen, ihn auf die "Zeit der Blumen" zu verschieben. Während hier also die Liebe siegt, kommt es zwischen Musette und Marcello nach einem eifersüchtigen Streit zum Zerwürfnis.
Viertes Bild: Marcello und Rodolfo, den Mimi inzwischen wirklich verlassen hat, brüten in der Dachkammer über ihrem Liebesleid. Erst als Schaunard und Colline hereinkommen, lassen sich die Freunde ablenken und zu einer lustigen Maskerade bewegen. Da erscheint Musette mit der todkranken Mimi, die sich wünscht, an Rodolfos Seite zu sterben. Während alle bereit sind, ihre letzten Habseligkeiten herzugeben, um der Kranken zu helfen, durchleben Mimi und Rodolfo in der Erinnerung noch einmal ihre glücklichsten Stunden. Dann stirbt Mimi still und in Frieden; Rodolfo wirft sich verzweifelt über die Geliebte.
Bibliografie:
- Rainer O. Brinkmann: Giacomo Puccini: La Bohème, 2003
- Clemens Höslinger: Giacomo Puccini, 2003
- Dieter Schickling: Giacomo Puccini- Catalogue of the Works, 2003
- Isolde Schmid-Reiter (Hrsg.): Stichwort: Verismo, 2003









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