Gleitschirmfliegen
Kurze Geschichte der Sportart
Die Technik des Gleitschirmfliegens geht maßgeblich auf die Entwicklungen des NASA-Ingenieurs Francis Melvin Rogallo zurück, der bereits 1948 dreieckige Schirme patentierte, die, wie auch die heutigen Schirme, durch Staudruck ihr Flugprofil erhielten und mit "vorne offenen Stoffröhren, die parallel nebeneinander angeordnet (sind) und durch den Fahrtwind aufgeblasen eine Tragfläche bilden". In den 1960er Jahren wurden die Ideen Rogallos durch die amerikanischen Pioniere David Barish und Domina Jalbert aufgegriffen und ausgefeilt. Sie unternahmen in den Jahren 1965-1967 die ersten Flugversuche und Vorführungen der Geräte am Berg. Ebenfalls auf einem Patent von Rogallo basierten die so genannten "Matratzenschirme", die durch Jalbert weiterentwickelt wurden. Sie lösten innerhalb kürzester Zeit die ehemals geflogenen Rundkappenschirme im Militärischen sowie im Wettkampf- und Hobbybereich ab. Größter Vorteil dieser Entwicklung ist die Steuerbarkeit der Schirme, die bei den Rundkappen nicht gegeben war und viele Unfälle zur Folge hatte. Aber nicht nur die Entwickler der Schirme, sondern vor allem auch die Piloten waren die wahren Helden in der Geschichte des Gleitschirmfliegens. Der amerikanische Fallschirmspringer Steve Snyder war einer der ersten Piloten, der sich mit einem "Matratzenschirme" in den Himmel traute. Und in den Gründerjahren des Sports war es besonders der amerikanische Journalist Dan Poynter, der in vielen Berichten über das so genannte "Sloap Soaring" berichtete, wie der Sport zunächst hieß.
Bevor sich das Gleitschirmfliegen durchsetzen konnte, wurde durch die Entwicklung der ersten Hängegleiter (der so genannten Drachen) das Fliegen revolutioniert. Da sich die frühen Schirme überhaupt nicht mit den einigermaßen passablen Leistungen dieser Deltasegler messen konnten, verlangsamte sich deren Weiterentwicklung zunächst. Erst 1978 kam es durch die Flugversuche der französischen Fallschirmspringer Jean Claude Béttemps und Gérard Bosson zu einem Innovationsschub. Ihre Idee war es, durch Hangstarts die hohen Kosten ihres Sportes zu reduzieren, die durch die Abhängigkeit von einem Flugzeug und einer entsprechenden Lande- und Startbahn entstanden. Von nun an begann der Siegeszug des Gleitschirms. Wie später in Deutschland auch, wurde die neue Sportart in die bereits gegründeten Verbände der Hängegleiter aufgenommen. Vor allem die Entwicklung des "Randonneuse" durch Laurent de Kalbermatten, der eine doppelt so hohe Gleitleistung hatte als die zuvor konstruierten Schirme, verhalf der jungen Sportart zu neuen Impulsen. Von nun an konnte auch an flacheren Hängen gestartet werden. Vor allem Neulingen in dem Sport kam das sehr entgegen, da die Angst vorm Fliegen an den unsicheren Geräten zunächst durch oft waghalsige Startmanöver überwunden werden musste. Mit immer neuen Entwicklungen wurden die Schirme in den folgenden Jahren ständig leistungsstärker und sicherer. Mittlerweile haben Gleitschirme die Drachen am Himmel so gut wie verdrängt. Viele Flugschulen haben es gänzlich aufgegeben, Drachenfliegernachwuchs zu schulen. Die Wendigkeit der Schirme, die sehr einfachen Flugvorbereitungen und die Kompaktheit des Materials haben viele ehemalige Drachenflieger zu Gleitschirmfliegern werden lassen - auch wenn sich heute die Leistungen der Gleitschirme in Geschwindigkeit und Gleitwinkel mit den Drachen nicht messen lassen.
- Kurze Geschichte der Sportart
- Das Material
- Das Fliegen
- Die Ausbildung
- Der Deutsche Hängegleiterverband und lokale Vereine
Bibliografie:
- Peter Jannsen, Karl Slezak, Klaus Tänzler: Gleitschirmfliegen, 2002
- Toni Bender, Peter Jannsen, Klaus Tänzler: Gleitschirmfliegen für Meister, 2003








0 Kommentare