Götter der Germanen
Wodin oder Odin, der Herrscher über Asgard
Die Wikinger betrachteten Odin, den Allvater, als Herrscher über Asgard, der den Speer des Teiwas geerbt hatte und somit der Lenker der Schlachten war. Sein Vorgänger Wodan war der höchste Gott der Langobarden und anderer Germanenstämme. Odin wie Wodan waren eng mit der Unterwelt und den Toten verbunden. Er war der Gott der Könige, der viel versprechenden jungen Prinzen Unterstützung gewährte und ihnen zum Zeichen seiner Gunst magische Schwerter und andere Geschenke gab, sie jedoch unbarmherzig zerstörte, wenn ihre Zeit gekommen war. Die Leichenverbrennung, die häufig notwendig war, um die Toten nach einer Schlacht zu beseitigen, war mit dem Kult Odins verbunden.
Es gibt zahlreiche Erzählungen von Odins treuen Gefolgsleuten, den Berserkern, die während der Schlacht Bären- oder Wolfsfelle trugen und in Ekstase gerieten, wodurch sie unempfindlich gegen Schmerz wurden. Odin verlieh auch Poeten und Rednern die Gabe der Ekstase, und in der isländischen Dichtung wird oft erwähnt, dass er den magischen, anregenden Met herstellte. Außerdem brachte er seinen Anhängern Reichtum, was in seinem Ring namens Draupnir symbolisiert wurde, der sich selbst vermehrte und so unendlich viel Gold hervorbrachte.
Odin war aber auch ein Gott der Magie und der Weissagung, insbesondere im militärischen Bereich. Man opferte ihm Kriegsgefangene, die erstochen oder erhängt wurden. Derartige Opfer waren häufig eine Form der Weissagung, denn man glaubte, die letzten Zuckungen des Opfers würden Auskunft über Sieg oder Niederlage geben. Odin selbst hing als Opfer am Weltenbaum, um Kenntnis der Runensymbole zu erhalten, die bei Prophezeiungen verwendet wurden. Außerdem opferte er ein Auge, um Wissen zu erlangen, und erschien als alter, einäugiger Mann mit Mantel und breitkrempigen Hut auf der Erde. Seine ständigen Begleiter waren Wölfe und Raben, die Geschöpfe des Schlachtfelds; zwei Raben brachten ihm von überallher Nachrichten von den Schlachten.
Odin war ein Meister der Verwandlung, der seinen Geist in Gestalt eines Vogels oder anderen Tieres aussandte, was ihm, neben der Fähigkeit, ins Reich der Toten zu reisen, eine Ähnlichkeit mit den Schamanen der nordeurasischen Völker verleiht.
Als die Römer sich mit den Germanen befassten, konnten sie nur von ihrer eigenen religiösen Vorstellungswelt ausgehen. So gaben die römischen Händler "bei Merkur" ihr festes Wort, die Germanen riefen Wodan an. Tacitus hat entsprechend den Wodan als mächtigsten Gott dem Merkur gleichgesetzt. Wodan, in der späteren Sage der "unheimliche wilde Jäger" der Lüfte mit kläffender Meute, ist der Gott des Windes, des Sturmes, des Atems und damit der Seelen, der Toten und des Jenseits gewesen. Dass dieser Gott kulturell der jägerischen Frühzeit angehört, zeigen seine schamanistischen Züge: Die Erinnerung an schreckliche Prüfungen, die ein Schamane, ein Jagdzauberer, vor Ausübung seiner Macht durchstehen musste, ist in dem Bericht der "Edda" erhalten. Dort wird erzählt, wie Odin, ans Stammholz der Weltesche Yggdrasil geschlagen, die Runen findet.
Der "Wodanstag", von den Christen zum "mittleren Tag" der Woche erklärt, ist der Mittwoch (ahd. mettawech, engl. wednesday); die Namen Godesberg (aus Wodansberg entstanden), Gutmannshausen bei Weimar (aus Wodanshusen) verweisen auf alte Kultstätten. Wodan trägt, wie Merkur, unter all den Göttern als Einziger einen Hut; auf seinem Hochsitz freilich trug er einen goldenen Helm.
Odin, wie ihn die "Edda" überliefert, und Wodan, der im südgermanischen Raum verehrt wurde, sind nicht ohne weiteres identisch, wenn auch im Grunde die gleiche Gestalt. Wodan ist nicht zunächst Gott, sondern der Zauberer, wie ihn auch der zweite Merseburger Zauberspruch überliefert, in dem Wodan "zi holza" fährt, ins Holz, in den Wald. Aus diesem Bereich dürfte die Runenfindung stammen, hier bietet die Archäologie die meisten runengeritzten Lanzenspitzen, so kommt der Mythos der Runenfindung wohl von Wodan auf Odin.
- Wodin oder Odin, der Herrscher über Asgard
- Donar oder Thor - Der Donnergott
- Frigg
- Balder, der Sohn Odins
- Loki, der Listige
- Freyr
- Freyja
- Tiuz (Tiu), der "Strahlende, Glänzende"
- Heimdall
- Göttinnen der Vanen
- Muttergöttinnen und weibliche Geister
- Walküren
- Nornen
Bibliografie:
- Klaus Bemmann: Die Religion der Germanen. Die Religion der Deutschen bevor sie Christen wurden. Essen 1998
- Hans P. Hasenfratz: Die religiöse Welt der Germanen. Ritual, Magie, Kult, Mythos Freiburg 1999
- Elard H. Meyer: Mythologie der Germanen. Essen 1997
- Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie. Stuttgart 1995.
- Tacitus: Germania. Lateinisch-deutsch. Hrsg. von Alfons Städele. Düsseldorf 1999
- Jan de Vries: Altgermanische Religionsgeschichte, 2 Bde. Berlin 1970









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