Grand Canyon
Überblick
Der Grand Canyon ist die tiefste, längste und breiteste Schlucht der Welt. Über Jahrmillionen hat sich der Colorado River immer tiefer in die Felsenlandschaft eingeschnitten.Der Grand Canyon ist heute eine der wichtigsten Touristenattraktionen im Südwesten der USA. Rund 5 Millionen Besucher wollen jährlich einen Blick in die atemberaubenden Abgründe werfen. Das Tourismusgewerbe vor Ort sieht sich dadurch vor große Aufgaben gestellt. In der unwirtlichen Gegend Gäste zu bewirten, erfordert einen enormen logistischen Aufwand. Bei Temperaturen, die sommertags über 50°C steigen, ist eine Vieh- oder Ackerwirtschaft kaum möglich. Trinkwasser und Lebensmittel müssen von weit her angeliefert werden. Denn außer dem Grand Canyon und dem Colorado River gibt es in der Region eigentlich nur Wüste, sieht man von den Hotelbauten ab, die wohl kein vernünftiger Mensch in diese Gegend gesetzt hätte, gäbe es da nicht dieses Naturmonument.
Geographische Lage
Der Grand Canyon liegt im Norden des US-Bundesstaates Arizona. Verursacher und Mittelachse des Naturschauspiels ist der Colorado River, der sich vor und hinter dem Grand Canyon zu Lake Powell und Lake Mead aufstaut. Arizona und seine Nachbarstaaten liegen im stark strukturierten Felsland, das den Landeswesten in Nord-Süd-Richtung durchzieht. Mehrere kleinere Canyons finden sich auch im Mormonenstaat Utah.
Zu erreichen ist der Grand Canyon von Süden aus über die Interstates 17 und 40 und dann über kleinere Highways; die Nordseite ist schlechter erschlossen. Obwohl diese Region sehr harte Bedingungen an jegliches Leben stellt, gibt es eine lange Siedlungstradition. Funde beweisen, dass hier schon vor etwa 17 000 Jahren Menschen gelebt haben. Bevor die weißen Siedler diese Gegend erreichten, waren es Indianer, die gut angepasst an die klimatischen Verhältnisse der Steinwüsten siedelten. Heute leben sie zurückgezogen in Reservaten, verteilt um den Grand Canyon.
Landschaft
Forscher schätzen, dass der Colorado River sich bereits seit 10 Millionen Jahren immer tiefer in die bergige Landschaft gegraben und somit den Grand Canyon geschaffen hat. Fast 450 km lang und bis zu 30 km breit ist die Schlucht. An ihren tiefsten Stellen geht es bis zu 1700 m in die Tiefe. Dabei eröffnet sich dem Beobachter der Blick auf zahlreiche Gesteinsschichten, die sich in den letzten zwei Milliarden Jahren gebildet haben. Wegen der unterschiedlichen Härte der Schichten hatte der Colorado es mal mehr und mal weniger schwer, den Stein auszuwaschen. Eine Folge davon ist das deutliche Treppenprofil, das die Wände des Grand Canyon heute aufweisen. Der Abstieg in die Schlucht ist nur zu Fuß oder auf einem Maultier möglich und sollte von einem erfahrenen Führer begleitet werden. Zwar besteht auf den ausgebauten Serpentinenwegen keine Absturzgefahr, aber man kann sich in den Weiten des Canyons leicht verlaufen. Je nach Lichteinfall schimmern die Felsformationen rötlich bis braun. An anderen Stellen sorgt eine kärgliche Vegetation für ein leichtes Grün. Der Grand Canyon macht den Westen des ganzjährig geöffneten Grand Canyon National Parks aus, ist aber nicht seine einzige sehenswerte Stelle. Bergig sind auch die Nachbarstaaten Arizonas, wenngleich sich die Akzente leicht verschieben. In Utah etwa haben Erosionen durch Regen und Wind einige Felsenbögen, die so genannten "Arcs" oder "Arches" hinterlassen. Einige von ihnen könnte man auch als natürliche Brücke benutzen.
Das Klima des Grand Canyon ist sehr unterschiedlich und extrem. In den Sommermonaten reichen die Temperaturen am Südrand (2100 m hoch) des Canyons zwischen 10° und 25° Grad Celsius. Der Nordrand ist 300 Meter höher und durchschnittlich gegenüber dem Südrand um 5° Grad kühler. Am Colorado River kann das Thermometer im Sommer bis auf 50° Grad Celsius ansteigen. Dagegen können im Winter die Temperaturen bis auf -20° Grad fallen, verbunden mit Schneefall. Es kann passieren, dass - während am Nordrand noch tiefster Winter ist - im Tal schon Wüstenpflanzen gedeihen. Der durchschnittliche Niederschlag beträgt im Canyon-Inneren weniger als 250 mm, am Südrand rund 400 mm und am Nordrand sogar bis 700 mm pro Jahr.
Sehenswürdigkeiten
South Rim
Der South Rim ("südlicher Rand" / "Südkante") liegt über 2100 m über dem Meeresspiegel und bietet einen wunderbaren Überblick über die Landschaft des Grand Canyons. Empfehlenswert, aber auch überlaufen, sind die Aussichtspunkte Yaki Point und Mather Point. Vom South Rim aus fahren Shuttlebusse über den West-Rim-Drive bis Hermit’s Rest. Auch diese Fahrt eröffnet herrliche Aussichten, Fensterplatz vorausgesetzt. Wer vom Süden her über den Highway 180 zum South Rim fährt, kann etwa 10 km vor seinem Ziel einen Zwischenstopp einlegen und sich auf den Grand Canyon einstimmen. In dem Ort Tusayan direkt am Highway befindet sich ein großes Kino, in dem ein Dokumentationsfilm über die Schlucht fest zum Programm gehört.
Grand Canyon Village
Dieser Ort ist ein Kunstprodukt, das für Touristen geschaffen worden ist. Dennoch werden sich Gäste nach einem harten Wandertag in und am Grand Canyon freuen, mitten in der Wüste auf die Annehmlichkeiten der Zivilisation zu stoßen. In diesem Ort befinden sich zahlreiche Hotels mit klimatisierten Zimmern, kleine Geschäfte, gemütliche Restaurants und einige Museen, die sich natürlich mit dem Grand Canyon beschäftigen. Grand Canyon Village ist vom Mather Point keine 5 km entfernt, so dass man zwischen Hotel und Aussichtspunkt rund eine Stunde Fußweg rechnen muss.
Route 66
Was eine Straße zur Legende macht, kann man am ehesten als Motorradfahrer verstehen. Auf einer Harley Davidson in sengender Hitze über die Route 66 zu fahren, ist für viele Zweiradfreunde ein Lebenstraum. Östlich von Kingman verläuft die Route 66 als Seitenstraße der Interstate 40 an der südlichen Grenze des Nationalparks her. Die genaue Lage beschrieb in den 1950er Jahren Bobby Trump in einem Song, der später noch von vielen Interpreten (u.a. den Rolling Stones) nachgespielt werden sollte. Pilgerstätten für Route-66-Anhänger sind in Kingman die Lobby des Quality Inn und das Restaurant Mr. D’z sowie in Hackberry das Route-66-Visitor-Center. Traditioneller Pausenstop und Treffpunkt fachsimpelnder Motorradfahrer ist Grand Canyon Caverns.
Die Indianer-Reservate
Arizona ist traditionelles Indianerland, doch durch die weißen Siedler wurden die Eingeborenen verdrängt. Heute leben sie in Reservaten, von denen sich um den Grand Canyon National Park herum einige befinden. Dem Besucher offenbart sich hier das Drama der Indianer-Kultur, das so gar nicht dem romantisierenden Indianer-Klischee entspricht. Statt in Tipis lebe viele Indianer in baufälligen Wohnwagen oder einfachen Verschlägen. Ihren Lebensunterhalt verdienen sie als Attraktion für Touristen. In vielen Stämmen ist der Alkoholismus weit verbreitet; einige Indianervölker organisieren sogar Wegsperren an den Reservationsgrenzen, um die Einfuhr von Alkohol und anderen Drogen zu unterbinden. Touristen sollten dies nicht außer Acht lassen, wenn sie ein Reservat besuchen wollen und sich unaufdringlich verhalten.Das gilt vor allem auch fürs Fotografieren: Nicht jeder Stammestanz ist für Touristen inszeniert, oft handelt es sich dabei tatsächlich um religiöse Riten. In Nord-Arizona befinden sich u.a. die Reservationen der Navajos, Hopi, Mohave, Havasupai, Kaibab und Hualapai.
Monument Valley
Direkt an der Grenze zwischen Utah und Arizona, genauer gesagt an der Route 163 gelegen, ist dieses rund 150 km vom Grand Canyon entfernte Tal durch zahlreiche Western und Werbefilme weltberühmt geworden. Die mächtigen Monolithen und roten Tafelberge des Tals liegen im Reservat der Navajo-Indianer, von denen einige Familien hier noch ganz traditionell leben. Die bekanntesten Felsformationen sind die beiden "Mittens", zwei Sandsteinfelsen, die wie aufrecht stehende Fäustlinge geformt sind.
Canyon de Chelly National Monument
Gut 200 km östlich des Grand Canyon liegen diese beiden spektakulär zerklüfteten Schluchten im Navajo-Reservat. Das Gelände hatte bereits den Anasazi-Indianern vor gut 800 Jahren Schutz geboten und ihnen die Möglichkeit zum Ackerbau in den Talsohlen gegeben. An den Felswänden der 50 km langen und 300 m tiefen Canyons lassen sich noch die Klippenhäuser der Anasazi erkennen, die diese direkt in den Fels geschlagen hatten. Die besten Überblicke über das Gelände hat man am Mummy Case Overlook, am Antelope House Overlook, am White House Overlook und am Spider Rock Overlook.
Lake Powell
Der zweitgrößte Stausee der USA liegt vom Grand Canyon aus stromaufwärts am Colorado River. Mit einer Gesamtuferlänge von mehr als 3000 km ist der See ein Eldorado für Wassersportler und Wochenendausflügler geworden. Seit 1964 staut der Glen Canyon Dam den Colorado hier auf. Das Städtchen Page an der Südseite des Damms ist ein idealer Ausgangspunkt für Bootstouren.
Hoover Dam / Lake Mead
40 km südöstlich von Las Vegas befindet sich dieser gewaltige Staudamm, der den Colorado River zu einem der größten Kunstseen der Welt, dem Lake Mead, aufstaut. Der Hoover Dam ist 221 m hoch und an seiner Basis etwa genau so dick, ein gewaltiger Koloss, der wie von Geisterhand in den Black Canyon eingelassen zu sein scheint. Der Bau des Damms wurde bereits 1922 von der US-Regierung beschlossen, dann aber erst neun Jahre später begonnen. Nach nur vier Jahren Bauzeit war der Damm 1935 fertig gestellt. Das Kraftwerk des Damms versorgt nicht nur die Glitzermetropole Las Vegas sondern auch einen Teil Südkaliforniens mit Strom. Vom Visitor Center an der Canyon-Westseite hat man einen spektakulären Blick in die Tiefe. Das Kraftwerk kann man im Übrigen während einer ca. 40-minütigen Führung besichtigen. Der künstliche Lake Mead erstreckt sich mitten in der Wüste um Las Vegas auf einer Länge von 180 km und lädt mit seinen Stränden zum Baden ein.
Bryce Canyon National Park
Wer von der Größe und den gewaltigen Ausmaßen des Grand Canyon erschlagen wird, der wird im Bryce Canyon mit sehr viel überschaubareren Relationen empfangen und landet gleichzeitig im wahrscheinlich schönsten Canyon der USA. Der zum US-Bundesstaat Utah gehörende Nationalpark liegt knapp 200 km nordwestlich des Grand Canyon und besticht mit seiner einzigartigen Fülle zerklüfteter Felssäulen, die durch Eisen und Mangan in verschiedene Rottöne abgestuft sind. Durch Regen, Eis und Wind sind über Millionen von Jahren hinweg die vorhandenen Felsen ausgewaschen worden, und es entstand eine atemberaubende Landschaft bizarrer Felsformationen, die teilweise wie Burgen und Schlösser, teilweise wie Stalagmiten oder Salzsäulen erscheint. Bei einem Spaziergang durch das nur 146 km2 große Gelände verändert der Canyon - je nach Blickwinkel - ständig sein Aussehen. Besonders spektakulär sind die Farbeffekte der Felsen bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang zu beobachten. Die Paiute-Indianer nannten das Gebiet übrigens Unka-timpewa-wince-pock-ich, was so viel bedeutet wie "rote Felsen wie stehende Männer in einem Tal".
Besichtigungen und Wanderungen
Die Gegend um den Grand Canyon eignet sich hervorragend für Wanderungen. Die beliebteste Wanderroute ist der 15 km lange Bright Angel Trail, der vom Südrand des Canyons zum Colorado River führt. Für den Abstieg werden etwa 3 Stunden, für den Aufstieg 4-5 Stunden benötigt. Jedoch sollte man besonders wegen der klimatischen und morphologischen Gegebenheiten darauf achten, genügend Flüssigkeit und Nahrung während der Wanderung zu sich zu nehmen, genügend Pausen zu gestalten und sich allgemein nicht zu überschätzen. Jährlich müssen über 200 Personen wegen Selbstüberschätzung gerettet werden. In den Sommermonaten werden von Rangern geleitete und kommentierte Wanderungen angeboten. Dabei wird dem Zuhörer die Entstehung des Canyons, die Parkgeschichte sowie Fauna und Flora erklärt.
Weiterhin sind Ritte auf dem Rücken von Maultieren hinab in den Grand Canyon möglich. Allerdings sollte man sich frühzeitig für ein solches Spektakel anmelden. Manche Maultierritte sind über ein Jahr im Voraus ausgebucht. Die Ritte selbst können zwischen einem halben Tag am Rand des Canyons und ein bis zwei Tagen ins Innere des Grand Canyons dauern. Die entspannteste Möglichkeit zur Besichtigung des Grand Canyons ist ein atemberaubender Rundflug mit einem Helikopter in und um den Grand Canyon. Neben Wandern, Reiten und Fliegen ist es möglich, den Grand Canyon per Schlauchboot zu erleben. Diese bis zu 440 Kilometer langen Wildwasserfahrten auf dem Colorado River können bis zu 14 Tagen dauern und beinhalten Dutzende Stromschnellen von verschiedenen Schwierigkeitsstufen.
Geschichte
Der Südwesten der USA ist in besonderem Maße von den Indianerstämmen geprägt. Die ersten Indianer wanderten bereits Jahrtausende vor Christi Geburt aus Sibirien über die Beringstraße ein und besiedelten Amerika. Die Blütezeit der Pueblokulturen war zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert, als Mogollon-, Hohokam- und Anasazi-Indianer Städte und Farmen anlegten. Danach drängten im 15. Jahrhundert die nomadischen Stämme der Apachen und Navajos in den Südwesten des Landes. Die Spanier erkundeten im 16. Jahrhundert von Mexiko aus den Südwesten der Region, dabei entdeckte López de Cárdenas bereits 1540 den Grand Canyon. Bis ins 19. Jahrhundert hinein kolonisierten die Spanier den Südwesten und verstärkten die Missionierung des Landes. Erst 1848 erhielten die USA nach einem gewonnenen Krieg die mexikanischen Kolonien.
Es begann die Zeit des "Wilden Westens" mit unzähligen Indianerkriegen, ersten Farmgründungen, Goldgräbern und diversen Revolverhelden. 1886 ergaben sich die Apachen. Damit war der letzte Indianerkrieg zu Ende. Bereits 1869 war die transkontinentale Eisenbahn fertig gestellt, mit der John Wesley Powell als Erster den Grand Canyon durchfuhr. Um die Jahrhundertwende wurden Utah, Arizona und New Mexico zu US-Bundesstaaten erklärt. 1926 wurde mit der Route 66 die erste Straße eröffnet, die quer durch den amerikanischen Kontinent führte. Die Nachkriegszeit nach dem Zweiten Weltkrieg brachte der Region einen großen wirtschaftlichen Aufschwung und eine starke Bevölkerungszunahme. Ab den 1960er Jahren gelang es, durch große Staudammprojekte und Bewässerungsanlagen die Wüste Arizonas fruchtbar zu machen. Mit dem NAFTA-Freihandelsabkommen erlebten die Städte an der mexikanischen Grenze einen erneuten Boom.
Veranstaltungskalender
- Februar: Fiesta de los Vaqueros mit Reiterspielen und Parade in Tucson, AZ
- März: Indian Fair and Market im Heard Museum in Phoenix, AZ
- Mai: Cinco de Mayo: an dem Wochenende, das dem 5. Mai am nächsten liegt, wird der mexikanische Unabhängigkeitstag in Arizona mit Fiestas, Paraden, Jahrmärkten und Mariachi-Musik gefeiert; Revolverhelden treffen sich in Tombstone, AZ, zu den Wyatt Earp Days
- Juni: Junior Rodeo in Payson, AZ
- Juli: Loggers-Sawdust Festival der Holzfäller Arizonas in Payson, AZ
- Oktober: Arizona State Fair, der größte Jahrmarkt des Südwestens mit viel Country-Musik in Phoenix, AZ
Bibliografie:
- Deborah Bosley: Kalifornien. Mit Grand Canyon und Las Vegas, Köln 2002
- Colin Fletcer: Grand Canyon. Wanderer durch die Zeit, München 2001









0 Kommentare