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THEMEN

Große Börsen- und Finanzkatastrophen

Lexikon: Spekulation und Börsencrash

Unter einem Crash an der Börse versteht man einen starken Kursrutsch auf breiter Grundlage. Dabei fallen die Kurse innerhalb eines Handelstages um mehr als 10%. Ein Crash an einer großen internationalen Börse zieht oft Kurseinbrüche an anderen Finanzplätzen nach sich, da die Kapitalströme global vernetzt sind. Grundlage von Katastrophen an Finanzmärkten ist in der Regel eine überzogene Spekulation. Der klassische Spekulant kauft bzw. verkauft Waren, Aktien oder Devisen nur mit der Absicht, mit zukünftigen Preisänderungen dieser Produkte Gewinne zu erzielen. Er trägt dabei das Risiko, dass die reale Preisentwicklung nicht nach seiner Einschätzung verläuft. Diese Risikoübernahme lässt er sich von anderen Marktteilnehmern bezahlen. Bereits aus der Frühzeit des Kapitalismus sind einige Fälle von spekulativen Exzessen bekannt. Jeder, der Aktien im Besitz hat, möchte natürlich wissen, ob es Warnzeichen gibt, an denen ein drohender Kurseinbruch zu erkennen ist.

Die aus Innerasien stammende Tulpe versetzte zu Beginn des 17. Jahrhunderts ganz Holland in einen Spekulationstaumel, der bald jeglichen Realitätsbezug vermissen ließ. Immer mehr Menschen investierten in Tulpenzwiebeln, jede Preissteigerung zog neue Glücksritter an, die schnellen Reichtum witterten. Seltene Exemplare der Pflanze erzielten Preise, die nach heutiger Rechnung bei rund 50 000 Euro lagen. Schließlich zogen die ersten Spekulanten ihre Gewinne aus dem Markt, der1637 nach Panikverkäufen crashartig zusammenbrach. Diese so genannte Tulipomanie lieferte das Drehbuch, nach dem auch spätere Börsenkatastrophen ablaufen sollten.

1720 platzten mit der South Sea Bubble in London und dem durch John Law verursachten Finanzskandal um die Banque Royale in Paris gleich zwei gewaltige Spekulationsblasen. Die Spekulanten hatten Aktien der South Sea Company gekauft mit der vagen Hoffnung auf den Zugang zu Goldvorkommen in Amerika. Die Aktie stieg von 120 Pfund auf über 1000 Pfund bevor die enttäuschten Hoffnungen das Kartenhaus zum Einsturz brachten. Ähnliches geschah in Paris, wo der Schotte John Law mit der Ausgabe von Papiergeld durch seine Banque Royale die französische Staatsverschuldung beheben wollte. Die von Law gegründete Mississippi-Company sollte durch Erträge aus dem Goldhandel die Papiergeldausgabe absichern. Als die ersten Spekulanten ihre Banknoten in Gold umtauschen wollten, kollabierte die ganze Konstruktion. Diese beiden Ereignisse aus dem 18. Jahrhundert sind eher als die Tulipomanie in Holland, die eine Warenhandelskrise darstellte, mit den großen Börsenkatastrophen der jüngeren Geschichte zu vergleichen.

  1. Lexikon: Spekulation und Börsencrash
  2. Der Schwarze Freitag 1929
  3. Der Crash von 1987
  4. Die Asienkrise 1997
  5. 11. September 2001 und Dow-Jones-Index
  6. Der Zusammenbruch des Neuen Marktes
  7. Die US-Immobilienkrise

Bibliografie:

  • Michael Bloss u. a.; Von der Subprime-Krise zur Finanzkrise: Ursachen, Auswirkungen, Handlungsempfehlungen, 2008
  • Gerald Braunberger, Bendikt Fehr (hrsg.), Crash: Finanzkrisen gestern und heute, 2008
  • John Kenneth Galbraith: Finanzgenies: Eine kurze Geschichte der Spekulation, 1992
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