Hagia Sophia
Baugeschichte
Vorgängerbauten
Vermutlich wurde schon unter dem römischen Kaiser Konstantin I. (280-337), dem Großen, mit dem Bau einer "großen Kirche" (Megale Ecclesia) in Konstantinopel begonnen; ihre Weihe erfolgte 360 unter Kaiser Konstantius II. Nachdem diese Kirche 404 niedergebrannt war, erfolgte ein Neubau, der 415 fertiggestellt war. Diese fünfschiffige Basilika mit westlicher Vorhalle wurde 532 während des Nika-Aufstandes zerstört, woraufhin Justinian den Bau der Hagia Sophia in Auftrag gab.
Weihe der Hagia Sophia unter Justinian
Kaiser Justinian I., unter dessen Herrschaft (Ost-)Rom wieder zum Weltreich wird, ist ein großer Förderer der Architektur. Er scheut keine Ausgaben, um die religiöse Grundlage seiner Macht auch äußerlich zur Schau zu stellen. Nach der Zerstörung der alten Basilika lässt er deren Trümmer sorgfältig planieren. Die Architekten Anthemios von Tralles und Isidorus von Milet, die er mit dem Bau der Hagia Sophia betraut, zeichnen sich vor allem als Mathematiker und Theoretiker aus. Beide stammen aus Kleinasien. Als Kaiser Justinian bei der Weihe der Kirche das Mittelportal durchschreitet, ruft er in seiner Begeisterung über den Bau aus: "Preis und Ehre sei Gott, dem Allerhöchsten, der mich für würdig hielt, ein solches Werk zu vollenden. Salomo, ich habe dich übertroffen."
Restaurierungsarbeiten
Bereits 558 stürzt die Kuppel der Hagia Sophia bei einem Erdbeben ein. Sie wird unter Leitung von Isidorus dem Jüngeren wieder aufgebaut. Er nimmt dabei einige für die Statik bedeutsame Änderungen vor: Die tragenden Pfeiler werden verstärkt, und die ursprünglich sehr flache Kuppel erhält nun einen sechs Meter höheren Scheitelpunkt. Noch unter Justinian I. wird die Hagia Sophia am 24. Dezember 563 neu geweiht. Das Tragesystem der Kuppel hat sich seitdem als sicher erwiesen. Es kommt zwar im 10. und 14. Jahrhundert zu Teileinstürzen, diese beruhen jedoch darauf, dass die Unterkonstruktion nachgibt.
Die Hagia Sophia wird Moschee
Nach der Eroberung der Stadt durch die Osmanen 1453 dient die Hagia Sophia über Jahrhunderte als Hauptmoschee von Istanbul, wie Konstantinopel nun heißt. Damit der Bau dieser neuen Funktion gerecht wird, erhält er zunächst eins, bald zwei Minarette und eine neue Innenausstattung. So werden mittels einer schräg eingebauten Gebetsnische die Apsis nach Südosten gen Mekka ausgerichtet und eine Freitagskanzel vor dem entsprechenden Pfeiler der Halbkuppel aufgestellt.
Der durch seine Moscheenbauten bekannte Architekt Sinan nimmt ab 1573 umfangreiche Sicherungsarbeiten am Außenbau vor und lässt vier neue Minarette an den Ecken des Zentralraums errichten. Im Inneren werden vier Tribünen für Koranleser und eine schlanke Kanzel aufgestellt.
Die an den Pfeilern angebrachten großen Rundschilde mit arabischen Schriftzeichen, welche die Namen Allahs, Mohammeds und der vier ersten Kalifen Abu Bakr, Othman, Omar und Ali darstellen, stammen in der heutigen Form wohl aus dem 19. Jahrhundert, gehen aber auf Vorgänger aus dem 17. Jahrhundert zurück. Sie sind bis heute ein prägendes Element des Raumeindrucks.
Umwandlung in ein Museum
Unter der Herrschaft von Kemal Atatürk, der sein Land gegenüber dem Westen öffnete, wird die Hagia Sophia 1934 zum Museum erklärt. Die während der Nutzung als Moschee verputzten und übertünchten christlichen Mosaike des Innenraums werden wieder freigelegt. Seitdem steht das Gebäude nicht nur Christen und Muslimen, sondern allen Besuchern zur Besichtigung offen.
Bibliografie:
- Volker Hoffmann: Die Hagia Sophia in Istanbul: Bilder aus sechs Jahrhunderten und Gaspare Fossattis Restaurierung der Jahre 1847 bis 1849, Bern 1999.
- Hans Jantzen: Die Hagia Sophia des Kaisers Justinian in Konstantinopel, Köln 1967
- Heinz Kähler: Die Hagia Sophia, Berlin 1967
- Wolfgang Müller-Wiener: Bildlexikon zur Topographie Istanbuls. Byzantion - Konstantinupolis - Istanbul bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts, Tübingen 1997.
- Marcell Restle: Istanbul, Bursa, Edirne, Iznik. Baudenkmäler und Museen (Reclams Kunstführer), Stuttgart 1976









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