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THEMEN

Handel, Gewerbe, Wirtschaft im alten Rom

Idealisierte Landwirtschaft

"Agreste Latium", "Bäuerliches Latium", so charakterisierte der Dichter Horaz die Landschaft, in der Rom lag: in den Anfängen eine rein agrarisch ausgerichtete Stadt, deren Bewohner, selbst als sie die Beherrscher des Erdkreises geworden waren, nie ihr bäuerliches Wesen verleugneten, sondern gerade in der Bindung an die Scholle eine Voraussetzung für ihren Aufstieg sahen. Noch zur Zeit des Kaisers Augustus hat der Dichter Vergil in dem Lehrgedicht "Georgica" den Ackerbau, Obst- und Weinbau, die Viehzucht und Imkerei besungen und das einfache, doch glückliche Leben auf dem Land dem hektischen Trubel der Großstadt Rom mit diesen Versen vorgezogen:

"Sorglos ist aber der Schlaf und ehrlich das Leben,
reich an verschiedenen Schätzen, und Friede herrscht auf dem Landgut,
Grotten sind da und natürliche Seen und kühlende Täler ...
und eine Jugend, an Arbeit gewohnt und mit wenig zufrieden ...
Doch der Bauer zerfurcht mit dem krummen Pfluge die Erde,
dies ist die Arbeit des Jahres, damit erhält er die Heimat
und auch sein kleines Heim, die Kinder und nützlichen Stiere".

Einige Jahrzehnte vor Vergil hatte Cicero ebenfalls die traditionelle Einstellung der Römer zur Landwirtschaft ausgesprochen und ihre Bedeutung gegenüber anderen Berufen gewürdigt: "Zu der Frage, welche Erwerbszweige dem freien Manne angemessen sind, welche aber als schmutzig zu bezeichnen sind, gilt als herkömmlich etwa folgendes: Erstens werden alle diejenigen Gewerbe als verpönt angesehen, die wie das der Zöllner und Wucherer nur darauf hinauslaufen, sich bei Mitmenschen verhasst zu machen. Als unedel gilt ferner der Erwerb aller ungelernten Tagelöhner. Zu den schmutzigen Geschäften rechnet man auch den Zwischenhändler. [...] Alle Handwerker fallen auch unter die unsaubere Zunft, was kann schon eine Werkstatt Edles an sich haben? Am allerwenigsten kann man Berufe billigen, die nur sinnlichen Genüssen dienen, Heringsbändiger, Fleischer, Köche, Hühnermäster, Fischer. [...] Der Kleinhandel ist zu den unsauberen Geschäften zu rechnen, während der kapitalkräftige Großhandel, der die Verbrauchsgüter aus aller Welt ehrlich den Massen zugute kommen lässt, durchaus untadelhaft ist. Von allen Erwerbsarten ist die Landwirtschaft die beste, die des freien Mannes würdigste".

Bild
Cicero, römischer Jurist und Schriftsteller (10643v.Chr.)

Diese Sätze Ciceros könnten eher um 400 v. Chr. denn im Jahre 44 v. Chr. geschrieben sein, als die so vernichtend beurteilten Händler und Handwerker die Wirtschaftshöhe des römischen Staates garantierten. Aber so wie Cicero dachten viele Römer, bestimmt die Adeligen. Der Primat der Landwirtschaft stand in Rom jedenfalls außer Frage, und die bäuerliche Mentalität prägte von Anfang an die Wirtschaftsstruktur Roms.

  1. Idealisierte Landwirtschaft
  2. Anfängliche Rückständigkeit
  3. Die Phase bis zur römischen Kaiserzeit
  4. Die Kaiserzeit

Bibliografie:

  • Artikel Wirtschaft. In: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike Band 12/2. Stuttgart, Weimar 2002
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