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THEMEN

Herta Müller

Herta Müller, 1953 im deutschsprachigen Banat in Rumänien geboren, kam 1987 nach Deutschland und lebt seither als freie Schriftstellerin in Berlin. Müller gehört seit Anfang der 1990er Jahre zu den wichtigen Autoren im internationalen Literaturbetrieb; ihre Werke wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Am 8. Oktober 2009 wurde bekanntgegeben, dass sie mit dem Nobelpreis für Literatur 2009 ausgezeichnet wird. Die Jury lobt die Deutschrumänin als Poetin der Heimatlosigkeit. Sie gilt als „Chronistin des Alltagslebens in der Diktatur“, weil sie in ihren Romanen, Erzählungen und Essays über die Zeit der Ceauşescu-Diktatur in Rumänien Zeugnis ablegt und dabei die Folgen totalitärer System für die Menschen und ihr Zusammenleben auf prägnante und erschütternde Weise zeigt. Als bisheriger Höhepunkt im Werk von Herta Müller gilt der Roman „Atemschaukel“ (2009).

Biografie

Herta Müller wurde am 17. August 1953 in Nitzkydorf/Kreis Temeschvar (Timişoara) im deutschsprachigen Banat (Rumänien) geboren. Sie gehörte zu den Banater Schwaben und erlernte erst mit 15 Jahren die rumänische Sprache. Ihr Großvater war ein wohlhabender Bauer und Kaufmann, der unter dem kommunistischen Regime enteignet wurde. Ihre Mutter wurde nach 1945 in die Sowjetunion deportiert und fünf Jahre in einem Arbeitslager interniert. Ihr Vater, ein ehemaliger SS-Soldat, verdiente seinen Lebensunterhalt als LKW-Fahrer und wurde aufgrund seiner Jähzornigkeit und Unbeherrschtheit von seiner Tochter gefürchtet.

Herta Müller studierte von 1973 bis 1976 Germanistik und Rumänistik in Temeschvar/ Timişoara und stand während dieser Zeit der „Aktionsgruppe Banat“ nahe, einem Kreis junger deutschsprachiger Autoren, die in Opposition zur Diktatur für Meinungsfreiheit eintraten. Nach dem Studium war sie als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik tätig. Weil sie sich weigerte, mit dem rumänischen Geheimdienst Securitate zu kooperieren, wurde sie entlassen und arbeitete danach nur noch zeitweilig als Lehrerin. In dieser Zeit begann sie mit dem Schreiben. Laut ihren Aussagen hatte sie das nie vor, aber sie fing damit an, „als sie sich nicht anders zu helfen wusste, als die Schikanen gegen mich immer unerträglicher wurden“. Ihr Vater war gestorben, von der Regierung wurde sie zum Staatsfeind erklärt, die Kollegen distanzierten sich von ihr. Die Einsamkeit, die Ungerechtigkeit, die Böswilligkeiten - all das waren Auslöser für ihr Schreiben.

Jedoch wurde das Erscheinen ihres ersten Buches „Niederungen“ jahrelang verhindert; erst 1982 erschien es nach starken Eingriffen der Zensur in Bukarest und 1984 in der Originalfassung in Deutschland. Danach konnte Müller in Rumänien nicht mehr veröffentlichen und war immer wieder Verhören, Hausdurchsuchungen und Bedrohungen durch die Securitate ausgesetzt. 1985 beantragten sie und ihr damaliger Mann, der Dichter Richard Wagner, die Ausreise, worauf sie mit einem Reise- und Publikationsverbot belegt wurde und nur noch von Gelegenheitsarbeiten lebte. Im März 1987 konnte sie in die Bundesrepublik Deutschland übersiedeln und lebt seitdem in Berlin. Seit ihrer Einreise erhielt Herta Müller eine Reihe von Lehraufträgen als „Writer-in-Residence“ an Universitäten im In- und Ausland und nahm zahlreiche Gastdozenturen und -professuren an verschiedenen Universitäten wahr. Seit 1995 ist sie Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

  1. Biografie
  2. Herta Müller und die Securitate
  3. Das schriftstellerische Werk
  4. Erzählungen: „Niederungen“ (1982, 1984, 2010)
  5. Roman: „Der Fuchs war damals schon der Jäger“ (1992)
  6. Roman: „Atemschaukel“ (2009)
  7. Nobelpreis für Literatur
  8. Werke (Auswahl)

Bibliografie:

  • Heinz Ludwig Arnold (Hg.): Herta Müller. Text & Kritik Heft 155, 2002
  • Paola Bozzi: Der fremde Blick. Zum Werk Herta Müllers, Würzburg 2005
  • Norbert Otto Eke (Hg.): Die erfundene Wahrnehmung. Annäherung an Herta Müller, Paderborn 1991
  • Ralph Köhnen (Hg.): Der Druck der Erfahrung treibt die Sprache in die Dichtung. Bildlichkeit in Texten Herta Müllers, Frankfurt am Main 1997
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