Hochzeitsbräuche
Die Bedeutung von Hochzeitsbräuchen
Aus alen Zeiten, Völkern und Kulturen sind viele Sitten und Bräuche überliefert, die teilweise mit Aberglauben verbunden waren oder aus alten Traditionen hervorgegangen sind. Sie sollten alles Böse und dämonische Mächte vertreiben, die Braut aus ihrer Sippe lösen und sie in ihre neue Familie und in ihr neues Haus einführen, die Fruchtbarkeit fördern oder Aussagen über die Zukunft ermöglichen. Heute kennt man ihren Ursprung oft nicht mehr. Viele Bräuche gehören nicht mehr auf Grund ihrer ursprünglichen Bedeutung zu einer Hochzeit, sie dienen vielmehr der Unterhaltung oder werden als eine Form des ausgelassenen Feierns betrachtet.
Der Termin der Hochzeit
Die Wahl des Hochzeitstages war schon immer von besonderer Bedeutung und wurde von verschiedenen äußeren Bedingungen abhängig gemacht. Der Advent und die Fastenzeit wurden für Hochzeiten gemieden. In bäuerlichen Gesellschaften wurde die Zeit nach dem Schlachten oder der Ernte sowie die Fasnacht bevorzugt. Der Mai und der Februar galten zunächst nicht als Glück bringende Monate, um eine Ehe zu schließen. Der Mittwoch wurde als Hochzeitstag gemieden, weil eine Braut, die an diesem Tag heiratete, angeblich bald ins Elternhaus zurückkäme. Er galt auch als der Tag, an dem "gefallene Mädchen" heirateten. Auch der Freitag hatte als Hochzeitstag ein schlechtes Omen. Nach der Reformation war es verboten an einem Sonntag zu heiraten, weil eine Hochzeit in der Regel mit großen Feiern und Ausschweifungen verbunden war. So wurde vorwiegend am Montag, Dienstag oder Donnerstag geheiratet.
Bei zunehmendem Mond zu heiraten, galt lange Zeit als vorteilhaft, damit sowohl das Glück als auch das Vermögen - wie der Mond - größer würden. Ebenso durfte man nur mit der aufgehenden Sonne, das heißt bis zwölf Uhr mittags, heiraten.
Der Kauf der Brautschuhe
Die Braut bezahlt ihre Brautschuhe mit kleinen Münzen, die sie selbst gesammelt hat. Damit soll die Sparsamkeit der Braut gezeigt werden: "Sie ehrt den Pfennig", hieß es früher. Außerdem gilt es als ein Zeichen von Zielstrebigkeit, wenn man die Summe aus kleinen Münzen zusammenspart.
Schleier, Kranz oder Krone
Der Brautschleier ist eine aus römischer Zeit stammende Sitte, die die Braut vor bösen Geistern schützen sollte. Im Mittelalter exitierte der Brauch, den Schleier wie einen Baldachin über das Brautpaar zu halten. In christlicher Zeit wurde es üblich, dass die Frauen während der Messe einen Schleier trugen. Dieser wurde damit zu einem Zeichen der Jungfräulichkeit. Früher wurde der Braut auf ihrer Hochzeitsfeier um Mitternacht der Schleier abgenommen und gegen die Haube der Frau getauscht, sie war damit in den Frauenstand getreten. In dieser Sitte findet sich auch der Ursprung der Redewendung "unter die Haube kommen".
Schleier und Kranz sollen der Braut von einem nicht verheirateten Mädchen überreicht werden, von der Schwester der Braut oder des Bräutigams oder einer anderen Verwandten. Es kann auch eine nicht verheiratete Freundin sein.
Beim Schleierabtanz wird der Schleier der Braut von den Brautjungfern und den Brautführern vom Kopf und dann in kleine Stücke gerissen. Wer ein Stück des Schleiers bekommt, hebt ihn auf wie einen Talismann und soll - so sagt man - am Glück des Brautpaares teilhaben. Die ledige Frau, die das größte Stück des Schleiers erwischt, wird die nächste Braut sein. Der Bräutigam versucht bei diesem Tanz, seine Braut zu schützen. Dieser Tanz bildet häufig das Ende der Hochzeitsfeierlichkeiten.
Bei einem anderen Brauch versammelt die Braut abends auf der Feier die Frauen um sich, die nicht verheiratet sind. Nachdem sie den Schleier aus dem Haar genommen hat, werden ihr die Augen verbunden und die Frauen tanzen um sie herum. Die Braut muss versuchen, einer der Tänzerinnen den Schleier ins Haar zu stecken. Die den Schleier bekommt wird die nächste Braut sein.
Der Kranz der Braut war das Zeichen der Kraft und der Jungfräulichkeit. Er wird aus immergünen Pflanzen geflochten und ist damit ein Symbol von Lebenskraft. Der Kranz war vor dem 17. Jahrhundert, wie das Sträußchen des Bräutigams, aus Rosmarin, der Pflanze der Liebe. Ihr starker Geruch sollte Hexen und böse Geister vertreiben. Ab dem 17. Jahrhundert wurde die Myrte zur Hochzeitspflanze. Bei Jungfrauen war der Kranz geschlossen und mit Blüten verziert. Witwen trugen bei einer erneuten Hochzeit einen offenen Kranz mit Orangenblüten (die Orange gilt als goldener Lebensapfel).
In einigen Gegenden trugen die Frauen bei der Hochzeit Kronen als Zeichen für Segen und Fruchtbarkeit. Dieser Kopfschmuck war auch als Nachbildung der Krone der Jungfrau Maria, den keuschen Mädchen, den Jungfrauen, vorbehalten. Darüber wachten besonders die Kirchen. Die Kronen wurden mit Eicheln und anderen Früchten, Sternen und Rosen sowie Sonnenbildchen verziert. Es wurden auch kleine Metallplättchen mit gravierten Lebensbäumen als Zeichen der Fruchtbarkeit auf der Krone dekoriert. Seit dem 18. Jahrhundert wird die Krone als Kopfschmuck für die Braut kaum noch getragen.
Das Brautkleid
Das Brautkleid war zwar immer etwas Besonderes, das weiße Brautkleid, wie es heute meist getragen wird, kam jedoch erst zum Ende des 18. Jahrhunderts in Mode. Auf dem Lande wurde lange Zeit in Trachten geheiratet. Während früher in reichen Familien durchaus mehrere besondere Kleider als Brautkleid vorbereitet wurden, zwischen denen der Bräutigam wählen durfte, gilt es heute oft als schlechtes Omen, wenn der Bräutigam die Braut im Kleid vor der Heirat sieht.
Der Trauring
Der Ring soll das magische Zeichen der nicht endenden Liebe und der Zusammengehörigkeit der Brautleute sein. Er wird bei der Verlobung an den Ringfinger der linken Hand gesteckt, bei der Trauung wird er an die rechte Hand gesteckt. In einigen Ländern trägt man den Ehering an der linken Hand.
Der "Ringfinger" erhielt seinen Namen im Mittelalter. Man bezog den Namen auf eine Vene, die "Liebesader", die von Ringfinger direkt zum Herzen gehen soll. Früher deuteten die Menschen auch den Moment, in dem der Mann seiner Frau den Ring an den Finger steckte. Blieb der Ring im vorderen Teil des Fingers stecken, hätte später die Frau die Macht im Haus, glitt der Ring bis zur Fingerwurzel durch, würde die Macht beim Mann sein.
Der Hochzeitslader oder Hochzeitsbitter
Heute werden die Gäste zu einer Hochzeit mit besonders hübschen Karten geladen. Früher gingen die Freunde des Bräutigams einige Zeit vor dem Festtag zu den Leuten, die eingeladen werden sollten. Vor deren Haus wurden Schüsse aus Pistolen abgefeuert und bestimmte Texte teilweise in Gedichtform zur Einladung aufgesagt. Auf ihrem Weg trugen die Hochzeitslader einen reich geschmückten Stab ähnlich wie die Boten der Könige. Die Männer wurden zum Dank für die Einladung reichlich bewirtet oder bekamen ein Geldgeschenk. In verschiedenen Regionen war es die Aufgabe der Schulmeister oder Schneider, die Hochzeitsgäste zu laden. Sie hatten dadurch zusätzliche Verdienste. Manchmal wurde dieses Amt auch von Frauen ausgeübt.
Zuweilen war das Amt nicht nur auf die Einladung beschränkt. Am Festtag selbst kümmerte sich der Hochzeitslader um den reibungslosen Ablauf der Feier, er achtete darauf, dass bestehende Hochzeitsordnungen eingehalten wurden und sorgte teilweise für die Unterhaltung der Gäste.
Kranzbinden oder Schräppeln
In der Woche vor der Hochzeit wurden im Haus der Braut das Grün und die Blumen vorbereitet und die Kränze gebunden. Oft wurden rote Tücher in die Girlanden eingebunden. Man glaubte, die rote Farbe würde Hexen und böse Geister abwehren.
Polterabend oder Hühnerabend und Brautbad
Der Polterabend, der erstmals für Anfang des 16. Jahrhunderts bezeugt ist, ist ursprünglich ein Abwehrzauber. Während der Verlobungszeit durfte das Paar abends nach dem Ertönen der Betglocken nicht mehr auf die Straße, weil sie sonst von bösen Geistern verfolgt worden wären. Am Polterabend, dem Abend vor dem Hochzeitstag, wurde vor der Haustür der Verlobten Geschirr zerschlagen. Man durfte aber nur mit Porzellan und Steingut poltern, Glas durfte als Symbol für Glück nicht zerschlagen werden. Der Lärm sollte die bösen Geister vertreiben. Die Brautleute mussten die Scherben gemeinsam zusammenfegen - die erste gemeinsame Aufgabe. Je mehr gepoltert wurde, je größer der Haufen der Scherben war, je größer war das zu erwartende Glück. In manchen Gegenden sollte den Plagegeistern mit fürchterlichen Masken die Freude am jungen Paar ausgetrieben werden.
Die Freunde des Bräutigams kamen vor der Hochzeit zu seinem Haus und wollten ihm gute Wünsche und Ratschläge mit auf den Weg geben. Er musste sich aber auch bei seinen Freunden freikaufen und ihnen ein Geldgeschenk machen oder sie zu einem Umtrunk einladen. War er dabei nicht großzügig, musste er damit rechnen, später überfallen und "verprügelt" zu werden.
Heute kann zu einem Polterabend jeder ohne eine Einladung kommen. So erscheinen zu diesem Termin Nachbarn und Bekannte des Paares, die zur Hochzeit selbst nicht eingeladen sind. Es wird immer noch Porzellan zerschlagen. Viele Gäste bringen schon zum Polterabend ihr Hochzeitsgeschenk mit. Die Brautleute dürfen die Pakete jedoch erst nach der Hochzeit öffnen.
Den Namen Hühnerabend hat der Polterabend von dem Brauch, Hühner oder anderes Geflügel für das Hochzeitsessen als Geschenk in das Haus der Braut zu bringen. Das Huhn galt als Fruchtbarkeitssymbol. Am Polter- oder Hühnerabend aß man eine Hühnersuppe.
Das Brautbad wurde am Tag vor der Hochzeit gefeiert. Das Wasser für das Brautbad wurde im Badehaus erwärmt. Dazu aß und trank man und es wurde getanzt.
Der Storch auf dem Dach
Vor der Hochzeit wird der Braut oft ein Klapperstorch auf das Dach gestellt. Der Vogel ist ein Fruchtbarkeitssymbol und soll dem jungen Paar einen reichen Kindersegen bringen. Unterstrichen wird seine Bedeutung oft dadurch, dass man ihm einen Kinderwagen und eine Wäscheleine mit Babywäsche an die Seite gibt.
Trauung
Noch im 14. Jahrhundert fand die Trauung vor der Kirche, also in aller Öffentlichkeit statt. Danach wurde sie zunehmend in die Kirche verlegt und die Begebenheiten rund um die Trauungszeremonie galten den Menschen als magische Hinweise auf die Zukunft des Paares. Während der Trauung sollten die Brautleute eng beieinander stehen - sonst würde der Teufel zwischen sie treten. Man achtete darauf wie schnell die Altarkerzen abbrannten und nahm das als Hinweis auf das zu erwartende Lebensalter der Brautleute. Der Wind, der beim Heraustreten der Brautleute vor der Kirche wehte, sollte Hinweise darauf geben, wer von beiden zuerst sterben würde: bei Ostwind der Mann und bei Westwind die Frau.
Blumen streuen
Nach der Trauung gehen Kinder dem Brautpaar voraus und streuen Blumen auf ihren Weg. Diese Blumen sollen die Fruchtbarkeitsgöttin anlocken. Und auch die Kinder sollen dem Paar Glück oder eine große Kinderschar verheißen.
Reis oder Weizen werfen
Das Brautpaar wird nach der Trauung oder beim Eintreffen am Haus mit Reis oder auch mit Weizen beworfen, beides sind ebenfalls Zeichen der Fruchtbarkeit. Wenn man die Braut mit Reis oder Erbsen überschüttet, kann man angeblich an den Früchten, die an der Kleidung haften bleiben, abzählen, wie viele Kinder die Frau haben wird.
Das gespannte Seil
Die Freunde des Bräutigams spannen nach der Trauung vor der Kirche ein Seil und wollen dem Brautpaar damit den Weg in das gemeinsame Leben versperren. Der Bräutigam kann den Weg durch ein Geschenk, zum Beispiel Geld oder ein Fässchen Bier, frei machen und sich dadurch auch von seinen Jugendsünden freikaufen.
Der Hausschlüssel
Wenn das Brautpaar nach der Trauung im Festsaal ankommt, werden ihnen auf einem Tablett zwei Gläser Wein und ein Schlüssel serviert. Beide müssen nun versuchen, möglichst schnell ihr Glas zu leeren um dann den Schlüssel zu ergreifen. Wer den Schlüssel bekommt, wird später auch die Hausgewalt ergreifen.
Der Hochzeitstanz
Die Tänze bei der Hochzeit hatten in den verschiedenen Gegenden schon immer eine zeremonielle Bedeutung und unterlagen bestimmten Ritualen. Während früher die Braut erst mit allen anderen anwesenden Männern tanzen musste, wird der Tanz auf einer heutigen Hochzeitsfeier von der Braut und dem Geistlichen oder der Braut und dem Bräutigam eröffnet - seit dem 19. Jahrhundert meist mit einem Walzer oder einem langsamen Walzer. Dann fordert traditionell der Ehemann seine Schwiegermutter und die Frau ihren Schwiegervater auf.
Um Mitternacht gibt es oft den Kellentanz. Alle Gäste ziehen in einer Polonäse mit Geschirr und Töpfen lärmend durch das Haus und wollen so endlich die bösen Geister vertreiben.
Das Versteigern eines Brautschuhs
Auf der Hochzeitsfeier wird ein Schuh der Braut versteigert. Jeder Bieter zahlt die Differenz zu seinem Vorbieter in einen Hut. Der Bräutigam sollte versuchen, den Schuh zu ersteigern, damit die Braut wieder beide Schuhe hat.
Die Entführung der Braut
Zu späterer Stunde wird auf vielen Hochzeitsfeiern die Braut entführt. Sie wird dem Bräutigam erst nach der Zahlung eines Lösegeldes wiedergebracht. Die Aufgabe des Brautführers, meist ein Freund des Bräutigams, ist es, mit auf die Braut aufzupassen und eine solche Entführung zu verhindern. Früher sollte der Bräutigam, der nicht auf seine Braut aufpassen konnte, sie auch nicht bekommen. In Zeiten, in denen es mehr Frauen als Männer gab, lag durchaus großer Ernst hinter dieser Entführung.
Schlüssel
In alten Zeiten wurde der Braut, wenn sie nach der Trauung zum ersten Mal ihr neues Haus betrat, von der Schwiegermutter der Schlüssel für das Vorratshaus und die Truhe überreicht. Die Schlüssel waren ein Zeichen des Vertrauens und der häuslichen Gewalt.
Über die Schwelle tragen
Wenn die Brautleute nach der Hochzeit in ihre Wohnung gehen, trägt der Bräutigam seine Frau über die Schwelle. Böse Geister sollen der Spur der Braut so nicht folgen können und getäuscht werden. In anderen Gegenden sagt man, dass böse Geister auf der Schwelle sitzen und der Bräutigam sie darum herüberträgt.
Die Morgengabe
Die Morgengabe ist das Geschenk des Bräutigams an die Braut nach der Hochzeitsnacht. Die Braut sollte nach dem "Vollzug des Beilagers" durch diese Gabe wirtschaftlich abgesichert werden, für den Fall, dass der Mann früh starb. Sie konnte frei über diese Gabe verfügen.
Darüber hinaus gibt es unzählige Sitten und Bräuche um die grüne Hochzeit, die in den Regionen variieren. Hier konnten jedoch nur die bekanntesten aufgezählt und beschrieben werden.
Bibliografie:
- Renate Herzog: BRIGITTE - heiraten, München 2003
- Angelika-Benedicta Hirsch: Warum die Frau den Hut aufhatte. Kleine Kulturgeschichte des Hochzeitsrituals, Göttingen 2008
- Sarah Manson, Alisa Petchey: Heiraten!, Berlin 2003
- Ute Mayer, Rainer Mayer: Hochzeit feiern, leicht gemacht, 2000
- Eva Tenzer: Ja! Alles übers Heiraten von Antrag bis Zuhören, G. Kiepenheuer, Berlin 2008
- Maria Velten: Schöne Vorträge und Ideen für die Hochzeit. Vorträge in Reimform - Ideen für das Hochzeitsfest, 2004
- Hans-Jürgen Winkler: Wir feiern Hochzeit, 2002









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