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THEMEN

Hongkong

Die Stadt

Die Kulisse gleicht der Manhattans, die City einem lärmenden chinesischen Warenhaus voller Exotik. Dazu im Kontrast das Hinterland, wo tropische Natur und ländliche Tradition Stille und Anmut ausstrahlen. Knapp sieben Millionen Menschen leben hier, darunter hunderttausend Millionäre, aber auch mehrere Hunderttausende in bitterster Armut. Hongkong, das ist ein legendäres Wirtschaftswunder und ein Reservat altchinesischen Brauchtums. Immer war Hongkong Zentrum der Hoffnungen, des Handels, Fluchtpunkt vertriebener Völker, Piratenversteck, kolonialer Vorposten, und alle kamen, um Geschäfte zu machen, Existenzen zu gründen oder nur, um das nackte Leben zu retten. Hongkong ist eine Mischung aus Moloch und Metropole, aus chinesischem Drachen und britischem Bullterrier.

Von der öden Insel zur Handelsmetropole

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts drangen portugiesische Seefahrer und Kaufleute bis an die südchinesische Küste vor und gründeten mit Duldung des chinesischen Kaiserreichs auf der ins Mündungsdelta des Perlflusses reichenden Halbinsel Macao die erste europäische Handelsniederlassung in Fernost. Der Handel war schwierig, denn die Grenzen Chinas waren für »Barbaren« gesperrt, aber er war nicht unmöglich, und unter der Einhaltung gewisser von China festgelegter Bedingungen erwies er sich in der Folgezeit als für beide Seiten äußerst profitabel. Englische und niederländische Kaufleute versuchten zunehmend, sich in den Handel einzumischen. Da sich Macao aber fest in portugiesischer Hand befand und sich nicht erobern ließ, mussten die Briten sich nach einem anderen Hafen umsehen, um ihr indisches Opium gegen chinesischen Tee lukrativ zu tauschen. Zuerst versuchte China jedoch, den schwunghaften Handel mit der sein Volk vergiftenden Droge zu unterbinden. In dem dadurch entfachten 1. Opiumkrieg (1840-1842) musste es sich jedoch der Überlegenheit Großbritanniens beugen und im Vertrag von Nanjing 1842 die Insel Hongkong »auf ewig« an die britische Krone abtreten. Doch konnte sich diese »öde Insel, auf der kaum ein Haus stand« jemals zu einem Handelsplatz entwickeln? Nach erneuten Feindseligkeiten sicherte sich Großbritannien im Jahre 1860 auch Teile der Halbinsel Kowloon, und 1898 pachtete es »auf 99 Jahre« die New Territories samt 235 größeren und kleineren Inseln von China. So gewann Hongkong Platz, sich auszudehnen, und bis in die 1930er Jahre wuchs die Hauptstadt des Opiumhandels zu einer bedeutenden Handelsmetropole in Fernost mit 1,6 Millionen Einwohnern (1939). Chinesischer Fleiß und britische Verwaltung mehrten den Wohlstand - bis 1941 japanische Truppen die Kronkolonie besetzten und Menschen und Maschinen nach Japan deportierten. Nach der japanischen Kapitulation übernahmen die Briten erneut die Macht in Hongkong und begannen sofort mit dem Wiederaufbau, unterstützt von vielen Flüchtlingen aus China, die mit ihrem Kapital, ihrer Arbeitskraft und ihrem Wissen seit der Machtübernahme der Kommunisten in der britischen Kolonie Zuflucht suchten. Mitte der 1950er Jahre zählte Hongkong bereits 2,5 Millionen Einwohner. Und die Emigration riss nicht ab: Dissidenten, Wirtschaftsflüchtlinge, Landflüchtige und Vertriebene fanden den Weg in die Stadt der Träume und Hoffnungen, die für die vielen illegalen Einwanderer zum Alptraum wurde: Wer nicht erwischt und ausgewiesen wurde, verschwand in den Elendsquartieren der »Squatters«, deren Barackensiedlungen sich wie ein Krebs in die Hügel der Stadt gruben. Wenn die Flüchtlinge bis in die 1970er Jahre das Wirtschaftswunder von Hongkong aufbauten, so wurden sie seitdem zu einem seiner größten sozialen Probleme. Deshalb war die Regierung gezwungen, zugunsten sozialpolitischer Maßnahmen lenkend in die klassische Laissez-faire-Wirtschaft einzugreifen.

Die Regierung - das waren britische Kolonialbeamte, denen ein Gouverneur vorstand, allesamt von Großbritannien ernannt. Wenn sich der Gouverneur auch zunehmend vom Einfluss des Mutterlandes emanzipieren konnte, so blieb die politische Mitsprache der Bevölkerung bis in die 1990er Jahre auf die unterste Kommunalebene beschränkt. In den 1970er Jahren wandelte sich das Verhältnis der britischen Kronkolonie zum großen Nachbarn China völlig. Hatte gegen Ende der 1960er Jahre noch die Furcht bestanden, China könne sich die Kolonie einverleiben, so führte der Tod Maos zu einer Umgestaltung der Beziehungen: China investierte in Hongkong und schickte Geschäftsleute in die Kolonie, die sich mit dem westlichen Geschäftsleben vertraut machen sollten. Das direkte Engagement der Volksrepublik in Form von Firmengründungen und Kapitalbeteiligungen nahm rasant zu, und China nutzte das Babel des Kapitalismus, um weniger linientreue Geschäfte über diese Schweiz des Fernen Ostens abzuwickeln.

Die Rückkehr unter chinesische Verwaltung

Da die Volksrepublik seit 1949 die aufgezwungenen »ungleichen Verträge«, durch die Großbritannien in den Besitz von Hongkong und Kowloon gekommen war, nicht anerkannte, wurde das Gebiet der gesamten Kolonie in den 80er Jahren Thema der Übergabeverhandlungen zwischen London und Peking. Großbritannien blieb kaum eine andere Wahl, denn ohne das Hinterland als grüne Lunge und Trinkwasserreservoir war das Stadtgebiet nicht lebensfähig. So schloss Großbritannien 1984 mit China ein Abkommen, aufgrund dessen Hongkong am 1.7.1997 als Sonderverwaltungsgebiet unter chinesische Souveränität zurückkehrte. China hat sich verpflichtet, das bestehende Wirtschafts- und Gesellschaftssystem noch 50 Jahre unverändert zu lassen.

Natur und Bevölkerung

Wer nicht als Geschäftsmann, sondern als Tourist nach Hongkong kommt, wird von den politischen Sorgen und den Wirtschaftsproblemen der Bevölkerung kaum etwas merken. Er genießt das exotische Flair dieser westöstlichen Metropole, lässt sich gerne verwirren von der Fülle und den Billigpreisen des zollfreien Warenangebotes, und wenn ihm das Bad in der Menschenmenge der pulsierenden Stadt zu viel geworden ist, dann mag ihm der ländliche Friede Altchinas in den New Territories willkommene Abwechslung sein.

Die ehemals britische Kronkolonie liegt an der Südostküste des chinesischen Festlands östlich der Mündung des Perlflusses. Das Gebiet misst 1095 km2 und besteht aus der 75 km2 großen Insel Hongkong mit der Stadt Victoria, der Insel Lantao, dem Küstenstreifen der Halbinsel Kowloon mit der gleichnamigen Hafenstadt und ihrem Hinterland (New Territories) sowie 235 Eilanden.

Den Siedlungskern (Hongkong im engeren Sinn) bilden die durch einen schmalen Meeresarm des Chinesischen Meeres getrennten Städte Victoria und Kowloon. Die City mit Banken, Kaufhäusern und bunten Straßenmärkten - vom nächtlichen »Poor Man's Nightclub« mit den Netsuke-Ständen und zahllosen Garküchen bis hin zu den Fischmärkten von Aberdeen und seinen »Floating Restaurants« - liegt auf der Insel Hongkong. Die Fahrt mit einer Fähre über die Causeway Bay, vorbei an containerbepackten Ozeanriesen und durch ein Gewimmel von kleinen Booten, Dschunken und Sampans hinüber auf die Halbinsel Kowloon, gehört zu den schönsten Eindrücken, die die Stadt am Südchinesischen Meer zu bieten hat. Kowloon ist Zentrum der großen Hotels von Weltrang, dichtes Wohn- und Industriegebiet und so berühmt wie berüchtigt für seinen Flughafen Kai Tak, dessen in die See gebaute Landebahn den wohl schönsten wie schwierigsten Anflug der Welt erleben lässt. 1998 wurde ein neuer Großflughafen vor der Insel Lantao eröffnet. Kowloon bedeutet »Neun Drachen«, und gemeint sind die umliegenden Berge, die schon zu den New Territories gehören und deren Tai Mo Shan es immerhin auf 958 m bringt.

Kowloon und Hongkong Island sind extrem dicht besiedelt, in einigen Stadtteilen zwängen sich bis zu 25 400 Menschen auf einem Quadratkilometer zusammen, während die ländlichen New Territories auf gleichem Raum etwa 550 Menschen Platz lassen. Mit durchschnittlich 6500 Einwohnern pro Quadratkilometer gehört das Sonderverwaltungsgebiet unter chinesischer Souveränität zu den dichtestbesiedelten Gebieten der Welt. Wo die Ärmsten und die Reichsten so hautnah nebeneinanderleben, ist es wohl zwei Faktoren zu verdanken, dass sich die Spannungen und auch die Kriminalität in Grenzen halten. Zum einen ist die Bevölkerung mit 95% Chinesen homogen, zum anderen verbindet sie die friedfertige Lehre Buddhas und ein traditioneller Sittenkodex, dessen höflicher Anstand in den Regeln von Daoismus und Konfuzianismus wurzelt. Reste altchinesischer Kultur und Kultiviertheit mildern die brutalen Seiten kapitalistischen Überlebenskampfes zwischen den legendären »Taipehs«, den großen Bossen, ebenso wie zwischen den »Squatters« und den »Boat-People«. Und wenn sich die Chinesen auch in verschiedene Volksgruppen teilen, die Cantonesen, die Sze Yap, Chiu Chow und Kaukasier überwiegen, so ist ihnen jeder Tribalismus fremd. Man ist zurückhaltend, aber respektvoll im Umgang miteinander und in einem besonders einig: Eigentlich sind die Weißen Barbaren. Nur eine Leidenschaft verbindet die Chinesen mit den Briten: Pferderennen und Cricket sind Volksfeste für beide.

Wie Lantao sind auch die New Territories sanftes grünes Tropenland: Berge statt Hochhäusern, Täler statt Straßenschluchten, Strände statt Slums. Seen und Äcker, Gärten und Teiche, Landwirtschaft, Fischfang und Fischzucht, Entenfarmen - dies ist die grüne Lunge Hongkongs, seine Speisekammer, sein Wasserreservoir, sein Erholungsgebiet. Hier in den Dörfern, Klöstern und Tempeln hat sich das alte China erhalten können. Ohne die New Territories und die anderen Inseln ist die City nicht lebensfähig, und es hätte der Kolonie wenig genützt, dass sie das Stadtgebiet theoretisch auch nach Ablauf des Pachtvertrages für das Hinterland hätte behalten können: Es wäre ausgetrocknet ohne das Wasser aus den Staubecken der Berge, denn das Klima ist heiß. Die nur kurzen Monsunschauer bringen wenig Erleichterung. Die Angst vor Taifunen sitzt tief bei den »Squatters«, deren provisorische Slums jeder Sturm von den Hängen reißen kann.

Taifune, weltwirtschaftliche Turbulenzen, kalter Wind aus der Volksrepublik China - sonst scheinen die Menschen Hongkongs wenig zu fürchten. Der Buddhismus kennt viele schützende Geister, in den Tempeln werden Amulette und Talismänner verkauft. Mit genug Geld kann man eine der raren Glückszahlen als Autokennzeichen bei den Versteigerungen der Verkehrsbehörde erstehen, deren Erlöse von manchmal fast einer Million Dollar jährlich der Wohlfahrt zufließen. Die »Lucky Number« ist nach chinesischem Glauben die beste Versicherung auf allen Wegen.

Hongkong heute

Die Gegenwart Hongkongs ist noch immer mit der Frage nach seiner Zukunft verbunden, über die auch nach der erfolgten Übergabe viel spekuliert wird. Doch als »Sonderverwaltungszone« wird Hongkong bis zum Jahr 2047 weit gehende Selbstverwaltung gewährt und das heute bestehende Wirtschafts- und Gesellschaftssystem garantiert. So scheint der wirtschaftlichen Prosperität Hongkongs nichts im Wege zu stehen. Doch hinter der krampfhaft optimistischen Kulisse verbirgt sich bei Vielen noch Angst - und schafft für die Wirtschaft eine schleichende Krise. Rechtzeitig vor der Übergabe hatten viele Einwohner ihr Erspartes außer Landes gebracht, zahlreiche Mitglieder des Mittelstands und der Führungselite waren ausgewandert: Hongkong erlebte einen »Brain-Drain« und einen finanziellen Aderlass, der sein Wirtschaftswachstum erstmals bremste. So steht Hongkong schon heute im Schatten der Boomtown Shanghai, die ihre Wachstumsimpulse aus der prosperierenden Wirtschaft Chinas erhält.

Die Übervölkerung - das größte soziale Problem in Hongkong

Die, die gehen konnten, sind die »happy few«- aber die, die immer noch kommen, sind die Masse der Armen und Vertriebenen Südostasiens. Die Wohnmisere infolge der Übervölkerung bleibt Hongkongs größtes soziales Problem. Die Barackenviertel der »Squatters«, die Slumgürtel, werden mit wenig sozialem Wohnungsbau saniert, der die Menschen in die engen Mietskasernen hoch aufragender Trabantenstädte verbannt. Sie werden bald ebenso verrottet sein wie die alten Wohnblocks, die aufeinandergezwängt und verschachtelt die ganze Stadt zum Bienenstock machen. Keine Sonne und keine frische Luft dringen in die endlosen Straßenschluchten, die unten mit chinesischer Neonreklame und oben mit Wäsche verhängt sind. Und hinter den verfallenen Fassaden leben Millionen Menschen in winzigen Wohnungen zusammengepfercht.

Doch Grund und Boden ist das Teuerste, was es in der Stadt gibt, und die Spekulation auf dem Immobilienmarkt ist gnadenlos. Die Ärmeren weichen auf das Wasser aus: In Dschunken, auf Sampans, auf morschen Kähnen und uralten Leichtern wohnen Tausende von Großfamilien. Die Boote, die sich in den Taifun-Schutzbecken der Insel aneinanderdrängen, sind vertäut zu einer großen schwimmenden Stadt. Noch Ärmere mieten sich einen Drahtkäfig, hoch genug zum Sitzen, lang genug zum Liegen und geräumig genug, um sich selbst, eine Zeitung und einen Teekocher darin aufzubewahren. Unzählige stapeln sich in diesen Draht-Verhauen, die in Hauseingängen und wo immer sich noch eine Nische findet, übereinandergetürmt sind. Und doch bieten diese Wohnzellen mehr Schutz und Privatheit als die verwahrlosten Blocks der »Walled City«. In dieser Enklave endet alle Zivilisation: 33 000 Menschen verkommen in ihrem Dreck; Glücksspiel, Prostitution und Drogenhandel diktieren Überlebensgesetze jenseits jeder Menschenwürde, kein Arzt und kein Polizist wagt sich noch dorthin. »Walled City« ist die düsterste Kehrseite des Wirtschaftswunders von Hongkong.

Drehscheibe des Welthandels

Es waren Flüchtlinge aus der Volksrepublik China, die in den 1950er Jahren begannen, mit unermüdlichem Fleiß, billiger Arbeitskraft, asiatischem Geschäftssinn und ohne jede Entwicklungshilfe die Stadt zu einer Industrie- und Handelsmetropole aufzubauen. Die britische Verwaltung bremste nicht, sondern profitierte mit. Zollfreiheit, Handelserleichterungen und eine höchst liberale Steuergesetzgebung schufen günstige Voraussetzungen, mit Einsatz von Arbeit, Geschick und Kapital zu Wohlstand zu kommen. Den Anfang machte die Textilindustrie, die ihre Vorrangstellung heute an die High Tech-Produktion und die Elektronik verloren hat. Uhren, Schmuck und Konsumgüter aller Art kommen als Billigware aus Hongkong. In der Spielwarenherstellung ist die Stadt weltweit führend.

Hongkong ist eine Drehscheibe des Welthandels. Hier versammeln sich mehr als hundert internationale Banken, um die Kapitalströme von Aus- und Einfuhr, von Handel und Bodenspekulation, von Drogengeld und Industrievermögen zu kanalisieren, um gutes Geld zu mehren und illegales zu waschen. Hongkong ist die Schweiz Ostasiens.

Tradition - Moderne

Hongkongs alter chinesischer Name, Xiang Gang, bedeutet »Hafen der Düfte«. Dieses Bild stimmt noch immer, da über Hongkong alle Schätze und exotischen Waren aus Ost und West transferiert werden. Was die Menge der Waren betrifft, die hier jährlich umgeschlagen werden, so steht Hongkong weltweit an siebter Stelle. Jedoch existiert Hongkongs hektische internationale Geschäfts- und Handelswelt Seite an Seite mit den winzigen Werkstätten der Schuster, Jadeschnitzer und Schneider. Mit den gewaltigen Wohntürmen der neuen Satellitenstädte bis zu den auf Hausbooten lebenden Menschen im Hafen von Aberdeen verbindet Hongkong traditionelle chinesische Werte mit einer zukunftsweisenden Wirtschaft.

Für die chinesischen Flüchtlinge, die über viele Jahre hinweg ins Land geströmt waren, stellte Hongkong die Gelegenheit dar, ein Taipan zu werden, d.h. erfolgreich. Heute wie zu Zeiten des Opiumkrieges bietet Hongkong viele Möglichkeiten, reich zu werden. Hongkongs größtes Problem ist und bleibt die ständig wachsende Bevölkerung. Teile von Hongkong und Kowloon zählen zu den dichtestbesiedelten Gegenden der Welt. Nur 16% der Fläche stehen als Bauland zur Verfügung. Dies führte zur Errichtung riesiger Satellitenstädte wie Tuen Mun, Tsuen Wan und Sha Tin. Die Stadtplaner prophezeien, dass in diesen »vertikalen Städten« dereinst ca. zwei Millionen Menschen leben werden. Hongkongs Mangel an Land zwingt die Menschen buchstäblich in die Höhe. Festes Granitgestein ermöglicht dieses vertikale Wachstum, und der Bau von Wolkenkratzern vergrößert die Gewinne, da die Kosten für Wasser und Strom gesenkt werden. Die im Bau befindlichen Gebäude werden von altherkömmlichen Bambusgerüsten verdeckt.

Dschunken und Sampans

Aberdeen an der Südküste der Insel Hongkong hat ein traditionelleres Gesicht. Hier leben Zehntausende von Menschen wie einst ihre Vorfahren auf Dschunken und Sampans. Diese Hafenbewohner bestehen aus zwei Gruppen, den Tanka und den Hoklo. Heute unterstützt Hongkongs Verwaltung die Hausbootbewohner, die an Land ziehen und in Fabriken statt als Fischer arbeiten. Im April feiert man mit dem Tin-Hau-Fest den Geburtstag der Königin des Himmels und der Göttin des Meeres, der Patronin der Fischer. Während des Tin-Hau fahren bunt geschmückte Fischerboote im Hafen umher.

Im Schatten der Bürotürme des Central District liegt der Western District, eine der ersten Gegenden Hongkongs, die von den Briten besiedelt wurde. Der Western District ist heute eine der letzten Enklaven von Hongkongs traditionellen chinesischen Kunsthandwerkern. Hier werden die Steine für die große chinesische Leidenschaft, das Mah-Jong-Spiel, hergestellt. Kräuterhändler offerieren eine verwirrende Vielfalt an Kräutern, Ginseng, pulverisierter Eidechse und anderen chinesischen Heilmitteln. Überall bieten Dapaidongs (Imbissbuden) an den Straßen schnell zubereitete und schmackhafte chinesische Speisen an.

Der »Nachtmarkt« in der Temple Street im Western District findet auf dem Parkplatz vor dem Macao Ferry Terminal statt. Jede Nacht besuchen nicht nur Tausende von Einwohnern, sondern auch Touristen den Markt, der oft »Nachtclub des armen Mannes« genannt wird. In den 450 Marktbuden werden Hemden, Uhren, Cassetten sowie Goldschmuck, Silber, Leder und sogar Schnitzereien aus Jade und Elfenbein verkauft. Internationale Abkommen schränken zwar heute den Handel mit Elfenbein ein, aber jahrelang war Hongkong Mittelpunkt des weltweiten Elfenbeinhandels.

Geister und Wolkenkratzer

Trotz der modernen Fassade wird das tägliche Leben in Hongkong noch immer von vielen alten Bräuchen beeinflusst. Hunderte von Tempeln und Schreinen übersäen die Stadt und erinnern an die Macht religiöser Tradition, die chinesische Verschmelzung von Buddhismus, Daoismus und Konfuzianismus. In ihren Häusern verehren die Familien ihre Vorfahren und beten vor kleinen Hausaltären. Das Begräbnis eines Toten ist ein wichtiges Ereignis, aber Platzmangel auf den Friedhöfen führt dazu, dass einige Begräbnisse in der benachbarten Volksrepublik China stattfinden müssen. Um eine Harmonie mit den Geistern und der umgebenden Natur herzustellen, bestimmt der fung shui, eine Art von Wahrsager, alles, von der Möbelanordnung in einem Zimmer bis zu der Lage eines Gebäudes. Aberdeens Elektrizitätswerk hat fünf Schornsteine, obwohl nur vier ständig in Gebrauch sind. Die Zahl vier ist jedoch für Chinesen eine Unglückszahl, daher wurde ein fünfter Schornstein hinzugefügt.

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