Impressionismus
Impressionismus
Der herrschende Kunstbegriff war der Klassizismus und die Akademiemalerei mit Linien, Perspektive und Atelierbeleuchtung. Es gab historische und mythologische Themen in großen Formaten mit lebensgroßen Figuren, die dem Bürger erhabene Ideale vor Augen stellen sollten. Kein Künstler kam am so genannten "Salon" vorbei, einer alle zwei Jahre stattfindenden Ausstellung, in der jeweils ca. 2500 Werke ausgestellt wurden. Die Zulassungsjury bestand aus Mitgliedern der Académie des Beaux-Arts und sorgte dafür, dass kein Künstler zugelassen wurde, der nicht der herrschenden Geschmackskonvention entsprach.
Gegen diese realitätsfremde Scheinwelt wandte sich eine Generation junger Künstler, die keinen Unterschied machten zwischen Erhabenem und Gewöhnlichem. Sie suchten ihre Motive im Naheliegenden und malten die Gegend, in der sie lebten; diese Freilichtmalerei führte zu einer Reduzierung des Bildformates, da sich die gebräuchlichen Riesenleinwände im Freien nicht handhaben ließen. Aber die Unbeständigkeit des Lichtes brachte Veränderungen des Zeitbegriffs mit sich. Das Festhalten des flüchtigen Augenblicks ermöglichte nur punktuelle Dauer.
Diesen "Mangel" glichen Maler wie Claude Monet, Camille Pissarro und Alfred Sisley durch ihre Bildserien aus. Sie malten Heuschober, Kirchen, Straßenzüge zu verschiedenen Tageszeiten, Jahreszeiten und bei unterschiedlichem Wetter und schufen so ein Nacheinander, das es vorher in der Malerei nicht gegeben hatte. Flüchtig waren die Themen der Impressionisten, z.B. Wagen, Pferde, Eisenbahnzüge, und flüchtig waren die atmosphärischen Erscheinungen, z.B. Himmel, Wolken, Lichtreflexe. Diesen Charakter bewahrten auch die fertigen Bilder. Als die Impressionisten in den Anfängen steckten gab es neben der traditionellen Malerei die Schule von Barbizon, die sich der in der offiziellen Kunstmeinung gering geschätzten Landschaftsmalerei widmete.

Gewisse Vorbilder fanden die Impressionisten auch in den englischen Landschaftsmalern John Constable oder William Turner. Die Erfindung der Fotografie trug viel zur impressionistischen Revolution und zur Veränderung der Sehgewohnheiten bei. Sie erlaubte Momentaufnahmen, brachte ungeschönte Wirklichkeit ins Bild und übernahm auf dem Gebiet des Fotoporträts Aufgaben der Malerei. Die Meinung über dieses neue Medium war geteilt, aber schon 1859 wurde der Fotografie das Recht eingeräumt, neben den Werken der bildenden Kunst zu erscheinen.
Für die Impressionisten war auch die japanische Malerei mit Szenen aus der Welt der Vergnügungsviertel und verblüffenden Bildkompositionen wichtig. 1863 war die Jury des Salons bei der Zulassung so streng, dass Kaiser Louis Napoléon anordnete, die zurückgewiesenen Werke müssten auch ausgestellt werden. Es kam zum "Salon der Zurückgewiesenen", in dem auch Bilder von Johan Barthold Jongkind, Pissarro und Paul Cézanne hingen. Aufsehen und Kritik erntete Edouard Manets Bild "Frühstück im Freien". Man sprach von den jungen Künstlern, die sich kannten, trafen und miteinander diskutierten. Langsam reifte der Plan einer Gruppenausstellung, die oben erwähnte im Atelier des Fotografen Nadar 1874, unter dem Titel "Anonyme Gesellschaft der Kunstmaler, Bildhauer, Grafiker etc.", an der 30 Künstler teilnahmen. Das Publikum kam zahlreich, aber nur um sich zu amüsieren und zu spotten. An der zweiten Ausstellung 1876 in der Galerie des Kunsthändlers Durand-Ruel nahmen nur noch 20 Künstler teil und Kritik und Unverständnis waren noch größer als beim ersten Mal. Als 1886 die achte und letzte gemeinsame Ausstellung mit 17 Teilnehmern stattfand, gehörten bereits Neoimpressionisten wie Georges Seurat oder Paul Signac dazu.
Der Zusammenhalt der Gruppe wurde immer schwieriger, je mehr jeder einzelne Künstler einen persönlichen Stil entwickelte und sich äußerer Erfolg einstellte. Dazu kamen Kontroversen über taktische Vorgehensweisen und die Tatsache, dass fast alle Mitglieder außerhalb von Paris wohnten. Auch die Aufnahme der Neoimpressionisten durchbrach die gemeinsame Linie.

Während die Impressionisten in der Handhabung des Farbauftrags instinktiv verfuhren, gingen die Neoimpressionisten oder Pointillisten akribisch zu Werke und setzten unvermischte Farbtupfer nebeneinander, die sich erst im Auge des Betrachters mischen sollten. Pissarro, der ihre Aufnahme betrieben hatte, unterstützte auch Paul Gauguin in seinen Anfängen und bewirkte seine Teilnahme ab der vierten Impressionistenausstellung. Gauguin entwickelte aber bald eine flächenbetonte Malerei, ebenso Vincent van Gogh, der nie mit den Impressionisten ausgestellt hatte und seinen eigenen Weg der expressionistischen Übersteigerung suchte. Der aufkommende Symbolismus verstand sich als Gegenpol zum Impressionismus und formulierte dies.
1896 stellte Pierre Bonnard zum ersten Male aus. Seine Farbvisionen basierten auf den Errungenschaften des Impressionismus. Der Einfluss des Impressionismus reicht bis in die Gegenwart zu den "Neuen Wilden". Eine weitere zukunftsweisende Richtung ging über Paul Cézanne, der zwar mit dem Impressionismus verbunden war, sich aber frühzeitig distanzierte. Seine Kunst der Reduktion der Wirklichkeit auf die geometrischen Grundmuster wurde zum Ausgangspunkt für den Kubismus.
- Impressionismus
- Die Maltechnik der Impressionisten
Bibliografie:
- Wolf Arnold: Auf den Spuren des Impressionismus. Eine Reise durch Frankreich, Frankfurt/M. 2008
- John Rewald: Die Geschichte des Impressionismus. Schicksal und Werk der Maler einer großen Epoche der Kunst, Köln 2006
- Ingo F. Walther: Malerei des Impressionismus. 1860-1920, Köln 2006









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