Isaac Newton
Ein Leben für die Wissenschaft
Die frühen Jahre
Isaac Newton wurde am 25. Dezember 1642 (nach dem julianischen Kalender; umgerechnet auf den zu jener Zeit in England nicht gültigen gregorianischen Kalender: 4. Januar 1643) in Woolsthorpe bei Grantham (Lincolnshire) als Kind armer Eltern geboren. Sein Vater starb bereits vor Newtons Geburt. Als seine Mutter zum zweiten Mal heiratete, kam Newton zu seiner Großmutter. Erst 1653, nach dem Tod des Stiefvaters, kehrte er nach Woolsthorpe zurück. Newton besuchte die Dorfschule, später die Lateinschule des Nachbarortes Grantham. Seine Mutter wollte zunächst, dass er die Landwirtschaft des verstorbenen Vaters weiterführt. Doch ein Onkel, der Pfarrer war, erkannte die außergewöhnliche mathematische Begabung des Jungen. Ihm hatte Newton es zu verdanken, dass er auf eine weiterführende Schule kam und schließlich das Trinity College in Cambridge besuchen konnte.
Cambridge
In seiner ersten Studienzeit beschäftigte sich Newton nicht nur mit der Physik, sondern auch mit Theologie und Mystik. In Isaac Barrow, Inhaber des naturwissenschaftlich orientierten Lehrstuhls, fand Newton einen Lehrer, der seine Begabungen förderte. 1965 wurde das Trinity College wegen der Pestepidemie geschlossen, so dass Newton in seinen Heimatort zurückkehren musste, wo er seine mathematischen Überlegungen, insbesondere die Begründung der Infinitesimalrechnung, entwickelte. Außerdem führte Newton Experimente mit Licht und Farben durch. Er versuchte, ein Fernrohr ohne Linsenfehler zu bauen. Als er zu dem Ergebnis kam, dass ein solches Fernrohr nicht zu konstruieren war, wandte er sich den Spiegelteleskopen zu. In diesem Zusammenhang entdeckte Newton die Newton'schen Ringe, farbige Ringe, die sich zum Beispiel zeigen, wenn eine nur schwach gekrümmte Plankonvexlinse auf einer ebenen Glasplatte aufliegt. Als er schließlich nach Cambridge zurückkehrte, durchlief er die akademische Stufenleiter rasch, war schon 1668 Master of Arts und wurde 1669 Nachfolger auf Barrows Lehrstuhl. In Anerkennung seiner Leistung für die Konstruktion von Spiegelteleskopen wurde Newton im Januar 1672 Mitglied der Royal Society.
"Principia"
1687 veröffentlichte Newton die "Philosophiae Naturalis Principia Mathematica" (Mathematische Gesetze der Naturwissenschaft). In diesem Werk hat er die drei Gesetze der Mechanik (Wechselwirkungsgesetz, Trägheitsgesetz, Kraftgesetz), die auch als Newton'sche Axiome bezeichnet werden, sowie seine Theorie zur Gravitation aufgestellt. Er formulierte ein umfassendes Gravitationsgesetz und brachte den mathematischen Beweis, dass aus dem Gravitationsgesetz die Kepler'schen Gesetze der Planetenbewegungen folgen und umgekehrt. Die "Principia" wurde Grundlage für die moderne Mechanik. 1704 fasste Isaac Newton seine Entdeckungen auf dem Gebiet der Optik in seinem Buch "Opticks" zusammen. 1707 erschien die "Arithmetica Universalis", sein wichtigstes mathematisches Buch.
"Direktor der Königlichen Münze"
Newton wandte sich massiv gegen das Bestreben König Jakob II., die Universität Cambridge zu rekatholisieren. Er empfand dies als einen Angriff auf die Unabhängigkeit der Universität. Nach der Glorious Revolution (1688/1689) wurde Newton für den Wahlkreis der Universität Cambridge in das englische Parlament gewählt. 1696 wurde er zum Münzprüfer und drei Jahre später zum Direktor der Königlichen Münze ernannt. Er siedelte ganz nach London über und gab 1701 seine Professur in Cambridge auf. In diesem Jahr wurde er abermals zum Mitglied des Parlaments in Westminster gewählt, 1703 wurde er schließlich Präsident der Royal Society. Zwei Jahre später wurde er für seine Verdienste an der Münze, insbesondere für die von ihm organisierte Münzreform und Umprägeaktion, von Königin Anna geadelt.
Die letzten Jahre
1722 befiel Newton eine Krankheit, von der er sich nie wieder ganz erholte. Er starb am 20. März 1727 (nach dem julianischen Kalender; umgerechnet auf den gregorianischen Kalender: 31. März 1727) in Kensington. Als einer der ersten Naturforscher überhaupt erhielt Newton ein Staatsbegräbnis. In der Westminster Abbey in London fand er seine letzte Ruhe. Das Begräbnis, so Voltaire, sei, was die Pracht und die Ehrungen angeht, eines Königs würdig gewesen. Newton führte immer wieder Prioritätsstreitigkeiten mit anderen Wissenschaftlern. Der zermürbende Streit mit Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) um das Verdienst der Entdeckung der Grundlagen der Differential- und Integralrechnung (Fluxionsrechnung) beherrschte die letzten Jahre seines Lebens. Nach heutigem Forschungsstand kamen beide unabhängig voneinander zu ihren Ergebnissen, wobei Newton das Verfahren etwas früher als Leibniz entdeckte, seine Resultate aber erst später veröffentlichte.
Privates
Von seiner Persönlichkeit her wird Newton häufig als in sich gekehrter, oft auch cholerischer Mensch beschrieben. Die soziale Isolation, die bei ihm häufig vorhanden war, wurde durch die Aufnahme in die Royal Society (1672) etwas gemildert. Newton lebte nahezu ausschließlich für seine Forschungen. Er hat nie geheiratet. Da er akademische und andere prestigeträchtige Stellungen und Ämter inne hatte, war er von Geldsorgen befreit. Dennoch wohnte er jahrzehntelang bescheiden in einer kleinen Wohnung der Universität Cambridge. Später als Aufseher der Münzanstalt lebte er im Hause seiner Nichte Catherine Barton, die ihm auch den Haushalt führte. Neben seinen physikalischen und mathematischen Forschungen interessierte sich Newton besonders für die Alchemie. Er verfasste ganze Texte in der allegorischen Alchemistensprache. Der Physiker Emilio Segré (1905-1989) charakterisierte Newton als "einen hochgradigen Neurotiker von gar nicht so seltenem Typus, aber von höchst extremer Ausprägung. Dem innersten Antrieb nach okkult, esoterisch und semantisch, war er erfüllt von einer tiefen Scheu vor der Welt, von einer lähmenden Angst, seine Gedanken, Überzeugungen und Entdeckungen in all ihrer Unverhülltheit der Prüfung und Kritik der Welt auszuliefern". Wissenschaft war für Newton ein nie endender Prozess. Er schloss sein wissenschaftliches Lebenswerk mit den Worten: "Sein und Wissen ist ein uferloses Meer: Je weiter wir vordringen, um so unermesslicher dehnt sich aus, was noch vor uns liegt; jeder Triumph des Wissens schließt hundert Bekenntnisse des Nichtwissens in sich."
- Kurzbiografie
- Ein Leben für die Wissenschaft
- Zeittafel
- Begründer der klassischen theoretischen Physik







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