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Islam

Islam

Der Islam ist eine von Mohammed in Mekka gestiftete Religion. Er ist monotheistisch und ist geprägt von unbedingter Ergebung in den Willen Allahs, der der einzige Gott, Schöpfer aller Dinge und Herrscher über die Welt ist. Der Islam ist eine Gesetzesreligion, trägt aber auch politische Züge.

Das Leben Mohammeds

Am 20. April 570 beziehungsweise 571 wird Abul Kasim Ibn Abdallah in Mekka als Sohn einer armen Familie der Haschimiden geboren. Er erhält den Beinamen Mohammed ("der Gepriesene"), denn bereits vor seiner Geburt wird seine Bedeutung durch legendenhafte Wunderzeichen angekündigt: "Heil, denn es naht die Zeit, da Abul Kasim geboren wird, glückselig gesegnet." Sein Vater ist ein armer Kaufmann, der jedoch noch vor seiner Geburt stirbt, und nachdem auch seine Mutter verstorben ist, kommt der sechsjährige Knabe in die Obhut seines Onkels Abu Taleb. Dieser ist ebenfalls Kaufmann, und Mohammed geht bei ihm in die Lehre und begleitet den Onkel auf Karawanenreisen. Als 12-jährigem wird ihm bereits auf einer dieser Reisen seine prophetische Sendung geweissagt.

Mit 25 Jahren tritt Mohammed als Karawanenführer in den Dienst der reichen Kaufmannswitwe Chadidscha, die er 595 heiratet. Aus dieser Ehe gehen zwei oder drei Söhne hervor, die jedoch früh sterben, sowie die vier Töchter Zainab, Ruqajja, Umm Kulthum und Fatima; außerdem wird der Sklave Zaid ibn Haritha adoptiert. Nachdem Chadidscha um 619 verstorben ist, hat Mohammed mehrere Frauen; seine Lieblingsfrau ist Aïscha.

610 widerfährt Mohammed "in der Nacht des Schicksals" in einer Höhle im Traum eine göttliche Offenbarung: "Lies! Im Namen deines Herrn, der erschaffen hat, und der erschuf den Menschen aus geronnenem Blut; lies! Denn dein Herr ist der gnädigste, der den Gebrauch der Feder gelehrt, und den Menschen lehrt, was er nicht gewusst." Als er am nächsten Tag die Höhle verlässt, erscheint ihm der Erzengel Gabriel: "Mohammed, du bist der Erwählte Allahs, und ich bin Gabriel. Zutiefst erschrocken über dieses Erlebnis, ignoriert Mohammed zunächst die Offenbarung und teilt sich nur seiner Frau und einigen Freunden mit. Drei Jahre später jedoch bewirkt eine neuerliche Offenbarung die entscheidende Wandlung: "O du (mit deinem Mantel) Bedeckter. Steh auf und warne! ... O Prophet, verbreite, was von deinem Herrn auf dich herabgekommen. Wenn du es nicht verkündest, hast du deine Sendung nicht erfüllt ... Sage, was gut und sage, was schlecht ist, wie dir gesagt wurde, und fürchte die Ungläubigen nicht."

Von diesem Zeitpunkt an tritt Mohammed als Prophet auf, verkündet die Offenbarung Gottes in arabischer Sprache (Koran) und fordert von den Gläubigen die bedingungslose Unterwerfung (Islam) unter Allahs Willen. Der starke Widerstand der Mekkaner gegen seine Tätigkeit zwingt ihn 622 jedoch zur Auswanderung nach Medina (Hedschra). Dort verkündet Mohammed nicht nur seine religiöse Lehre, sondern setzt als herrschender Emir in den nächsten Jahren auch seine Lehren in staatspolitische, juristische und sozialethische Taten um.

Als religiöse Feinde werden nach ihrem Verhalten gegenüber Mohammed nicht nur die Mekkaner betrachtet; auch die Juden, die sich weigern, den neuen Glauben anzunehmen, werden von Mohammed aufs Schärfste bekämpft. 624 kommt es bei Badr zu einer Schlacht gegen eine Karawane aus Mekka, bei der Mohammed mit nur 300 Leuten gegen 950 Mekkaner siegt. Dieses Erlebnis führt in der Folge zu der Vorstellung vom "Heiligen Krieg" (Dschihad), durch den islamische Regierungen auch mit gewaltsamen Mitteln legitimiert werden dürfen: "Und kämpfet für Allahs Sache gegen jene, die euch bekämpfen. Doch überschreitet das Maß nicht. ... Und erschlagt sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie von dort, von wo sie euch vertreiben, denn Verfolgung ist ärger als Totschlag."

Wie Jesu Leben ist auch das Leben Mohammeds mit zahlreichen Wundergeschichten verknüpft wie Speisungen und Heilungen, Wasserwunder oder die Teilung des Mondes in zwei Hälften. Im Jahr 629 unternimmt Mohammed eine Wallfahrt nach Mekka, und ein Jahr später zieht er mit 10.000 Mann in die Stadt ein. Mekka wird nun zur "heiligen Stadt" des Islam erklärt, und die Kaaba, der Schwarze Stein, zum wichtigsten Heiligtum. 631 unternimmt Mohammed mit 90.000 Gläubigen seine "Abschieds-Wallfahrt" nach Mekka. Er stirbt am 8. Juni 632 in Medina und wird in der dortigen Moschee beigesetzt.

Mohammeds politisches Wirken hat auch nach seinem Tod seine Spuren hinterlassen. Unter seinen Nachfolgern, den Kalifen, wurden weitere große Teile für den Islam gewonnen, und die Herrscher der Omajjaden-Dynastie in Damaskus sowie der Abbassiden-Dynastie in Bagdad errichteten ein Weltreich mit hoher Kultur und starker Ausstrahlung.

Mohammeds Lehre

Der Islam ist eine Gesetzesreligion, bei der das Schwergewicht nicht auf Glaubensinhalten, sondern auf der Erfüllung von religiösen Pflichten liegt. Allah ist der allmächtige Schöpfergott, in dessen Händen das Geschick jedes einzelnen Menschen und der gesamten Welt liegt. Der Islam lehrt Gottes Einzigartigkeit und Majestät, die ihn über alle Geschöpfe erhebt. Mohammed verkündet daneben auch die Einheit Gottes im Gegensatz zur christlichen Trinitätslehre: Jesus ist Prophet Gottes, aber nicht sein Sohn. Außer Jesus gibt es noch eine Vielzahl weiterer Propheten wie Mohammed, Adam, Noah, Abraham oder Mose, die als Sprachrohr Gottes seinen Willen verkünden. Gott will, dass der Mensch Gutes tut und Böses meidet. Zur Orientierung für das alltägliche Verhalten findet der Muslim diesbezüglich vielfältige Anweisungen in den religiösen Schriften. Nur die strikte Einhaltung dieser Vorschriften und damit eine vollkommene Unterwerfung unter den Willen Allahs kann zu einem glücklichen Leben führen und den Menschen vor den Flammen der Hölle retten.

Die "5 Pfeiler" des Islam

1. Das Glaubensbekenntnis (Shahada)

  • "Ich bezeuge, es gibt keinen Gott außer Gott, und Mohammed ist der Gesandte Gottes."
  • Mit diesem Bekenntnis bezeugt der Gläubige seine Zugehörigkeit zur islamischen Glaubensgemeinschaft.

2. Das Gebet (Salat)

  • Der Gebetsrufer (Muezzin) ruft die Gläubigen fünfmal täglich zu astronomisch errechneten Zeiten zum Gebet auf: in der Morgendämmerung, zur Mittagszeit, am Nachmittag, bei Sonnenuntergang und am Abend. Vor dem Gebet muss der Gläubige bestimmte Körperteile waschen, um in den Zustand ritueller Reinheit zu gelangen. Das Gebet kann gemeinsam mit anderen Gläubigen in einer Moschee oder aber auch allein im Haus oder unter freiem Himmel verrichtet werden. In diesem Fall wird die kultische Reinheit durch eine entsprechende Vorbereitung des Bodens - z.B. durch Bedecken mit einem Teppich - gewährleistet. Die Gebetsrichtung ist gen Mekka gerichtet. Besondere Bedeutung genießt das Freitagsgebet, bei dem sich oft die gesamte Gemeinde in der Moschee versammelt.

3. Das Almosengeben (Zakat)

  • Die Abgabe ist eine festgesetzte Steuer, die sich an der Höhe des Einkommens orientiert, und mit deren Hilfe soziale und karitative Aufgaben wahrgenommen werden.

4. Das Fasten (Saum)

  • Sofern es Alter und Gesundheitszustand des Gläubigen gestatten, wird von jedem Muslim die Einhaltung des Fastenmonats an den 30 Tagen des Monats Ramadan erwartet. Das Fastengebot bezieht sich auf den Verzicht von Speisen und Getränken sowie auf Enthaltsamkeit beim Rauchen und Geschlechtsverkehr. Gefastet wird allerdings lediglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, d.h. nicht während der Nacht. Sinn des Fastens ist eine innere Einkehr und gleichzeitig ein Gedenken an Mohammed, der in diesem Monat die Offenbarung des Koran empfangen haben soll.

5. Wallfahrt nach Mekka (Haddsch)

  • Wenn möglich sollte jeder Muslim mindestens einmal im Leben zur "Geburtsstätte des Islam" nach Mekka pilgern, wo er in Gemeinschaft mit anderen Gläubigen an 13 Tagen verschiedene religiöse Riten vollzieht.

Heilige Schriften

Das heilige Buch des Islam ist der in Suren abgefasste Koran, in dem Mohammeds Lehre, die geoffenbarte Wahrheit, enthalten ist. Daneben gibt es die Sunna, mündliche Überlieferungen, die Fragen des religiösen Verhaltens im alltäglichen Leben behandeln.

Der Koran (von arabisch quran = Lesung, Rezitation eines heiligen Textes) wird als "Wort Gottes" bezeichnet und wurde über eine Dauer von 22 Jahren Mohammed offenbart. Er ist in 114 Kapitel (Suren) und Verse (Ayas) gegliedert und bildet für die Gläubigen die Grundlage ihres religiösen Lebens. Die Texte behandeln vier verschiedene Aspekte:

  • Glaubensfragen;
  • Ordnung des Gottesdienstes;
  • soziale Themen, insbesondere zum Familienrecht;
  • sittlich-ethische Themen, die für jeden Muslim verbindlich sind.

Der Koran bildet gemeinsam mit der Sunna und dem islamischen Recht die Scharia, das islamische Gesetz. In der Scharia sind alle Rechts- und Gesellschaftsfragen für das menschliche Leben zusammengefasst. Die Scharia wird von Juristen und Gelehrten weitergegeben, die in einer speziellen Schule (Madrasa) ausgebildet werden.

Willensfreiheit

Die Frage der Willensfreiheit in Bezug auf religiöses Handeln wird im Koran nicht eindeutig geklärt. Daher hat es in diesem Zusammenhang auch immer wieder unterschiedliche theologische Auslegungen gegeben. Die extreme Form geht davon aus, dass dem Gläubigen aufgrund der Allmacht Gottes keine eigene Entscheidungsmöglichkeit mehr gegeben ist (Fatalismus, Kismet). In der letzten Zeit mehren sich jedoch die Stimmen, die dem Menschen ein bestimmtes Maß an Freiheit und damit Eigenverantwortlichkeit für seine Werke zuerkennen.

Schulen und Richtungen

An der Frage, welche Persönlichkeit zur Übernahme des Kalifenamtes geeignet ist, scheiden sich die verschiedenen islamischen Religionsgruppen:

Die Sunniten fordern die Abstammung des Kalifen vom Stamm des Propheten Mohammed.

Die Schiiten dagegen verlangen die direkte Abstammung des Kalifen vom Propheten Mohammend beziehungsweise von Ali, dem Vetter und Schwiegersohn Mohammeds, und seiner Nachkommen aus der Ehe mit Mohammeds Tochter Fatima.

Für die Kharidiiten muss der Kalif keine Qualifikation durch seine Abstammung aufweisen, sondern vor allem für das Kalifenamt geeignet sein, d.h. der Beste soll gewählt werden.

Der Sufismus ist eine islamische Form der Mystik, bei der der Gläubige durch seine beständige und durch nichts irregeleitete Liebe zu Gott nach einer Vereinigung mit ihm strebt. Das Ideal dieser Bemühungen ist der Prophet Mohammed, der als vollkommener Mensch einen solchen Weg vorgelebt hat. Im 12. Jahrhundert entstanden aus dieser Bewegung Bruderschaften und Orden, in denen sich die einzelnen Mitglieder anders als in den christlichen Ordensgemeinschaften vor allem um eine geistige Reinigung bemühen, unterstützt durch einen geistlichen Lehrer (Meister).

Daneben gibt es heute zwei Richtungen, die die Reislamisierung des Glaubens fordern und denen es darum geht, dass der Islam nicht nur ein religiöses, sondern auch ein politisch-ökonomisches System darstellt. Auf der einen Seite finden sich in diesem Bestreben die Traditionalisten vor allem in Saudi-Arabien zusammen, denen es um die Aufrechterhaltung der bestehenden Ordnung, jedoch die Zurückdrängung westlicher Einflüsse geht. Die Fundamentalisten, die vor allem in Libyen aktiv sind, vertreten eine radikalere Position. Ihnen geht es um die Zerstörung der bestehenden Ordnung und eine bedingungslose Rückkehr zum frühislamischen Gesellschaftssystem, das sich nur an den vom Koran überlieferten Regeln orientiert. Die Fundamentalisten sind eine entschieden revolutionäre, radikale, sendungsbewusste und öffentlichkeitswirksame Minderheit, wie das Beispiel Iran beweist.

Feste

  • Id al-Fitr (Kleiner Bairam oder "Zuckerfest"): Ende der Fastenzeit; man beschenkt sich mit Süßigkeiten
  • Id al-Adha (Großer Bairam oder "Opferfest"): alle, die nicht nach Mekka pilgern, feiern diese Zeit (4 Tage) zu Hause, indem sie ein Schaf opfern
  • Muharram (Neujahrstag) zur Erinnerung an die "Auswanderung" Mohammeds von Mekka nach Medina
  • Mauli an-Nabi (Geburtstag Mohammeds)
  • Lailat al Miradj (Himmelfahrt Mohammeds)

Muslime in Deutschland

Auch in Deutschland leben heute viele Muslime, die aus ihren Heimatländern auf der Suche nach Arbeit eingewandert sind. Die größte Bevölkerungsgruppe stellen die Türken, daneben gibt es Familien aus dem ehemaligen Jugoslawien, aus Marokko oder Tunesien. Zentren des islamischen Glaubens haben sich in Aachen, Köln, Hamburg, Berlin und München entwickelt. Neben den knapp zwei Millionen ausländischen Muslimen gibt es inzwischen auch circa 50 000 deutsche Angehörige dieses Glaubens, bei denen es sich zumeist um deutsche Frauen handelt, die den Glauben ihres Ehepartners angenommen haben. In Köln befindet sich der Zentralrat der deutschen Muslime.

Bibliografie:

  • Adel Th. Khoury: Der Islam. Sein Glaube, seine Lebensordnung, sein Anspruch, Freiburg 2001
  • Bruno Sandkühler: Begegnung mit dem Islam, Stuttgart 2005
  • Ursula Spuler-Stegemann: Die 101 wichtigsten Fragen - Islam, München 2009
  • Monika Tworuschka: Grundwissen Islam, Münster 2009
  • Peter Stanford: 50 Schlüsselideen Religion, Heidelberg 2011
  • Philip Wilkinson: Religionen der Welt, München 2009

Institution(en):

  • Zentralrat der Muslime in Deutschland
    Steinfelder Gasse 32
    50670 Köln
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