Istanbul - Metropole auf zwei Kontinenten
Einleitung Istanbul
Unter den Namen Byzanz und Konstantinopel war die Stadt einst das Machtzentrum von Weltreichen. Die oströmischen Kaiser, später die osmanischen Sultane haben hier im Laufe von fast zwei Jahrtausenden residiert.
Kurzporträt: Istanbul heute
Eine genaue Bevölkerungszahl von Istanbul ist nicht bekannt. Laut Schätzungen sollen gegenwärtig circa 11 Millionen Menschen im Einzugsbereich der Stadt leben. Damit ist Istanbul mit Abstand die größte Stadt der Türkei. In wenigen Jahren wird sie auch in Europa an der Spitze stehen, denn Jahr für Jahr strömen circa 250 000 Menschen aus den ländlichen Gebieten der Türkei in die Stadt.
Die enorme Zuwanderung stellt die Stadt vor schwere Probleme, denn es stehen weder genügend Wohnraum noch Arbeitsplätze zur Verfügung. In den Außenbezirken lebt nahezu die Hälfte der Bevölkerung in illegal gebauten und meist nur primitiv ausgestatteten Behausungen, den Gecekondu.
Kurzporträt: Istanbul gestern
Die Ursprünge Istanbuls liegen auf europäischem Boden. Die griechische Siedlung Byzantion erstreckte sich zwischen dem Marmarameer und dem Goldenen Horn. Im Jahr 328 n. Chr. ernannte sie Kaiser Konstantin der Große zum "neuen Rom". Als Konstantinopel war die Stadt über tausend Jahre lang Hauptstadt des byzantinischen Reichs. 1453 eroberten die Osmanen die Stadt und ernannten sie zum Zentrum ihres weiten Reiches. Als 1923 die Türkische Republik gegründet wurde, musste Istanbul den Regierungssitz an Ankara abgeben. Dennoch ist es das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes geblieben.
Sehenswürdigkeiten: Weltberühmte Moscheen, glanzvolle Paläste, überbordende Bazare und verkehrsreiche Brücken
Einige der schönsten Aussichten auf die Stadt, deren Silhouette von den Kuppeln und Minaretten der circa 500 Moscheen beherrscht wird, erhält man von den zwei Brücken, die sich über das Goldene Horn spannen. Einen Anblick wert ist auch die Bosporusbrücke, eine der längsten Hängebrücken der Welt.
Moderne Bauwerke wechseln sich mit den Stätten der Vergangenheit ab. Spuren von Roms militärischem Ruhm zeigen sich in Resten der alten Stadtmauer, die Kunst des römischen Bauhandwerks spiegelt sich in emporstrebenden Aquädukten und unterirdischen Wasserspeichern wider. Die größte dieser Zisternen, die Yerebatan Sarayi ("Versunkener Palast") ist erst vor wenigen Jahren restauriert worden. Seither können Touristen eine Bootsfahrt durch das riesige Gewölbe, in dem 336 gewaltige Steinsäulen durch farbige Lichter beleuchtet werden, machen.
Die Hagia Sophia ist vielleicht das großartigste Bauwerk der byzantinischen Kunst. Seine 56 m hohe Kuppel wölbt sich schwerelos über dem, was für mehr als 1000 Jahre der größte von Menschenhand erschaffene Raum war. Die Hagia Sophia wurde 532 - 537 auf Anordnung Kaiser Justinians errichtet. Obwohl erhebliche Restaurierungsarbeiten nach Erdbebenschäden durchgeführt wurden, ist es dennoch im Wesentlichen ein Bauwerk aus dem 6. Jahrhundert n.Chr. Einige Mosaiken des Mittelalters bestehen heute noch. Bis zur osmanischen Eroberung im Jahre 1453 war die Hagia Sophia für über tausend Jahre ein Symbol des christlich-orthodoxen Glaubens. Der Eroberer Sultan Mehmet II., beeindruckt von der Schönheit der Kirche, ließ das christliche Gotteshaus zu einer Moschee umbauen. Die Entwürfe zu den zwei westlichen der insgesamt vier Minarette der Hagia Sophia schuf Sinan, der Meisterarchitekt des Osmanischen Reichs. Seit 1935 ist die Hagia Sophia ein Museum.
Istanbul kann ohne Übertreibung als Stadt des Sinan bezeichnet werden. Viele seiner Bauwerke, die er als Hofarchitekt errichtete, stehen heute noch. Die Süleiman-Moschee ist das Istanbuler Meisterwerk des Hofarchitekten Sinan. Sein Entdecker und Förderer Sultan Süleiman der Prächtige beauftragte ihn mit deren Erbauung. Sie thront majestätisch auf dem dritten der sieben Hügel über dem Eingang zum Goldenen Horn und prägt die Silhouette der Stadt wie kein anderes Gebäude. Die von vier mächtigen Pfeilern getragene Kuppel ist 48 Meter hoch, und das durch die 130 kunstvoll verglasten Fenster einfallende Licht bringt die Verzierungen des gewaltigen Innenraums klar zur Geltung.
Die berühmteste Moschee Istanbuls und damit eines der bedeutendsten Wahrzeichen der Stadt ist die Sultan-Ahmet-Moschee oder Blaue Moschee. Sie wurde auf den Fundamenten des alten Palastes der byzantinischen Kaiser errichtet. Sultan Ahmet I. beauftragte einen Schüler Sinans mit dem Bau dieser Moschee. Sie sollte größer, schöner und bedeutender werden als die Hagia Sophia. Tatsächlich ist die Kuppel zwar nicht ganz so hoch, aber das Bauwerk ist trotzdem die größte Moschee der Stadt und die einzige mit sechs Minaretten. Die Bauarbeiten überwachte der Sultan persönlich, so begeistert war er von den Plänen des Architekten. Obwohl 260 Fenster den Innenraum erhellen, ist er immer in ein schummeriges Licht getaucht. 21 000 blaue und grüne Fliesen, die hauptsächlich die unteren Wände und die Galerien zieren, bestimmen die Raumfarbe. Der Sultan, darauf bedacht, die Einzigartigkeit der Innengestaltung zu wahren, verbot, andere Kunden mit den Fayencen zu beliefern. An Stellen, wo die Kacheln im Laufe der Jahrhunderte abgefallen waren, wurden sie im 19. Jahrhundert nachgemalt. Kurz nach der feierlichen Einweihung im Jahre 1616 starb der Sultan. Seine Grabstätte liegt im östlichen Teil des Moschee-Komplexes.
Im Herzen des osmanischen Istanbul lag der Topkapi Palast oder Sarayi, ein ausgedehnter Gebäudekomplex aus kunstvoll gearbeiteten Bauten und Gärten. 1462 begonnen, wurde er zum Sitz der Sultane. Bis zur Gründung der Republik nach dem Ersten Weltkrieg lebten sie dort zurückgezogen in unvorstellbarem Luxus, bewacht und bedient von über 5 000 Wächtern und Dienern. Heute ist Topkapi ein großes Museum, in dem sich die Schätze des Osmanischen Reichs befinden. Das mittlere Gebäude enthält solche Heiligtümer wie die Kammern der Heiligen Reliquien, zu denen Barthaare des Propheten Mohammed zählen. Hier befindet sich auch der Harem, in dem die Frauen und Konkubinen des Sultans lebten.
Tipp: Bosporus-Fahrt
Ein Besuch in Istanbul ist ohne eine Fahrt auf dem Bosporus nur das halbe Vergnügen. Zweimal am Vormittag starten von Eminönü große Fährschiffe in Richtung Schwarzes Meer. Im Zickzackkurs zwischen den Kontinenten legt der Dampfer an beiden Ufern der Meeresstraße an. Nach zwei Stunden erreicht man Anadolu Kavagi, einen kleinen Fischerhafen am asiatischen Ufer. Vor der Rückfahrt hat der Besucher genügend Zeit, in einem der vielen Lokale einzukehren. Einige große Hotels in Istanbul bieten Bosporus-Fahrten z.T. bei Nacht, auf ihren eigenen Schiffen an. In Eminönü starten auch die Schiffe zu den südöstlich von Istanbul im Marmarameer liegenden Prinzeninseln. Mit ihrer reizvollen Landschaft sind sie ein beliebtes Ausflugsziel.
Der Bosporus ist etwa 31 Kilometer lang. An der breitesten Stelle liegen die Ufer rund 4 Kilometer auseinander, an der schmalsten sind es knapp 700 Meter. Hier liegt auf jeder Seite eine Festung. Am asiatischen Ufer blickt man auf die Burg Anadolu Hisari, die im 14. Jahrhundert von Sultan Beyazit I. angelegt wurde. Das Gegenstück auf der europäischen Seite, Rumeli Hisari, baute sein Urenkel Mehmet II. der Eroberer in nur vier Monaten, kurz vor der Einnahme Konstantinopels. Die trutzigen Gemäuer dienten der Kontrolle des Schiffsverkehrs auf dem Bosporus. Heute lieben es die Istanbuler, im Sommer in der Anlage von Rumeli Hisari Freilichtkonzerte zu besuchen.
Tipp: Einkaufen im größten überdachten Bazar der Welt
Auf dem dritten Hügel der Altstadt Istanbuls liegt der größte überdachte Bazar der Welt. In fast 4 000 Läden, verbunden durch unzählige Gassen, bieten Händler ihre Waren an. Eski Bedesten, die alte Tuchhalle, ist der älteste und zugleich schönste Teil dieses Einkaufsparadieses. Ihr Baubeginn fällt in die Regierungszeit Mehmet II. des Eroberers. Auf Pfeilern wölben sich 15 Kuppeln über einer Halle mit dicken Mauern. Hierher verlaufen sich weniger Touristen, und wer etwas anderes als die üblichen Souvenirs kaufen möchte, findet hier, wo viele Schmuck-, Antiquitäten- und Teppichhändler ihre Waren anbieten, noch das eine oder andere alte und originelle Stück.
Um diesen alten Teil entwickelten sich Ladenstraßen, die später überdacht wurden. Nach orientalischer Tradition hatte jeder Gewerbezweig sein eigenes Viertel. Das vereinfachte dem Kunden den Qualitäts- und Preisvergleich. Leider ist es heute nicht mehr ganz so. Im Zuge der Kommerzialisierung wurden viele der alten Handwerksbetriebe ausgelagert, um mehr Verkaufsraum zu schaffen.
20 000 Menschen finden in dem "ungeheuren Bienenstock kleiner Läden", wie Mark Twain einmal den Bazar beschrieb, Arbeit. Bis zu einer halben Million Menschen lassen sich täglich durch den Irrgarten treiben. Sie kaufen Stoffe, Haushaltsgeräte, Lederwaren, Teppiche, Kupfergeschirr, Keramikschüsseln, Kleider, Schuhe und vieles andere mehr. Früher war der Sonntag der traditionelle Einkaufstag der Istanbuler im Bazar. Auch das hat sich geändert. Heute ist sonntags alles zu, und an den Wochentagen bleiben die Läden zwischen 8 und 19 Uhr geöffnet. Danach werden pünktlich alle 17 Tore verschlossen.
Direkt am Goldenen Horn liegt der Ägyptische oder Gewürzbazar. Er entstand nach der Eroberung Ägyptens im 16. Jahrhundert, um Waren aus dieser Region anzubieten. Noch heute schwelgt man hier in einer Mischung aus orientalischer und nordafrikanischer Atmosphäre. Das Aroma von Gewürzen, der Duft der Öle und der Geruch von frisch geröstetem Kaffee strömen einem auf unwiderstehliche Weise in die Nase.
Im ersten Stock des Ägyptischen Bazars, in einer alten Wachstube, liegt das schönste Restaurant der Istanbuler Altstadt, das Pandeli. Wer die kleine Steintreppe erklimmt, wird belohnt. Durch die vergitterten Fenster bietet sich ein herrlicher Blick auf die Galatabrücke und das geschäftige Treiben des Bazars.
Reise: Einreise, Hotels, Küche, Nachtleben, Entspannung, Reisewetter
Deutsche, Österreicher und Schweizer benötigen für die Einreise in die Türkei einen gültigen Reisepass.
Istanbul kann mit unzähligen Hotels aufwarten. Von der einfachsten Kategorie bis zur Luxusklasse ist alles vertreten. Einige Hotels bieten sogar den Charme und den Luxus alter Sultanspaläste.
Ein ganz wichtiger Teil der türkischen Küche sind die "mezeler", die Vorspeisen. Sie sind so köstlich, dass man manchmal das Hauptgericht darüber vergisst. Ob warm oder kalt, der Gast hat eine große Auswahl, und dazu trinkt man Raki, ein Anisschnaps, der im Volksmund "Löwenmilch" heißt.
Das Angebot für Abend und Nacht ist in Istanbul nicht ganz so groß wie in anderen Metropolen. Wer eine arabische Nacht mit Bauchtanz erleben möchte, wird eher enttäuscht werden. Ein Tipp ist die Fußgängerzone in Ortaköy, wo immer etwas los ist.
Ein besonderes Erlebnis ist der Besuch eines türkischen Bades. In den Badepalästen aus Marmor werden Körper und Seele gereinigt. Nach einem Besuch fühlt man sich glücklich und sauber wie für die Ewigkeit. Nachdem sich der Besucher entkleidet hat, wickelt ihn ein Badediener in ein großes Tuch und führt ihn in den Hararet, den Dampfraum. Dort wird man eingeseift und mit einem Handschuh aus Pferdehar abgerieben. Danach setzt man sich neben eines der Wasserbecken und übergießt sich mit Hilfe kleiner Schöpfgefäße. Der Hamam ist nach Geschlechtern getrennt. Jedes der großen Hotels bietet den Gästen einen - manchmal gemischten - Hamam.
Bibliografie:
- Andrea Gorys: Istanbul, 1999
- Istanbul, Baedekers Allianz Reiseführer, 1998
- Istanbul, DUMONT Taschenbuch, 1999









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