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Jacques Offenbach - ein Franzose vom Rhein

Zeit und Welt

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Jacques Offenbach (18191880)

Ähnlich wie sein Zeitgenosse Gioacchino Rossini wird auch Jacques Offenbachs Leben von den politischen Wirren seiner Zeit nachhaltig beeinflusst. Insbesondere in Paris, Offenbachs Wahlheimat und Zentrum der revolutionären Umtriebe im 19. Jahrhundert, dreht sich das Rad der Geschichte zwischen 1789 und 1870 mit rasender Geschwindigkeit und mehr als einmal flüchtet Offenbach mit Frau und Kindern vor den politischen Wirren.

Nach der ersten großen Revolution mit dem Sturm auf die Bastille wird 1791 die konstitutionelle Monarchie eingeführt, die bereits ein Jahr später durch die Ausrufung der Ersten Republik abgelöst wird. In den folgenden Jahren beginnt der kometenhafte Aufstieg Napoleon Bonapartes, der sich 1802 zum Kaiser krönen lässt und damit das Erste Kaiserreich begründet. Die einstmals heiß umkämpften republikanischen, bürgerlichen und demokratischen Ideale werden zunehmend außer Kraft gesetzt und durch eine strenge Militärdiktatur ersetzt. Mit der Niederlage von Waterloo im Jahr 1815 endet diese Ära und auf dem Wiener Kongress wird mit einer Rückkehr zu den alten Werten und Traditionen eine Phase der Restauration eingeleitet, die die Monarchie wieder einsetzt. Nach Ludwig XVIII. und Karl X. kommt mit dem so genannten Bürgerkönig Louis-Philippe nach der Julirevolution von 1830 ein progressiver, den Zielen der Restauration entgegen wirkender Regent auf den Thron, der das Bürgertum zur tragenden Schicht der Gesellschaft erhebt.

In der Februarrevolution von 1848 wird auch er von den Schichten der Arbeiter und Kleinbürger gestürzt. Mit der Ausrufung der Zweiten Republik wird erstmals das allgemeine und gleiche Wahlrecht eingeführt und Louis Napoleon für vier Jahre zum Präsidenten der Republik ernannt. Ähnlich seinem Namensvetter strebt auch er nach dauerhafter Macht, lässt sich in einem Staatsstreich zunächst zum Präsidenten auf 10 Jahre wählen und ein Jahr später zum Kaiser Napoleon III. krönen (Zweites Kaiserreich). Seine ambitionierte Außenpolitik mündet 1870/71 in den Deutsch-Französischen Krieg, der den Kaiser den Thron kostet und Frankreich die Gebiete des Elsass und Teile Lothringens. Nach der Absetzung Napoleons III. wird 1870 die Dritte Republik ausgerufen.

Napoleon III. hatte vor allem kulturell bedeutende Spuren hinterlassen, denn während seiner Regentschaft entwickelt sich Paris zur Kulturmetropole Europas. Wie vielleicht in keiner anderen Stadt Europas existieren in diesen Jahren die verschiedensten musikalischen Strömungen gleichzeitig in der Stadt an der Seine, denn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erleben die großen dramatischen Opern Giuseppe Verdis ebenso das Licht der musikalischen Welt wie die spritzigen Operetten Jacques Offenbachs. Darüber hinaus ist Paris von einer lebendigen geistigen Atmosphäre erfüllt, die einen bunten Reigen von Schriftstellern, Malern, Musikern und Gelehrten vereint.

Das Paris Jacques Offenbachs ist durch die wechselvollen geschichtlichen Ereignisse beinahe vergnügungssüchtig und ähnlich dem wienerischen Motto "Tu felix Austria tanze!" herrscht auch in Paris eine regelrechte Tanzwut, die dem Neuling Offenbach zu Beginn seiner Pariser Karriere erste Aufträge als Unterhaltungskomponist beschert. Jacques Offenbach sollte für die Nachwelt jedoch vor allem als "Vater der Operette" in die Geschichte eingehen. Obwohl Florimond Hervé in seinem Operettentheater "Folies-Nouvelles" bereits 1854 mit "La Perle d'Alsace" erstmals ein Werk in dieser neuen Gattung aufgeführt hatte - in dem auch schon der später für die Pariser Operette so charakteristische, zu jener Zeit jedoch noch arg verpönte Cancan erklingt -, wird allgemein Offenbachs Name mit der Geburt dieser Gattung in Verbindung gebracht. Die Uraufführung seiner beiden Einakter La Nuit blanche und Les Deux Aveugles (Die beiden Blinden) am 5. Juli 1855 in seinem Theater "Bouffes-Parisiens" hat durch die zusätzliche Publicity der gleichzeitig stattfindenden Pariser Weltausstellung vor einem internationalen Publikum jedoch nicht nur den nachhaltigeren Erfolg, sondern trägt seinen Namen schon bald auch über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus. Darüber hinaus sollte es Offenbachs Verdienst sein, die Operette im Laufe seines Lebens von den ersten Gehversuchen in Kinderschuhen zu einer selbständigen neuen Gattung zu befreien, einer Gattung, die er selbst als genre primitif et gai charakterisierte. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich daraus in der Einheit aus heiter-schwungvollen Tänzen, schmelzenden Melodien und spritzigen Libretti, die für einen Abend die reale Welt auf den Kopf stellten und zudem durch ihre satirische Zeit- und Gesellschaftskritik den Zuhörern aus der Seele sprachen, eine so charakteristische Form, dass sich als Bezeichnung dafür der Begriff Offenbachiade etablierte.

  1. Zeit und Welt
  2. Leben und Werk

Bibliografie:

  • Peter Hawig: Jacques Offenbach. Facetten zu Leben und Werk, Köln 1999
  • Siegfried Kracauer: Jacques Offenbach und das Paris seiner Zeit, Frankfurt a.M. 1994
  • Paul W. Jacob: Jacques Offenbach mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbek 1997

Institution(en):

  • Jacques Offenbach Gesellschaft
    Römerstraße 1, D-56130 Bad Ems
    02603/506030
    02603/506031
    info@offenbach-festival.de
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